Von der Quelle bis zur Mündung

Wie ein breites blaues Band zieht sich die Mittelelbe bei Dessau durch eine flache grüne Landschaft.

Lebensraum Fluss

Von der Quelle bis zur Mündung

Von Ulrich Neumann

Wasser sucht sich seinen Weg. Zunächst tropft und rieselt es im dunklen Erdinneren zwischen Felsspalten, Schotter- und Kiesschichten hindurch und folgt dabei dem Gefälle der wasserundurchlässigen Schichten. Ständig kommt Nachschub von oben.

Die Quelle

Regenwasser sickert in den Boden und füllt immer wieder Spalten, Ritzen und Hohlräume. Das Grundwasser staut sich und sucht Abfluss. An einer passenden Stelle, dort wo Lehm- oder Tonschichten sich nach außen öffnen, tritt es als Quellwasser hervor.

Man unterscheidet verschiedene Quellformen. Es gibt Sturzquellen, Tümpelquellen, Sumpf- und Sickerquellen sowie Thermalquellen. Die heißen Thermalquellen weisen Temperaturen von über 40 Grad auf und bieten hitzebeständigen Bakterien ein geeignetes Milieu.

Bei den übrigen Quellformen liegt die Wassertemperatur konstant zwischen sechs und zehn Grad Celsius. An der Quelle ist das Wasser noch nährstoff- und sauerstoffarm.

Der Bach

Im Bach vereinigen sich zahlreiche Quellrinnsale zum fließenden Gewässer und bilden zunächst den Oberlauf. Hier herrscht über das Jahr eine gleichbleibende Wassertemperatur von maximal zehn Grad Celsius. Der Boden ist zunächst noch mit scharfkantigen Steinen und Felsbrocken bedeckt.

Erst im weiteren Verlauf nehmen sie die runde Form von Kieseln an und werden von ersten Pionierpflanzen aus grünen, gelben, brauen und auch roten Algenflächen sowie von zahlreichen Flechtenarten überzogen.

Hier leben Bach- und Regenbogenforelle, Elritze und Groppe – allesamt schnelle Sprinter unter den Fischen, die sich bei ihren Beutezügen in der starken Strömung behaupten müssen. Sie sind aufgrund des Kraftaufwandes auf ein sehr sauerstoffhaltiges Milieu angewiesen.

Bachlauf im Wald mit Felsen

In Bächen herrscht eine gleichbleibende Wassertemepratur

Die Fluss-Auen

Im Mittellauf, wo sich das Bachbett verbreitert und die Fließgeschwindigkeit nachlässt, wird aus dem Bach ein Fluss. Die Spanne von Ufer zu Ufer beträgt nun mehr als fünf Meter. Die größeren Wassermassen üben einen verstärkten Druck auf die Uferbegrenzung aus.

Vor allem bei Hochwasser verlagert der naturbelassene Fluss sein Bett. Es entstehen neue Seitenarme und Inseln, die von Zeit zu Zeit überflutet werden und dann wieder trockenfallen.

All das sind die typischen Merkmale einer Auenlandschaft. In solchen Flussauen kann sich die Artenvielfalt voll entfalten. Dieser Gewässerabschnitt ist typischerweise von Äschen und Barben bewohnt. Die Wassertemperatur übersteigt auch in den Sommermonaten selten 15 Grad.

Auf der Flusssohle bildet sich das sogenannte Lückensystem aus Sand- und Kieselflächen, das Insektenlarven und Bachflohkrebsen Schutz und Lebensraum bietet. Diese Kleinlebewesen bilden wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für die höheren Lebewesen.

Der Unterlauf

Auf den Mittellauf folgt der Unterlauf. Die Wassermenge nimmt noch einmal deutlich zu. Das Wasser enthält viele Schwebstoffe, es ist trübe und erwärmt sich in den Sommermonaten auf bis zu 20 Grad. Der Unterlauf ist eine typische Region für Brachsen. In diesem nährstoffreichen, aber sauerstoffärmeren Milieu leben auch Karpfen, Schleie, Karausche, Wels und Zander.

Im Uferbereich trifft man auf eine große Vielzahl von Wasserpflanzen, Wasservögeln, Wasserinsekten und Säugetieren wie Biber, Fischotter oder Bisamratten, die zusammen eine große stabile Lebensgemeinschaft bilden.

Stand: 07.08.2018, 17:45

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