Hochwasserschutz durch Renaturierung

Luftaufnahme der Lippe

Lebensraum Fluss

Hochwasserschutz durch Renaturierung

Von Ulrich Neumann

Als im August 2002 nach außergewöhnlich heftigen Niederschlägen die Elbe über die Ufer trat, hinterließ die Katastrophe Schäden von mehr als neun Milliarden Euro.

Die Flut von 2002 galt als Jahrhundertereignis. Knapp elf Jahre später war es wieder so weit: Im Juni 2013 kam es in ganz Mitteleuropa zu Überschwemmungen, die das Hochwasser von 2002 teils noch übertrafen. Europaweit entstand ein Schaden von rund zwölf Milliarden Euro, davon entfielen laut Finanzministerium allein acht Milliarden auf Deutschland.

Nur ein winziger Bruchteil dieser gewaltigen Schadenssumme steht heute für die Renaturierung von Flusslandschaften zur Verfügung. Aber auch die vergleichsweise bescheidenen Summen sind eine gute Investition in den künftigen Hochwasserschutz, loben Experten.

Flüsse haben wenig Platz bei Hochwasser

Flüsse, die in den vergangenen 200 Jahren begradigt und in ein verengtes Flussbett gezwängt wurden, benötigen bei Hochwasser eine ausreichend große Ausdehnungsfläche, um die gewaltigen Wassermassen transportieren zu können. Dieser sogenannte Retentionsraum wurde jedoch seit dem 19. Jahrhundert im Zuge umfangreicher Flusskorrektionsmaßnahmen weitgehend zerstört.

Bei Hochwasser baut sich so eine bedrohliche Flutwelle auf. Es kommt zu hohen Pegelständen, die es früher so nie gegeben hat. Ein wichtiges Anliegen von Renaturierungsmaßnahmen ist es deshalb, an ausgewählten Abschnitten die Fließgewässer wieder ihrem ursprünglichen Zustand anzunähern und ausreichende Überschwemmungsgebiete anzuschließen.

Wie Hochwasser entstehen Planet Wissen 19.06.2019 02:36 Min. Verfügbar bis 19.06.2024 WDR

Was passiert bei der Renaturierung?

In einem ersten Schritt werden bei einer Renaturierungsmaßnahme zunächst einmal die hydraulischen Gegebenheiten erkundet. Die Eindeichung der Flüsse, das Ausbaggern von Fahrrinnen und das Trockenlegen von Auenlandschaften haben dazu geführt, dass der Grundwasserspiegel und das Oberflächenwasser sich nicht mehr auf natürliche Weise regulieren.

Um wieder zum ursprünglichen Zustand zurückkehren zu können, müssen Flussdeiche geöffnet, Staustufen abgebaut, tote Flussarme wieder angeschlossen und Steinschüttungen an Flussufern entfernt werden. So kann es allmählich wieder zu einer Aufweitung des Flussbettes kommen.

Grundwasserspiegel und Oberflächenwasser regulieren sich selbst

Im Laufe der Zeit werden vor allem bei Hochwasser alte Vegetationsflächen abgetragen und in den Fluss gespült. Andernorts kommt es zu Kies- und Sandablagerungen, auf denen sich dann allmählich wieder neue Pflanzen, sogenannte Pioniergesellschaften, ansiedeln können.

Das fließende Wasser ist sich selbst überlassen und gestaltet nun wieder auf natürliche Weise den Lebensraum. Das Flussufer verändert sich, es kommt zu Abbrüchen und bei Hochwasser wird wieder nährstoffhaltiges Sediment in die Flussauen eingetragen.

Tier- und Pflanzenarten siedeln sich wieder an

Um für Fische die Durchgängigkeit zu verbessern, werden zunehmend Fischtreppen gebaut, so dass wandernde Fischarten wie der Lachs wieder ihre ursprünglichen Laichgründe aufsuchen können.

Lebendes oder keimfähiges Erbmaterial wird flussabwärts in die Auenlandschaft gespült und so kommt es allmählich zur Wiederbelebung der Artenvielfalt. Erst wenn zuvor ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten wieder heimisch werden und ihre Population sich vergrößert, kann beurteilt werden, ob die Renaturierungsmaßnahmen erfolgreich waren.

Drei etwa zehn Zentimeter lange Junglachse aus irischen Eiern in einem Aquarium.

Rheinlachse können ihre ursprünglichen Laichgründe wieder aufsuchen

Stand: 15.10.2018, 08:58

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