Gewässerqualität

Ein Glas Wasser aus einem Baggersee

Lebensraum Fluss

Gewässerqualität

Von Ulrich Neumann

Es ist ein gutes Zeichen, wenn es in Bächen und Flüssen wieder ein breit gefächertes Spektrum von Algen, Flechten, Schnecken, Kleinkrebsen, Insektenlarven sowie Fischarten und Wasserpflanzen gibt. Die Wasserqualität hat sich in den deutschen Gewässern nach dem Bau vieler Kläranlagen deutlich verbessert. Dort, wo Bäche und Flüsse von menschlichen Eingriffen verschont wurden, führt die Natur die Regie.

Kleinstlebewesen zeigen die Gewässerqualität an

Bei der Bestimmung der Wasserqualität orientiert man sich an einer biologischen Einteilung, dem sogenannten Saprobiensystem. Wirbellose Kleinstlebewesen übernehmen dabei die Funktion von Bioindikatoren.

Ist zum Beispiel die Flusssohle von einem schwarzen Faulschlamm bedeckt, so werden sich in den Gewässer- und Sedimentproben vor allem Bakterienstämme und vielleicht noch Zuckmückenlarven oder Schlammröhrenwürmer nachweisen lassen. Dabei handelt es sich um Lebewesen, die im sauerstofffreien (anaeroben) Milieu vorkommen.

Das Vorhandensein dieser Bioindikatoren ist ein Hinweis, dass aufgrund von Fäulnisprozessen dem Gewässer viel Sauerstoff entzogen wird. Hier können nur noch bakterienfressende und gegen die Fäulnisgifte unempfindliche Einzeller überleben. Der Flussabschnitt wäre stark belastet und böte keinen Lebensraum mehr für Pflanzen und Tiere.

Je nachdem, welche Kleinstlebewesen nachgewiesen werden, erfolgt bei dem Saprobiensystem die Einteilung in insgesamt vier verschiedene Belastungsstufen. Sie reichen von nicht oder kaum belastet bis übermäßig verschmutzt.

Biologische Kläranlagen

Flüsse, vor allem die Flussauen, haben schon immer auch die Aufgaben einer Deponie übernommen. In die Auen wird bei Hochwasser viel organisches Material eingebracht, das hier als willkommener Nährstoff abgelagert oder, wenn es sich zum Beispiel um Nitrat und Stickstoff handelt, biologisch abgebaut wird.

Im Wasser enthaltene Schwebstoffe werden zunächst von Kleinlebewesen recycelt. Sie zerlegen Pflanzenreste und Tierkadaver, ehe dann Bakterienstämme die Reste weiterverarbeiten. Die bei diesem Prozess anfallenden Mineralstoffe fließen anschließend wieder in den Stoffwechsel der Pflanzen ein.

Eine besonders wichtige Rolle bei der Selbstreinigung der Gewässer spielt das Schilf. Im Schlauchsystem seiner Wurzeln wird Sauerstoff in den Boden eingetragen. Das ermöglicht es bestimmten Bakterien, den ins Wasser eingeleiteten Stickstoff unschädlich zu machen.

Auch Muscheln übernehmen in den biologischen Kläranlagen der Flüsse eine ganz wichtige Funktion. Unablässig saugen sie über ihre Atemöffnung Wasser auf, filtern dabei die enthaltenen Schwebstoffe aus und führen sie dem eigenen Stoffwechsel zu. Untersuchungen an einer aus Amerika stammenden Muschelart haben ergeben, dass diese spezielle Muschel stündlich mehr als 40 Liter durchfiltrieren kann.

Mikroplastik im Rhein Planet Wissen 30.09.2019 04:41 Min. Verfügbar bis 30.09.2024 WDR Von Reinhart Brüning

Stand: 05.11.2019, 13:00

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