Mikroplastik – ein fast unsichtbares Problem

Mikroplastik in Lebensmitteln – ein Problem? Planet Wissen 29.05.2020 06:42 Min. Verfügbar bis 29.05.2025 SWR

Kunststoff

Mikroplastik – ein fast unsichtbares Problem

Von Andrea Wojtkowiak

Wir sind umgeben von winzigen Plastikpartikeln, dem sogenannten Mikroplastik. Über seine gesundheitlichen Risiken ist erst sehr wenig bekannt. Doch jeder Verbraucher kann helfen, Mikroplastik zu reduzieren – durch richtiges Einkaufen und Mülltrennen.

Mikroplastik ist überall

Mikroplastik treibt in den Flüssen und Meeren, befindet sich auf unseren Feldern und in der Luft. Kleinste Plastikstücke – das sogenannte Mikroplastik – haben sich unbemerkt fast überall in der Umwelt verteilt.

Im Gegensatz zu großem Plastikmüll wie Flaschen oder Tüten ist es kaum möglich, die winzigen Kunststoffpartikel wieder zu entfernen. Mittlerweile findet sich Mikroplastik auch in Tieren und sogar in uns Menschen.

Mikroplastik – sogar im arktischen Schnee Planet Wissen 29.05.2020 04:03 Min. Verfügbar bis 29.05.2025 SWR

Die kleinen Plastikstücke sind erst Ende der 1990er Jahre in den Fokus der Forschung gerückt.

Keine einheitliche Definition für Mikroplastik

Als "Mikroplastik" definieren das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und das Umweltbundesamt (UBA) "feste, wasserunlösliche Kunststoffpartikel, die fünf Millimeter und kleiner sind.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zählt außerdem auch flüssige Kunststoffe zu Mikroplastik, weil sie klumpen können und so Partikel bilden.

Weil es keine weltweit einheitliche Definition gibt, variieren die Zahlen, wie viel Mikroplastik in die Umwelt gelangt, sehr stark. Laut einer Studie des Umweltbundesamts landen bis zu 30 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr in den Weltmeeren, die früher oder später zu Mikroplastik zerrieben oder zermahlen werden.

Primäres und sekundäres Mikroplastik

Je nachdem wie das Mikroplastik entsteht, wird es als primäres und sekundäres Mikroplastik bezeichnet.

Primäres Mikroplastik stellt die Industrie in Form von kunststoffbasierten Granulaten oder Pellets gezielt her. Die Plastikteile werden in Kosmetikprodukten, zum Beispiel in Peelings, verwendet, in Waschmittel oder auch als Wirkstoffträger in der Medizin genutzt. Das Mikroplastik landet während des Gebrauchs häufig im Abwasser.

Sekundäres Mikroplastik entsteht durch chemische und physikalische Alterungs- und Zerfallsprozesse. Sie finden häufig direkt in der Umwelt statt, wenn zum Beispiel Plastiktüten oder Plastikflaschen, die achtlos weggeworfen wurden, durch Sonne, Wind oder Wellen langsam in kleinere Teile zerfallen.

Auch im Haushalt produzieren wir unbewusst Mikroplastik, zum Beispiel beim Waschen von Kunstfasern. Dabei lösen sich kleinste Partikel, die im Abwasser landen. Der Abrieb von Autoreifen im Straßenverkehr sei mit rund 30 Prozent die größte Quelle von Mikroplastik, berichtet das Fraunhofer-Institut für Umwelt, Sicherheits- und Energietechnik. Dieser ließe sich kaum vermeiden und lande schließlich in den Gullys.

Toter Fisch auf Eis in Box – Mikroplastik.

Menschen nehmen Mikroplastik zum Beispiel über Fische auf

Bei dem Mikroplastik, das sich heute in der Umwelt finde, handle es sich vor allem um sekundäres Mikroplastik, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Dieses Mikroplastik könne kaum vermieden oder gar wieder zurückgeholt werden. Wie genau und vor allem wie viel Mikroplastik auf welchem Weg in die Gewässer gelangt, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Mikroplastik gelangt in die menschliche Nahrungskette

Kein Mikroplastik zu sich zu nehmen, ist laut dem aktuellen Stand der Forschung mittlerweile so gut wie unmöglich. Weil sich die kleinen Partikel nicht nur im Wasser, sondern auch auf Feldern und in den Tieren befinden, die wir essen, nehmen wir Menschen täglich Mikroplastik mit unserer Nahrung auf. Studien zufolge sind es im Schnitt rund fünf Gramm pro Woche, was etwa dem Gewicht einer Kreditkarte entspricht.

Zu den gesundheitlichen Folgen von Mikroplastik für die menschliche Gesundheit haben Wissenschaftler bisher nur wenig geforscht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat im August 2019 einen Bericht zu den möglichen Auswirkungen von Mikroplastik auf Umwelt und Gesundheit veröffentlicht.

Im WHO-Bericht heißt es, dass Mikroplastik im Trinkwasser derzeit kein Gesundheitsrisiko darstelle, allerdings seien die Informationen lückenhaft. Studien hätten aber gezeigt, dass Partikel, die größer als 150 Mikrometer sind, mit großer Wahrscheinlichkeit wieder ausgeschieden werden. Kleinere Teile könnten aber im Körper bleiben und Entzündungen in Organen hervorrufen, wie eine Studie mit Tieren gezeigt habe.

Die WHO fordert deshalb nicht nur weitere Forschung zum Thema, sondern auch zusätzliche Schritte, um Mikroplastik zu vermeiden und aus dem Abwasser zu filtern.

Jeder Mensch kann Mikroplastik vermeiden helfen

Die Europäische Union plant ab 2022 einige Produkte, die Mikroplastik enthalten, schrittweise zu verbieten. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hofft so in den kommenden 20 Jahren die Umwelt von rund 400.000 Tonnen Mikroplastik entlasten zu können.

Wichtig ist aber auch, dass jeder Einzelne mithilft, Mikroplastik zu vermeiden. Verbraucher können zum Beispiel ausschließlich Cremes, Peelings und Zahnpasta ohne Mikroplastik kaufen oder Shampoo in fester Form, das mit einer Pappschachtel als Verpackung auskommt. Noch mehr Beispiele enthält der Einkaufsratgeber, den die Naturschutzorganisation BUND zusammengestellt hat.

Auch richtiges Mülltrennen hilft gegen Mikroplastik, indem Plastikprodukte fachgerecht recycelt werden und nicht in der Umwelt landen.

Wer außerdem Kleidung und Elektrogeräte möglichst lange nutzt und dann sachgerecht entsorgt und unnötige Verpackungen vermeidet, trägt dazu bei, Mikroplastik zu verhindern und unsere Umwelt zu schützen.

SWR | Stand: 26.03.2020, 18:00

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