Nylon

Schwarzweißfoto:  Frauenbeine in Nylonstrümpfen

Kunststoff

Nylon

Von Thomas Kamp und Inka Reichert

Ist die Bezeichnung "Nylon" eine Kombination aus "New York" und "London"?

Nylon wurde 1935 in den Vereinigten Staaten von der Firma "DuPont" entwickelt. Der Harvard-Absolvent Wallace Hume Carothers arbeitete sieben Jahre daran.

Doch die neue Kunstfaser zu entwickeln, war eine Sache. Dem Produkt einen werbewirksamen Namen zu geben, eine andere. Carothers nannte seine Entwicklung "Faser 66". DuPont war das zu unsexy.

Ein einberufenes Namenskomitee machte mehr als 400 Vorschläge, darunter "Duparooh" (Du Pont pulls a rabbit out of the hat = DuPont zaubert ein Kaninchen aus dem Hut). Doch "Duparooh" erhielt keine Mehrheit. Am Ende war man sich nur einig, dass in dem Namen in jedem Fall der Ausdruck "nu" für "new" enthalten sein sollte.

Angeblich kamen zwei Chemiker auf einem Flug von New York nach London auf den Namen Nylon, ein Kunstwort aus den beiden Städtenamen. Andere glauben, dass DuPont mit der Bezeichnung Nylon die Industrie in Japan ärgern wollte, der wegen der neuen Kunstfaser Absatzeinbrüche auf dem Seidenmarkt drohten.

Die Deutungen reichen von "Now you've lost, old nippon" (Nun hast Du verloren, altes Japan) bis hin zu "Now you lousy old nipponese?" (Und was jetzt, ihr lausigen Japsen?).

Richtig ist vielmehr, dass Ernest K. Gladding, der künftige Leiter der Nylon-Abteilung bei DuPont, "Norun" vorschlug. Das klang im Amerikanischen nicht schlecht und bedeutete zudem "keine Laufmaschen" (no run). Doch drohte ein Imageschaden, da Tests zeigten, dass bei der "Faser 66" sehr wohl Laufmaschen auftraten.

Gladding machte aus "Norun" das Kunstwort "Nuron". Aber auch hier entdeckte er Verwechslungsmöglichkeiten mit einem Nerventonikum ("Neuron") oder dem amerikanischen Wort für Trottel (Moron). Gladding ersetzte das "r" durch ein "l" - "Nulon". In einer Sitzung des Namenskomitees wurden noch mehrere Möglichkeiten durchgespielt, bis man sich schließlich auf Nylon einigte.

Wallace Hume Carothers konnte den Erfolg seines Nylons nicht mehr erleben. Er litt an schweren Depressionen und brachte sich 1937 durch die Einnahme von Zyanid um.

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Stand: 01.07.2019, 11:06

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