Biokunststoffe

Warum Bio-Kunststoffe nicht halten, was sie versprechen Planet Wissen 29.05.2020 05:55 Min. Verfügbar bis 29.05.2025 SWR

Kunststoff

Biokunststoffe

Von Inka Reichert

Plastik ist in Verruf geraten. Oft bleibt es jahrhundertelang in der Umwelt. Biokunststoffe scheinen eine Lösung für das Problem zu bieten. Doch stimmt das?

Bio ist nicht gleich bio

"Bioplastik ist kein neues Konzept", sagt Ramón Català, der am Institut für Lebensmitteltechnologie und Agrochemie in Valencia an neuen Kunststoffen forscht. "Die Haut vieler Supermarkt-Würste wird schon lange aus Plastik hergestellt, das sich im Magen und in der Umwelt schnell zersetzt".

Bioplastik sei biologisch abbaubar, sagt der Forscher. Das gelte jedoch nicht für jedes Bioplastik, das es heute auf dem Markt gibt.

Wenn etwas als Biokunststoff bezeichnet wird, bedeutet das zunächst nur: In der Produktion wurden Ressourcen verwendet, die nachwachsen. Zuckerrohr zum Beispiel, Soja oder Mais. "Die chemische Struktur unterscheidet sich aber nicht unbedingt von herkömmlichem Kunststoff aus Erdöl oder Erdgas", sagt Català.

Wenn ein Biokunststoff einen Molekülaufbau wie seine herkömmlichen Pendants besitze, sei dieser auch ähnlich schwer zu entsorgen. Das gelte für mehr als die Hälfte der Biokunststoffe, die heute erzeugt werden.

Nicht jedes Bioplastik gehört auf den Kompost

Die Formulierung "biologisch abbaubar" macht einen kleinen, aber feinen Unterschied. Doch selbst diese abbaubaren Kunststoffe sind mit Vorsicht zu genießen.

In großtechnischen Kompostieranlagen seien die Zeiten zu kurz für den Abbau, sagt Franziska Krüger, Expertin für Kunststoffverwertung vom Umweltbundesamt. "Die Plastiktüten bauen sich nicht vollständig ab."

Es blieben kleine Schnipsel über, die auch sichtbar seien. In den Kompostieranlagen seien die Biotüten unbeliebt, da sie den Wert des Komposts senken. Und auf den Kompost im Garten dürften die Biotüten nicht, weil hier die nötigen Temperaturbedingungen nicht gegeben seien.

"Selbst wenn sich die Bioplastiktüten vollständig zersetzen, haben sie keinen ökologischen Mehrwert", betont Krüger. Das Plastik zerfalle überwiegend zu Wasser und Kohlendioxid und liefere keine Nährstoffe für den Kompost. "Es macht tatsächlich mehr Sinn, die Biotragetaschen in Müllverbrennungsanlagen energetisch zu verwerten und die Wärmeenergie zu nutzen", sagt sie.

Umweltfreundliche Kunststoffe sind langlebig

Biologisch abbaubare Plastiktüten haben keinen Umweltvorteil gegenüber anderen Plastiktüten. Für die Ökobilanz sei die Fähigkeit sich schnell zu zersetzen eher schlecht, urteilt Franziska Krüger vom Umweltbundesamt. Umweltfreundliche Kunststoffe sollten langlebig und recyclebar sein, heißt es seitens des Umweltbundesamts. "Ob die Verbraucher mit einer Mehrwegtragetasche aus Kunststoff oder Jute einkaufen gehen, ist egal. Wichtig ist, dass sie die Tasche möglichst oft benutzen", sagt Krüger.

Wird Plastik jedoch häufig wiederverwendet, kann es umweltfreundlicher sein als andere Materialien. Mehrwegflaschen aus PET zeigen so etwa eine bessere Umweltbilanz als Mehrwegflaschen aus Glas. Beide Materialien sind gleichermaßen wiederverwertbar, PET ist aber leichter als Glas. Das senkt den Energieaufwand für den Transport.

Weiterführende Infos

WDR | Stand: 08.08.2018, 10:01

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