Weniger Plastik verbrauchen

Ein Tag ohne Plastik – wie geht das? Planet Wissen 29.05.2020 05:36 Min. Verfügbar bis 29.05.2025 SWR

Kunststoff

Weniger Plastik verbrauchen

Von Andrea Wojtkowiak

Plastikmüll ist weltweit ein großes Problem – allen voran Kurzlebiges wie Einwegartikel und Kunststoffverpackungen. Einfach zu handhabende Mehrwegsysteme könnten helfen, die Plastikflut einzudämmen. Genauso wie das Kaufen von plastikfreien Produkten.

Sinnvolle Kunststoffe, unsinnige Plastikverpackungen

Kunststoff ist eine der revolutionärsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Das leichte und gut formbare Material nahm schnell Einzug in unsere Haushalte und die Industrie.

Kunststoff ist oft sinnvoll und unverzichtbar – zum Beispiel in der Medizin und beim Bau von Flugzeugen, Autos oder Windkraftanlagen. Doch mittlerweile produzieren wir so viel Plastik wie noch nie. Weltweit sind es rund 400 Millionen Tonnen im Jahr. "Verpackungen machen davon rund 150 Millionen Tonnen aus", berichtet Dr. Rolf Buschmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Zwei Forscher nehmen Proben im arktischen Schnee – Sendung: Wege aus der Plastikflut.

Selbst im arktischen Schnee finden Forscher Mikroplastik

"Plastik kann ein hochwertiges Material in bestimmten Bereichen sein", sagt Umweltschützer Buschmann. Es mache aus seiner Sicht aber keinen Sinn, kurzlebige Produkte aus Plastik zu produzieren: "Wenn wir eine Einwegflasche nur kurz benutzen und dann direkt wieder wegwerfen, ist das eine Ressourcenverschwendung."

Plastik ist überall in der Umwelt

Je nach Zusammensetzung brauchen Kunststoffe 400 bis 500 Jahre, bis sie verrotten. Doch selbst nach der langen Zeit verschwindet das haltbare Material nicht völlig. Es bleiben kleine Teile übrig, das sogenannte Mikroplastik. Hinzu kommt das Mikroplastik, das zum Beispiel durch Abrieb von Autoreifen oder beim Waschen von Synthetikstoffen wie Fleecepullis entsteht.

Wissenschaftler haben Mikroplastik in Ackerböden, in Flüssen und Meeren und sogar im arktischen Schnee gefunden. Studien zeigen, dass jeder Mensch durch Trinken, Essen und Atmen pro Woche rund fünf Gramm Mikroplastik zu sich nimmt – das ist etwa so viel, wie eine Kreditkarte wiegt.

Plastikverbot für Einwegprodukte

Um die Plastikflut einzudämmen, verbietet die Europäische Union ab 2021 Nutzgegenstände aus Plastik, für die es bereits Alternativen gibt, darunter Einwegbesteck, Strohhalme und Wattestäbchen. Außerdem soll der Anteil an Recyclingkunststoffen stufenweise auf 30 Prozent steigen, und die Hersteller sollen anteilig die Kosten der Abfallbeseitigung und Reinigung tragen.

 Becher, Dosen und Flaschen aus Einwegplastik – Sendung: Wege aus der Plastikflut.

Einwegverpackungen sorgen für viel Plastikmüll

Doch das geht Umweltschützern nicht weit genug. "Wir Europäer produzieren pro Kopf den meisten Kunststoffabfall", sagt Dr. Rolf Buschmann. "Unser Wohlstandsmüll in Europa mit rund 50 Kilogramm pro Kopf im Jahr ist sehr hoch." Im Vergleich: In Asien produziere jeder Mensch im Schnitt unter einem Kilogramm Plastikmüll.

Clevere Mehrwegsysteme statt Plastikverpackungen

Die Verbraucher begrüßten die EU-Regelungen, sagt Dr. Katharina Beyerl. Die Umweltpsychologin vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam hat in einer Studie Experten und Verbraucher zu Themen wie Umweltschutz und Müllvermeidung befragt.

Das Ergebnis: Vor allem Mehrwegsysteme sind ein großes Thema, mit denen sich die Experten derzeit beschäftigen. Wie könnte ein intelligentes Produktdesign aussehen? Was sind sichere Materialien für Mehrwegbehältnisse? Wie lässt die Logistik sich umstellen, um Plastikverpackungen schon beim Transport zu reduzieren?

Zentral sei auch die Frage: Wie können Einweg-Umverpackungen vermieden werden, aber gleichzeitig der Schutz des Produktes beibehalten werden, berichtet Beyerl. Es müssten Anreize für alle Beteiligten geschaffen werden, sowohl für Hersteller als auch für Handel und Kunden, um solche Produkte zu nutzen.

Hier könne die Politik mehr tun als bisher, sagt Beyerl. Und zum Beispiel eine verbesserte Infrastruktur für Mehrwegsysteme einführen. Es wäre einfacher, wenn Verbraucher ihre Flaschen an einem System an der Straßenecke zurückgeben könnten, und die Pfandflaschen nicht zurück in den Supermarkt bringen müssten. Gleiches gelte für andere Mehrwegbehälter.

Jeder Mensch kann plastikfreier leben

Plastikfreie Alternativen finden sich mittlerweile in fast jedem Supermarkt: Milch, Säfte und andere Getränke gibt es auch in Glasflaschen, Nudeln und Reis in Papierverpackungen. Obst und Gemüse werden oft auch unverpackt verkauft, und bei Kosmetikprodukten können Kunden statt zur flüssigen zur festen Seife greifen, die meist nur mit einer Pappschachtel als Verpackung auskommt.

Wege aus der Plastikflut: Unverpackte Äpfel in Stofftasche

Unverpacktes Obst hilft beim Plastikeinsparen

Auch Shampoo, Duschgel oder Zahnpasta gibt es als feste Produkte und als Nachfüllpackungen, die zumindest einen Teil der Plastikverpackung sparen. Und wer sichergehen will, dass in Kosmetika kein Mikroplastik enthalten ist, kann mithilfe verschiedener Apps die Inhaltsstoffe scannen.

Wer beim Waschen und Putzen zu Altbewährtem wie Waschkastanien, Essig, Zitronensaft und Natron greift, bekommt nicht nur eine saubere Wohnung, sondern hilft auch mit, die Umwelt sauber zu halten.

Quellen:

  • BUND und Böll-Stiftung: Plastikatlas 2019
  • https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/chemie/chemie_plastikatlas_2019.pdf
  • Studiogespräche aus der Sendung "Wege aus der Plastikflut"
  • https://www.eu-plastikverbot.de/

SWR | Stand: 22.05.2020, 05:00

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