Gummi

Verschiedene bunte Gummiprodukte

Werkstoffe

Gummi

Dehnbar, wasserabweisend und widerstandsfähig – das sind die wichtigsten Eigenschaften des Gummis. Aus dem Werkstoff lassen sich ganz unterschiedliche Produkte herstellen wie Autoreifen, Kondome, Dichtungen und Latexmatratzen. Der Gummi-Rohstoff wird aus Kautschukbäumen gewonnen. Die Produzenten verwenden heute jedoch überwiegend synthetischen Kautschuk.


Kautschuk, Latex und Elastomere

Gummi ist nicht gleich Gummi. Es gibt zahlreiche Produkte, die die Industrie speziell für die verschiedenen Anwendungsgebiete entwickelt. Chemiker sprechen von Elastomeren oder Elastomerprodukten.

2016 haben deutsche Unternehmen rund 675.000 Tonnen Kautschuk verarbeitet. Davon waren 224.000 Tonnen Naturkautschuk, der vorwiegend aus Malaysia, Thailand und Indonesien stammt. Den synthetischen Kautschuk produzieren die Unternehmen meist direkt in Deutschland.

Gummi ist zwar als Begriff allgemein gebräuchlich, jedoch etwas ungenau. Im Einzelhandel führt das immer wieder zu Missverständnissen. Die Kunden gehen häufig davon aus, dass mit Latex ein Produkt aus Naturkautschuk gemeint ist. Das ist nicht immer der Fall: Latex ist lediglich Kautschuk in flüssiger Form, sagt der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie. Und der Kautschuk kann sowohl natürlich als auch synthetisch hergestellt werden.

Zu Ballen gepresster Naturkautschuk

Naturkautschuk – für den Export zu Ziegeln gepresst

Mit dem richtigen Schnitt zur reichen Ernte

Die Kautschukbäume wachsen in den tropischen Regionen. Sie sind zwischen 15 und 30 Meter hoch und haben einen Stammdurchmesser von bis zu einem Meter. Die Bäume sind zwischen fünf und acht Jahre alt, bevor die Plantagenarbeiter den ersten Latex ernten können.

Um ihn zu gewinnen, schneiden sie die Rinde schräg an, etwa bis zur Hälfte des Baumumfangs. Meist geschieht das vor Tagesanbruch, wenn der Pflanzensaft am besten fließt. Pro Tag lassen sich ungefähr 20 bis 30 Gramm Latex einfangen. Ein Drittel davon ist Kautschuk, ansonsten enthält der Saft vor allem Wasser.

Nach zwei Tagen wird ein Streifen Rinde unterhalb des Schnittes gelöst, um neuen Latex zu gewinnen. So gehen die Arbeiter weiter vor, bis sie am Fuß des Baumes angekommen sind. Danach wechseln sie auf die andere Seite. Wird ein Kautschukbaum sorgfältig behandelt, liefert er Latex, bis er 40 Jahre alt ist. Mit dem Alter lässt jedoch die Produktion des Saftes nach.

An einem Kautschukbaum hängt eine Schale mit flüssigem Latex.

Latexgewinnung auf natürliche Weise

Manche Menschen reagieren allergisch

Naturkautschuk hat nicht die gleichen Eigenschaften wie synthetischer Kautschuk. Künstlich hergestellte Gummihandschuhe sollen resistenter gegen Chemikalien sein als Handschuhe aus Naturkautschuk. Diese eignen sich wiederum besser für den Umgang mit Ölen.

Manche Menschen reagieren allerdings allergisch auf die Naturprodukte. Die Auslöser sind die darin enthaltenen Eiweißbestandteile. Die Industrie hat darauf reagiert und filtert die Proteine im Herstellungsprozess heraus.

Die wichtigsten Produkte für die deutsche Kautschukindustrie liegen ohnehin in anderen Bereichen, etwa im Fahrzeugbau. Autoreifen und Autoteile wie Dichtungen, Schläuche und Federungssysteme führen die Liste der Kautschukprodukte an. Auch im Maschinenbau ist Gummi gefragt, etwa für Förderbänder oder Antriebsriemen.

2016 hat die deutsche Kautschukindustrie einen Umsatz von rund 11,3 Milliarden Euro erzielt. Die Forschungsabteilungen der Unternehmen arbeiten ständig an der Verbesserung von Produkten aus Gummi.

Eine veränderte Zusammensetzung soll das Material haltbarer machen, so dass die Autobesitzer seltener die Dichtungen oder Schläuche ihrer Fahrzeuge austauschen müssen.

Auch an den Autoreifen wird gefeilt: Sie sollen zum einen besser auf der Straße haften, zum anderen sollen sie aber leiser rollen und weniger Rollwiderstand leisten, um den Straßenlärm und den Kraftstoffverbrauch zu senken.

Das Bild zeigt die Herstellung von Dichtungen für die Autoindustrie.

Dichtungen sollen langlebiger werden

Recycling: Reifen brennen für Zement

Das Recycling von Reifen und anderen Gummiprodukten ist ein wichtiges Thema. Ausrangierte Reifen werden über verschiedene Wege in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt. Ein Teil wird zerkleinert und zu neuen Produkten verarbeitet, etwa zu Gummimatten oder zum Bodenbelag eines Sportplatzes.

Auch die Zementindustrie nutzt alte Reifen häufig als Brennstoff. Zum einen haben die Reifen in etwa den gleichen Brennwert wie Steinkohle. Zum anderen kann das Eisen aus der Verstärkung der Reifen in den Zement eingebunden werden.

Altreifen liegen kreuz und quer

Altreifen haben einen hohen Brennwert

Autorin: Christina Lüdeke

Weiterführende Infos

Stand: 20.06.2018, 09:04

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