Hochwasser an der Elbe

Luftbild: Die weit über die Ufer getretene Elbe ähnelt eher einem See als einem Fluss. Vereinzelt schauen Bäume aus dem Wasserteppich. Am Rand des Wassers ist ein Dorf zu sehen

Elbe

Hochwasser an der Elbe

Hochwasser ist in den Uferbereichen der Elbe keine Seltenheit. Wie an anderen Flüssen tritt auch an der Elbe typischerweise ein Winterhochwasser nach schneller Schneeschmelze auf. Dies war beispielsweise im Jahr 1845 der Fall. Damals war die Elbe komplett zugefroren. Als es taute, blieben unter anderem große Eisschollen an Brücken hängen, so dass das Wasser nicht abfließen konnte. Relativ häufig kommt es außerdem im Spätfrühling zu hohen Wasserständen, bedingt durch die Schneeschmelze im Riesengebirge. Bisher eher untypisch dagegen ist die Situation, wie sie bei der sogenannten Jahrhundertflut im August 2002 auftrat. Sie wurde durch extrem starke Sommerniederschläge verursacht, die nicht schnell genug abfließen konnten.


Jahrhundertflut 2002

Besonders in Sachsen und Böhmen gab es im August 2002 ungewöhnlich starke Regenfälle. So wurden am 12. und 13. August 2002 in Zinnwitz im Erzgebirge Spitzen-Niederschläge von bis zu 350 Litern pro Quadratmeter gemessen. Solche Wassermengen konnte der Boden nicht aufnehmen.

Die kleineren Flüsse der Region, die in Elbe oder Mulde münden, schwollen innerhalb von Stunden auf ein Mehrfaches ihrer Größe an, rissen Brücken weg, unterspülten Straßen und beschädigten Häuser. Teilweise brach sogar die Telefon- und Stromversorgung zusammen, ganze Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten.

Luftbild: Schloss Pillnitz, ein herrschaftliches großes Gebäude mit geschwungener Freitreppe, steht mit der Vorderseite im Wasser.

Schloss Pillnitz bei Dresden unter Wasser

Hunderttausende von Menschen verloren durch das Hochwasser ihren Besitz, viele von ihnen Privatleute, die noch nicht einmal eine Versicherung gegen Hochwasser abgeschlossen hatten. Schlimme Verwüstungen in den Städten entlang der Elbe gab es vor allem in Dresden. Wenige Tage zuvor war bereits die Weißeritz über die Ufer getreten, die in Dresden in die Elbe mündet.

Allein die Schäden an der Dresdner Semperoper lagen bei rund 27 Millionen Euro. Die für die Bühnentechnik notwendigen Anlagen in den Kellerräumen und das Restaurant wurden verwüstet. Auch die unterirdischen Depots der Gemäldegalerie füllten sich rasch mit Wasser.

Da ein Lastenaufzug außer Betrieb und die Gänge zu eng waren, mussten einige Gemälde aus dem 16. bis 18 Jahrhundert in den gefluteten Depot-Räumen bleiben – unter die Decke montiert und der hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt.

Doch die große Flut rief auch eine Welle der Hilfsbereitschaft hervor. Ungezählte Freiwillige reisten aus ganz Deutschland an, um Wasser abzupumpen, Schlamm wegzuschaufeln und aufzuräumen. In einer der größten Spendenaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik wurden rund 130 Millionen Euro gesammelt.

Rund 73.000 Helfer von Technischem Hilfswerk, Bundeswehr und Bundesgrenzschutz schufteten rund um die Uhr. Der Bund und die Länder stellten mit dem Fonds "Aufbauhilfe" 7,1 Milliarden Euro zur Verfügung.

Der Platz vor der Dresdener Semperoper ist überflutet. Das Gebäude spiegelt sich im Wasser. Eine Frau fotografiert die Szene.

Hochwasser vor der Dresdener Semperoper

Elbehochwasser 2006

Im März und April 2006 gab es erneut ein extrem starkes Hochwasser an der Elbe. Ausgelöst wurde es durch einen raschen Temperaturanstieg in den Gebirgen am Oberlauf des Flusses. Dadurch schmolz der Schnee sehr rasch, hinzu kamen starke Niederschläge.

Die Auswirkungen dieses Hochwassers unterschieden sich stark von dem knapp vier Jahre zuvor. In Dresden wurden zwar mehrere Stadtteile evakuiert, die Pegelstände lagen jedoch mit maximal 7,49 Metern rund zwei Meter unter dem Höchststand von 2002.

Zwar wurde in einigen Landkreisen in Sachsen Katastrophenalarm ausgelöst, insgesamt kamen Sachsen und Sachsen-Anhalt jedoch eher glimpflich davon. Viele Deiche entlang der Elbe waren nach der Jahrhundertflut verstärkt worden und hielten nun der neuen Belastung stand.

Umso stärker waren dann Niedersachsen und Schleswig-Holstein betroffen. Die Stadt Hitzacker, die nicht durch einen Deich geschützt war, stand zu großen Teilen unter Wasser. Auch die Altstadt von Lauenburg in Schleswig-Holstein wurde überschwemmt.

Zwei Männer rudern mit einem Boot durch das Dorf Hitzacker. Eine Frau in Gummistiefeln verlässt das Boot nahe einem Haus.

Per Boot unterwegs durch Hitzacker

Mögliche Ursachen

Extreme Wetterlagen sind nur eine von mehreren Ursachen, weshalb Elbe-Hochwasser entstehen. Hinzu kommt eine starke landwirtschaftliche Nutzung und eine zunehmende Flächenversiegelung in den Städten und Gemeinden an den Nebenflüssen. Dadurch wird weniger Wasser vom Boden aufgenommen.

Viele Deiche wurden außerdem sehr nah am Fluss errichtet. Ein Abfließen des Wassers in ursprüngliche Gewässerauen ist dadurch nicht mehr möglich. Abhilfe ließe sich nach der Ansicht von Naturschützern vor allem durch einen Ausbau von sogenannten Retentionsflächen schaffen. Das sind flussnahe Bereiche, die bei Hochwasser überflutet werden können.

Eine große Schwierigkeit beim wirksamen Hochwasserschutz an der Elbe liegt darin begründet, dass sich das Einzugsgebiet des Stroms über mehrere EU-Länder erstreckt. Betroffen sind nicht nur die Tschechische Republik und Deutschland, sondern auch Polen und Österreich, durch die verschiedene Zuflüsse der Elbe fließen. Innerhalb Deutschlands müssen sich Ministerien von zehn Bundesländern auf gemeinsame Maßnahmen einigen.

Die zehn Länder im Elbe-Einzugsgebiet und der Bund haben daher die Flussgebietsgemeinschaft Elbe (FGG Elbe) gegründet, um beim Wasserschutz wirksam zusammenzuarbeiten. Ein Ergebnis: Am 10. November 2006 wurde eine Erklärung zu zukünftigen Maßnahmen gegen Hochwasser unterschrieben. Geplant ist unter anderem, weitere Retentionsräume einzurichten, aber auch Bebauungsverbote und Überschwemmungsgebiete festzusetzen.

Eine Schafherde grast auf einem Elbdeich. Rechts und links des Deiches steht Wasser.

Flussnahe Retentionsflächen als Hochwasserschutz

Autorin: Christina Lüdeke

Stand: 15.10.2018, 10:46

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