Erzgebirge

Blick über eine verschneite Landschaft mit Nadelbäumen. Im Hintergrund Berge, im Vordergrund ein Holzzaun.

Mittelgebirge

Erzgebirge

Glück auf! So wird noch heute im Erzgebirge gegrüßt. Der bekannte Bergmannsgruß hat seinen Ursprung in dieser Region. Von hier aus verbreitete er sich in ganz Deutschland. Bergbau ist das zentrale Thema im Erzgebirge. Ohne ihn gäbe es weder das Weihnachtsland noch so manche touristische Attraktion.


Wo liegt das Erzgebirge?

Mirikwidi, übersetzt Finster- oder Dunkelwald, wurde das Erzgebirge früher genannt. Erst mit dem Fund kostbarer Erze erhielt die Region ihren heutigen Namen. Geografisch liegt das Erzgebirge zum Teil im deutschen Bundesland Sachsen, zum Teil in der Tschechischen Republik. Die Grenze verläuft zumeist nördlich des Gebirgskammes.

Im Osten stößt das Erzgebirge an die Sächsische Schweiz, auch Elbsandgebirge genannt. Im Westen liegt das Vogtland, im Süden das Nordböhmische Becken. Wo das Erzgebirge im Norden aufhört, ist umstritten. Geografen sprechen deshalb lieber vom Erzgebirgsvorland, wenn sie die Region zwischen Zwickau und Chemnitz bezeichnen.

Der mit 1244 Metern höchste Berg des Erzgebirges liegt auf der tschechischen Seite. Klinovec heißt er – oder Keilberg, wie die Deutschen sagen.

Ungefähr eine Million Menschen leben im Erzgebirge, Tendenz abnehmend. Denn durch die schlechte wirtschaftliche Lage ziehen besonders die jungen Leute weg.

Karte des Erzgebirges.

Das Erzgebirge liegt im deutsch-tschechischen Grenzgebiet

Von Graben, Schürfen, Treiben

Als im 12. Jahrhundert Bergbauern in der Region des heutigen Freiberg auf Silbererze stießen, lösten sie eine Besiedlungswelle aus. 300 Jahre später sollte sich das noch einmal wiederholen. Weitere Erzvorkommen waren um Schneeberg, Annaberg und St. Joachimsthal (Jáchymov) entdeckt worden.

Für die Menschen, die von überall her strömten, gab es viel zu tun: Neben Silber wurden bald auch Kupfer, Zinn, Eisen, Nickel und Kobalt abgebaut. Reich wurde allerdings nur die Obrigkeit. Auf die Bergmänner wartete harte Arbeit. 600 Jahre lang trotzten sie, nur mit Hammer und Eisen bewaffnet, dem harten Gestein seine Schätze ab.

Als im 18. Jahrhundert modernere Verfahren, wie Sprengungen, den Bergleuten Erleichterung brachten, war das Ende des Bergbaus bereits eingeläutet. Weitere 100 Jahre später war der Bergbau hier fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Zu einer Wiederbelebung kam es erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Unter Einsatz zehntausender Arbeiter ließ die Sowjetunion bis 1991 Uran für ihr Atomwaffenprogramm abbauen. Doch seitdem spielt der Bergbau im Erzgebirge als wirtschaftlicher Faktor keine Rolle mehr. Überlebt haben jedoch die bergmännischen Traditionen. Sie bestimmen noch immer maßgeblich das Leben im Erzgebirge.

Nussknacker & Co

Durch den Rückgang des Bergbaus mussten sich die Menschen im Erzgebirge nach anderen Einnahmequellen umschauen. Die Frauen trieben hauptsächlich das Klöppeln von Spitze voran.

Die Bergmänner nutzten den Rohstoff, von dem es in der Region am meisten gab: das Holz. Bis heute hat sich die Tradition gehalten, dass im Westerzgebirge mehr geschnitzt und im Osterzgebirge mehr gedrechselt wird.

Ursprung dieser Aufteilung ist der frühe Niedergang des Bergbaus im Osten des Gebirges. Um dort den Lebensunterhalt zu sichern, mussten die Holzprodukte seriell hergestellt werden können: die Geburtsstunde des Drechselns. Bereits im 17. Jahrhundert wurden zunächst Gegenstände des Alltags, wie Knöpfe, Löffel und Becher, gewerblich produziert.

100 Jahre später entdeckten Großhändler großer Spielzeugmärkte, wie dem in Nürnberg, dass sich im Erzgebirge preisgünstig produzieren lässt. So wurden aus den ehemaligen Bergmännern Spielzeugmacher. Ob Kegelbahn, Hampelmann, Ziehente oder Bauernhof mit Tieren: Die Palette ihrer Produkte war groß.

Heutzutage wird kaum noch Spielzeug produziert. Dafür gilt weihnachtliches Kunsthandwerk aus Holz als typisch für das Erzgebirge. Für den Weltmarkt wird es allerdings erst seit dem 20. Jahrhundert hergestellt.

Manches, wie die Pyramiden, Lichterengel oder Schwibbögen, ist traditionell im Erzgebirge verankert. Anderes, wie zum Beispiel der Nussknacker oder das Räuchermännchen, ist von verschiedenen Regionen Mitteleuropas abgeguckt.

Ein Schwibbogen

Klassiker aus dem Erzgebirge: der Schwibbogen

Einen Besuch wert

Neben dem Kunsthandwerk ist seit der Wende der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle im Erzgebirge geworden. So wirbt die Stadt Schlema mit der Heilkraft radonhaltigen Wassers. Der historische Kurort war durch den Abbau von Uran fast vollständig zerstört worden. Inzwischen sorgt ein neues Kurzentrum für das Wohlbefinden seiner Gäste.

Ein weiteres Highlight: die Silberstraße. Sie durchquert das Erzgebirge zwischen Zwickau und Dresden und erschließt alle bedeutenden Sehenswürdigkeiten. Entlang des Weges laden zahlreiche Museen und Schaubergwerke, aber auch die mittelalterlichen Stadtzentren mit ihren Sakralbauten zum Verweilen ein.

Für sportlich Interessierte hat das Erzgebirge ebenfalls einiges zu bieten: 3000 Kilometer hervorragend gepflegter Wanderwege warten auf Naturbegeisterte. Im Winter gibt es allerorts Loipen für den Skilanglauf. Alpinen Skispaß findet der Besucher in den Zentren am Fichtelberg und Klinovec.

Die Adventszeit ist nach wie vor die beliebteste Reisezeit. Da verwandelt sich das sächsische Erzgebirge in das Weihnachtsland: Aus den Fenstern leuchten Schwibbögen und Lichterengel, riesige Pyramiden drehen sich auf den Marktplätzen und Bergmannszüge marschieren auf.

Zwei Skilangläufer

Der Wintersport lockt viele Besucher an

Autorin: Birgit Amrehn

Stand: 02.10.2017, 16:48

Darstellung: