Eifel

Luftaufnahme von zwei Eifelmaaren in grüner Wald-Wiesen-Landschaft

Mittelgebirge

Eifel

"Preußisch Sibirien" – dieser nicht gerade schmeichelhafte Name bezeichnete einst eine Region, die wir heute unter dem Namen Eifel kennen. Dieser Landstrich mit seinen Feldern, ausgedehnten Wäldern und zahlreichen Gewässern war und ist noch immer traditionelles Bauernland. Und ein spannendes Stück Erdgeschichte dazu. Das hügelige Antlitz der Eifel wurde von den Gletschern der Eiszeit und durch gewaltige Vulkanausbrüche geprägt.

Römische Entwicklungshilfe

Der römische Feldherr Julius Cäsar war der Erste, der dem Eifelraum überhaupt einen historisch belegten Namen gab: Er nannte das Gebiet "Silva Arduenna", zu Deutsch: Ardennenwald. Allerdings fassten die Römer unter diesem Namen ein weitaus größeres Gebiet zusammen, das vom Rhein bis zum belgischen Fluss Schelde reichte. Noch heute trägt das der Eifel benachbarte, vorwiegend auf belgischem Staatsgebiet liegende Gebirge diesen Namen.

Die erste Besiedlung der Eifel geht allerdings nicht auf das Konto der Römer. Schon vor rund 80.000 Jahren hinterließ der Neandertaler seine Spuren in der Nordeifel. In der Kakushöhle bei Eiserfey fand man steinzeitliche Faustkeile und Feuerstellen aus dieser Zeit.

Vor den Römern wanderten um 600 vor Christus die keltischen Treverer und die germanischen Eburonen in die Eifel ein. Sie bewohnten für die folgenden fünf Jahrhunderte die Randgebiete der heutigen Eifel. Julius Cäsar unterwarf 55 vor Christus in einem seiner Feldzüge beide Stämme, die Eburonen wurden dabei sogar vollständig vernichtet.

Antike Büste von Julius Caesar

Julius Cäsar gab der Eifel den Namen Ardennenwald

Unter der römischen Herrschaft entwickelte sich die Eifel bald zu einem aufstrebenden Wirtschaftsraum. Um 30 vor Christus erbauten die Römer am Rande der Eifel die Stadt Trier, die sich bald zu einer der bedeutendsten Städte nördlich der Alpen entwickelte.

Doch damit nicht genug: Neue Militär- und Handelsstraßen durchquerten erstmals auch die zentrale Eifel, die bis dato nahezu unbesiedelt war. So entstand eine direkte Verbindung zwischen den beiden großen römischen Städten Trier und Köln. Entlang der Straße siedelten sich Herbergen, Marktzentren und Pferdewechselstaionen an.

Im Zuge dessen erlebte auch die Industrie einen Aufschwung in der Eifel. Die Römer verhütteten Eisen, Blei, Zink und Kupfer in der mit Bodenschätzen gesegneten Region. Zudem bauten sie auch die erste Kanalisation. Eine 95,4 Kilometer lange Wasserleitung versorgte die Stadt Köln mit frischem Wasser aus der Eifel. Das Kanalisationssystem war eines der längsten Aquädukte des gesamten römischen Imperiums und gilt als größtes antikes Bauwerk nördlich der Alpen.

Ökologischer Raubbau und Wiederaufforstung

Um 400 nach Christus verließen die Römer die Eifel. Sämtliche Truppen aus der Region wurden nach Rom abgezogen, um der Hauptstadt des Reiches gegen die einfallenden Westgoten beizustehen. Ein Verlust der Eifel nahmen die Römer dabei in Kauf. Die Franken, die schon seit Jahrzehnten den Römern in der Eifel das Leben schwer gemacht hatten, füllten das Vakuum. Während der Frankenherrschaft wurde in Urkunden auch zum ersten Mal der Begriff "Eifel" erwähnt.

Die Franken waren überwiegend Bauern, die in Dörfern zusammenlebten, Viehzucht und ein wenig Ackerbau betrieben. Zu jener Zeit sah die Eifel noch ganz anders aus als heute: Riesige Laubwälder bedeckten die Region im Mittelalter, lediglich ein paar Felder lockerten den dichten Waldbstand auf.

Erst im 17. und 18. Jahrhundert holzten die Eifelbewohner einen Großteil der Wälder für die boomende Eisenindustrie ab. Dort war der Bedarf an Holzkohle, die Eifeler Köhler in Holzmeilern aus Buchenholz herstellten, enorm gestiegen. In der Folgezeit entstanden riesige Ödlandflächen, auf denen sich Heidekraut und niedrig wachsendes Buschwerk ansiedelten. Eine wachsende Beweidung durch Schafe verhinderte zudem, dass auf diesen Flächen Bäume wuchsen.

Nach einem kurzen Intermezzo durch die französische Herrschaft Napoleons gelangte die Eifel zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Besitz Preußens. Große Teile der verödeten Flächen wurden von den Preußen mit standortuntypischen Fichtenkulturen wieder aufgeforstet. Bis heute prägen die Fichtenmonokulturen viele Bergrücken und Täler der Eifel.

Die protestantisch geprägten Preußen liebten die ärmliche, katholische Eifel keineswegs. Für einen preußischen Offizier glich der Militärdienst in dieser Region einer Strafversetzung. Die kalte und schneereiche Eifel – deshalb auch "Preußisch Sibirien" genannt – war für die selbstbewussten Preußen nur ein ungeliebter militärischer Außenposten.

Portraitbild Napoleons

Napoleon herrschte nur kurz über die Eifel

Spannende Erdgeschichte

Heute hat sich die Eifel hat sich vom hinterwäldlerischen Armenhaus zu einer interessanten und viel besuchten Tourismusregion gewandelt. Die Maare, "die Augen der Eifel" wie die Schriftstellerin Clara Fiebig die Vulkanseen einmal beschrieb, sind eine der meistbesuchten Landschaftsattraktionen. Maare sind trichterförmige Vulkane, die nahezu eben in der Landschaft liegen und sehr tief reichen. In der Eifel existieren mehr als 50 dieser Maare, neun davon sind mit Wasser gefüllt.

Charakteristisch für die Eifel ist der sogenannte Intraplattenvulkanismus. In der Regel liegen Vulkane an den Rändern von Erdplatten. In der Eifel ist das nicht der Fall. Dort haben sich die Vulkankrater mehr als tausend Kilometer von der nächsten Plattengrenze entfernt gebildet.

Unter der Eifel liegt ein sogenannter Hot Spot, ein Bereich, in dem die Wärmekonzentration in einer Tiefe von 30 bis 100 Kilometern besonders hoch ist. An diesen Schwachstellen der Erdkruste kann heißes Material aus dem Erdinneren aufsteigen und die Kruste langsam aufschmelzen. Wenn es die Erdoberfläche erreicht hat, entsteht ein neuer Vulkan.

In der Eifel entstanden die ersten Feuerberge vor rund 40 bis 50 Millionen Jahren. Vor etwa 700.000 Jahren begann dann die stärkste vulkanische Periode, als sich durch große Plattenbewegungen das Rheinische Schiefergebirge das vorerst letzte Mal in der Erdgeschichte emporhob. Die Entstehung des jüngsten Vulkansees, des Ulmener Maars, liegt sogar erst gut 8200 Jahre zurück. Und auch noch 2000 Jahre später haben Geologen gewaltige Eruptionen in der Eifel nachgewiesen.

Die Dauner Maare.

Die Dauner Maare

Uralte Steine und tropisches Meer

Doch nicht nur in der Vulkaneifel ist die erdgeschichtliche Entstehung heute noch sichtbar, auch andere Gegenden besitzen geologische Attraktionen. Im Hohen Venn, wo die Eifel an Belgien grenzt, finden sich die sehr alte Gesteine. Die kambrischen Quarzite und Tonschiefer weisen stolze 550 Millionen Jahre auf.

Typisch für das Hohe Venn sind die Torfmoore auf dem Hochplateau. Sie entstanden nach der letzten Eiszeit vor etwa 7500 Jahren. Von den ehemals mehr als 1000 Hektar Torfmoor sind jedoch nur gut ein Zehntel übrig geblieben. Der Rest ist dem Torfabbau, der Trockenlegung des Bodens oder der Anpflanzung von Fichten zum Opfer gefallen.

In der westlichen Kalkeifel hingegen trifft man vielerorts auf sogenannte Kalkmulden. Sie entstanden vor rund 400 Millionen Jahren durch ein tropisches Meer, das damals die Eifel flutete. Mit der Zeit bildeten sich Korallenriffe, die abgetragen wurden und versteinert sind. Deshalb kann man in diesem Teil der Eifel heute noch zahlreiche Fossilien von damaligen Meeresbewohnern finden.

Ein Holzsteg führt durch eine Hochmorrlandschaft.

Moorlandschaft im Hohen Venn

Autoren: Sandra Kampmann/Tobias Aufmkolk

Stand: 05.04.2017, 10:01

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