Gibt es auch in Deutschland aktive Vulkane?

Vulkane

Gibt es auch in Deutschland aktive Vulkane?

Sanfte Hügel, ausgedehnte Wälder und tiefblaue Seen – so kennen viele die Landschaft der Eifel. Kaum vorzustellen, dass hier einmal Vulkane ihr Unwesen getrieben haben sollen. Doch die Eifel ist die Region Deutschlands, die am meisten von vulkanischen Aktivitäten geprägt ist.

Die Augen der Eifel

Es begann vor gut 700.000 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt bildete sich das Rheinische Schiefergebirge durch starke Plattenbewegungen heraus.

Im Zuge dieser Plattenbewegung entstanden in der gesamten Eifel knapp 300 neue Eruptionszentren von Vulkanen. Geologen weisen bis etwa 9000 vor Christus zahlreiche gewaltige Eruptionen nach, von denen einige deutlich stärker waren als der gewaltige Ausbruch des Mount St. Helens im Jahre 1980.

Neben den mehr als 200 Schlackekegeln, die mit der Zeit alle erloschen sind und von der Erosion abgetragen wurden, bildete sich in der Eifel eine vulkanologische Besonderheit aus, die wegen der Vielzahl ihres Vorkommens auf der Welt ihresgleichen sucht: die Maare.

Maare sind trichterförmige Vulkane, die nahezu eben in der Landschaft liegen und sehr tief reichen. Dafür muss die an tektonischen Brüchen weit an die Oberfläche gelangte vulkanische Schmelze mit dem Grundwasser in Berührung kommen.

Wasser und Gesteinsschmelze ergeben ein hoch explosives Gemisch, das sich zumeist in heftigen Gasexplosionen entlädt. Ein Trichter wird freigesprengt, vulkanisches Material an den Rändern abgelagert. Nachfließendes Grundwasser kommt erneut mit dem Magma in Berührung, weitere Eruptionen sind die Folge.

Die Bildung eines solchen Maares kann Tage oder gar Monate dauern. Häufig füllt sich der Kegel, der bis zu 2000 Meter tief reichen kann, mit Wasser. Ein See entsteht.

In der Eifel existieren mehr als 50 dieser Maare, neun davon sind mit Wasser gefüllt. Das jüngste Maar ist das in Rheinland-Pfalz gelegene Ulmener Maar. Es entstand erst vor gut 8200 Jahren aus einer Serie von 500 Einzeleruptionen.

Sagen und Legenden

Die ungewöhnliche kreisförmige Gestalt und das tiefblaue Wasser der Maare verleitete die Menschen der Eifel dazu, zahlreiche Legenden um sie zu spinnen. So soll zum Beispiel im Ulmener Maar ein Riesenfisch sein Unwesen treiben. Jedes Mal, wenn ihn in der Vergangenheit jemand zu Gesicht bekam, starb angeblich einer der Herren der über dem Maar thronenden Burg.

Das Weinfelder Maar in der Nähe von Daun heißt auch Totenmaar. An der Stelle des Maares soll einmal das Schloss eines Grafen gestanden haben. Als er eines Tages von einer Reise nach Hause kam, war an der Stelle seines Schlosses ein See entstanden. Seine Familie und die Untertanen waren mitsamt allem Hab und Gut untergegangen.

Nur eine Wiege mit seinem einzigen Nachkommen schwamm auf dem See. Als das Pferd des Grafen die Wiege erblickte, scharrte es mit seinen Hufen aus dem Boden eine Quelle frei.

Der Graf errichtete aus Dankbarkeit über die Rettung seines Kindes eine Kapelle oberhalb des Maares. Heute nutzt die Gemeinde Schalkenmehren die Kapelle und den angrenzenden Friedhof für Begräbnisse.

Drei Maare in der Eifel, aus der Luft aufgenommen.

Viele Legenden ranken sich um die Maare

Wirtschaftlicher Nutzen

Neben dem Respekt, den die Bevölkerung der Eifel den Vulkanen entgegenbrachte, hat sie auch jahrhundertelang von ihnen profitiert. Schon die Römer bauten die schwarzen vulkanischen Basaltgesteine in Steinbrüchen ab.

Auch beim Bau des Klosters Maria Laach fanden Basalt- und Tuffsteine aus der Umgebung ihre Verwendung. Bei Restaurierungsarbeiten am Kölner Dom wird heute noch die sehr widerstandsfähige Basaltlava aus der Eifel verwendet. Allerdings nur in den Teilen des Doms, die nicht einsehbar sind, da der Stein mit der Zeit eine tiefschwarze Farbe annimmt.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde vor allem der Abbau des leichten Bimssteines vorangetrieben. Exportiert wurde er vorwiegend in die Niederlande, die ihn für ihre Deichbauten nutzten.

In den vergangenen Jahrzehnten ist der Bimsabbau aber stark zurückgegangen. Das liegt zum einen an den starken Landschaftszerstörungen, zum anderen an den schrumpfenden Vorkommen. Um ihn wieder zu beleben, müsste schon ein neuer, gewaltiger Vulkanausbruch stattfinden.

Die Klosterkirche Maria Laach.

Das Kloster Maria Laach besteht auch aus Vulkangestein

Ein Leben auf dem Pulverfass?

Ob in der Eifel tatsächlich in naher Zukunft noch einmal ein Vulkan ausbrechen wird, darüber haben sich Geologen lange Zeit gestritten. Älteren Lehrmeinungen zufolge ist die vulkanische Tätigkeit abgeschlossen, sind die Krater erloschen. Doch neuere Forschungen ergeben ein anderes Bild.

Der bekannte Vulkanologe Hans-Ulrich Schmincke geht davon aus, die Vulkane der Eifel würden nur schlafen. Jahrzehntelang hat er die Vulkanfelder der Region erforscht und zahlreiche Anzeichen für eine fortwährende Tätigkeit gefunden.

In der Umgebung des Laacher Vulkansees sprudeln zum Beispiel auf einer Länge von 200 Metern heiße Gase aus dem Boden. Und in der Ortschaft Wallenborn bricht alle 40 Minuten ein Kaltwassergeysir aus. Dazu gibt es zahlreiche Thermal- und Mineralquellen in der Eifel. Dies sind alles Indizien dafür, dass es unter der Erde noch heftig brodelt.

Der deutsche Geologe Ulrich Schreiber beschreibt in seinem Roman "Die Flucht der Ameisen" eindrucksvoll das Szenario eines erneuten Vulkanausbruchs in Deutschland. Seine These: Ameisen können einen bevorstehenden Ausbruch als Erste bemerken.

Die kleinen Insekten siedeln sich angeblich mit Vorliebe auf tektonischen Störungen an, an denen magmatische Gase austreten. Was die Ameisen dazu veranlasst, liegt noch im Dunkeln. Schreiber hat jedoch mit seinen Studenten von der Universität Duisburg/Essen schon mehr als 2000 solcher Ameisenhaufen in der Eifel lokalisiert.

Ruhephasen von mehr als 20.000 Jahren sind in der Eifel keine Seltenheit. Geologisch gesehen ist diese Zeitspanne jedoch nur ein Wimpernschlag.

Der letzte große Ausbruch liegt nun schon viele tausend Jahre zurück. Doch die Eifel ist weltweit das Gebiet mit der höchsten Konzentration an Vulkanen. Es scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich einer von ihnen wieder bemerkbar macht.

Autor: Tobias Aufmkolk

Stand: 11.09.2017, 12:10

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