Waldbrände

Feuerwehr bei der Bekämpfung eines Buschfeuers nahe Perth, Australien

Naturgewalten

Waldbrände

Von Silke Rehren

Große, verheerende Waldbrände gibt es mittlerweile in vielen Regionen der Erde. Wenn das Feuer einmal ausgebrochen ist, wird das Löschen schwierig – denn durch den Klimawandel sind die Böden an vielen Orten so ausgetrocknet, dass sie brennen wie Zunder.

Kleine Ursache, große Wirkung

Ein Lagerfeuer, eine achtlos weggeworfene Zigarette oder bewusste Brandstiftung: Für Waldbrände gibt es viele Ursachen. Nur in wenigen Fällen werden sie allein durch Naturgewalt ausgelöst, etwa durch einen Blitzeinschlag.

So gestand etwa nach einem Großfeuer im Wald des US-Bundesstaates Colorado eine Mitarbeiterin der Forstbehörde 2002, auf einem abgelegenen Campingplatz einen Brief ihres Ehemanns aus Wut verbrannt zu haben. Dafür wurde sie zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Auch für einen Waldbrand im US-Staat Arizona war ein Brandstifter verantwortlich: Ein arbeitslos gewordener Feuerwehrmann hatte gezündelt, um seinen Job wiederzubekommen.

Egal warum – wenn der Wald erst brennt, kann sich das Feuer bei extremer Trockenheit durch Wärmeübertragung rasant schnell auf Gras, Gebüsch, Unterholz und Bäume ausbreiten. Wasser allein reicht zur Bekämpfung eines größeren Waldbrandes nicht aus, selbst wenn Löschflugzeuge eingesetzt werden.

Löschtrupps schlagen breite Schneisen in den Wald oder legen kontrollierte Gegenfeuer, um ein Überspringen und Ausweiten des Feuers zu verhindern – oder das Feuer zumindest umzulenken, damit Menschen und Gebäude geschützt werden. Auch flammenhemmende Chemikalien werden eingesetzt.

Ein Löschflugzeug kreist über den Baumwipfeln eines rauchenden Waldes und lässt rote Löschflüssigkeit ab

Löschflugzeug im Einsatz

Kontrolliertes Feuermanagement

Die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, pflegten jahrtausendelang Feuer im Wald zu legen – im Frühjahr, wenn der Boden vom Winter noch feucht war. Diese "reinigenden" Feuer verbrannten das hohe Gras des vergangenen Sommers und die Schichten abgeworfener Baumrinden, nicht aber die noch feuchten Bäume.

So gewannen die Aborigines einerseits wertvollen Dünger und beugten gleichzeitig katastrophalen Waldbränden vor, weil sie das brennbare Material am Boden schon vorher beseitigt hatten.

Die Aborigines taten das, was sich in den 1970er-Jahren als "Feuermanagement" durchsetzte. Bis dahin galten Waldbrände generell als schädlich und vor allem die US-Amerikaner taten alles, um alle – auch kleine – Feuer in brandgefährdeten Gebieten so schnell wie möglich zu löschen. Doch mit jedem Erfolg erhöhte sich die Brandgefahr, weil sich Jahr für Jahr mehr trockenes Holz und Laub in den Wäldern ansammelte.

Der Sinn kontrollierter Feuer zeigte sich 1994 bei großen Buschfeuern in Australien: Die Regierung von New South Wales, wo die Brände ausbrachen, hatte das gezielte Abbrennen von Buschwerk und Unterholz verboten. So konnten sich die Flammen rasend schnell bis vor die Tore der Millionenmetropole Sydney ausbreiten.

Häuser und Bäume in Athen in Flammen

Ein Wald- und Buschbrand hat ein Wohnviertel in Athen entzündet (2021)

Der Mensch ist schuld

Dass heute tendenziell mehr Brände entstehen, die größere Schäden anrichten, ist zu einem großen Teil Schuld der Menschen. Großstädte in Kalifornien oder Australien, aber auch Feriendomizile im Mittelmeerraum, weiten sich zunehmend in akut brandgefährdete Wälder und Buschländer aus.

Das idyllische Wohnen mitten in der einsamen Natur bringt Stromleitungen, Elektrogeräte und möglicherweise auch unachtsame Menschen als potenzielle Brandverursacher in die Wildnis. Vor allem in Kalifornien siedeln viele Menschen in waldbrandgefährdeten Gebieten und bringen sich dadurch selbst in Gefahr.

Auf der anderen Seite ist aber auch die Landflucht der Menschen aus entlegenen Gebieten ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Vegetationsbränden. In manchen Gegenden Russlands sind so viele Menschen abgewandert, dass keine Landwirtschaft mehr betrieben wird und Wälder nicht mehr bewirtschaftet werden.

Dadurch verwildern die Regionen zunehmend und am Boden sammelt sich abgestorbene Biomasse, die – einmal ausgetrocknet – schnell hervorragend brennt.

Nicht zuletzt heizt der Mensch durch Brandrodungen in Regenwaldgebieten den Klimawandel an. Höhere Temperaturen rund um den Globus lassen Landstriche schneller und umfangreicher verdorren und erhöhen dadurch auch die Brandgefahr.

Blick über eine durch Brandrodung gewonnene festgewalzte Schotterstraße.

Brandrodung in Brasilien

Schnelle Wiederauferstehung

Nach großen Bränden und Buschfeuern fürchten Förster meist, dass es Jahrzehnte dauern werde, bis sich die Natur erholt. Doch die Natur belehrt sie eines Besseren: Bereits wenige Monate nach den Bränden sprießen oft wieder Pflanzentriebe aus den verkohlten Überresten heraus.

Die Anpassung der Vegetation an das Feuer überrascht auch Fachleute. Bei vielen Vertretern der Gattung der Banksie, einer australischen Steppenpflanze, fallen aus den zapfenartigen Früchten erst nach einem Brand die Samen heraus, um in der äußerst fruchtbaren Asche zu keimen.

Auch das Feuerkraut, ein nordamerikanisches Weidenröschen, braucht die Hitze, damit seine Samen überhaupt keimen können. Aus verkohlten Eukalyptusbäumen schießen nach Bränden unter der schützenden Borke Triebe hervor. Wegen ihrer dicken, schützende Borke übersteht auch die nordamerikanische Douglas-Tanne viele Brände unbeschadet. Weil nach einem Feuer mehr Licht auf den Waldboden gelangt, nutzen viele Pflanzen wie die australische Akazie die Chance, sich gegen sonst dichte Baumkronen durchzusetzen.

Es gibt auch Tiere, die förmlich auf Waldbrände fliegen: Für die Familie der "Pyrochroidae", auch Feuerkäfer genannt, sind Feuer die einzige Vermehrungschance. Die Larven des Käfers entwickeln sich nur in frisch verbranntem Holz – deshalb besitzen die Tiere sogar spezielle Feuer-Sensoren in ihren Körpern.

Waldbrände sind daher zwar einerseits gefährlich, ermöglichen aber andererseits eine ökologische Runderneuerung. Durch die natürliche Auslese bei Feuern wird neuer Lebensraum in teilweise überaltertem oder krankem Baumbestand geschaffen. Auch ein riesiger Waldbrand 1988 im Yellowstone-Nationalpark, wo Kiefern dichte Monokulturen gebildet hatten, erwies sich im Nachhinein als erfolgreiche Verjüngungskur für den Wald.

Durch Waldbrände sind aber auch ganze Tier- und Pflanzenarten bedroht. Die verheerenden Buschbrände 2019/2020 in Australien etwa gelten als die bislang schlimmsten in der Geschichte des Landes: Der Ökologie-Professor Chris Dickman von der Universität Sydney schätzt, dass fast eine Milliarde Tiere im Feuer zu Tode kam. Weitere Brände könnten langfristig zum Aussterben des Koalas führen – denn dabei werden auch zahllose Eukalyptusbäume zerstört, die einzige Nahrung der Koalas.

Eine Koala mit einem Jungen auf dem Rücken sitzt auf einem Ast.

Waldbrände bedrohen die Koalas und ihre Nahrung

(Erstveröffentlichung: 2003. Letzte Aktualisierung: 21.05.2021)

WDR

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