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Sie nennen sich selbst "Feuerfresser" und gelten als Männer, die sich mutig in die Flammen stürzen. Doch nur in gut fünf Prozent aller Feuerwehreinsätze in Deutschland geht es um Brände und Explosionen. Tatsächlich sind Feuerwehrleute heute wahre Allroundtalente in Sachen Hilfe, die nicht nur löschen, sondern auch bergen, retten und schützen.

Vom Gottvertrauen zur Organisation

Ludwig Carl Scabell hieß der Bauinspektor und Oberspritzenkommissarius, der 1851 in Berlin die erste Berufsfeuerwehr ins Leben rief. Zuvor regelten in vielen deutschen Städten Brandverordnungen mehr schlecht als recht den Schutz der Bürger.

Selbsthilfe war gefragt und jede Menge Gottvertrauen. So verwundert es nicht, dass die ersten Berufsfeuerwehren oft erst gegründet wurden, nachdem eine Katastrophe geschehen war.

In Köln zum Beispiel war der Auslöser, neben der ständig steigenden Zahl von Bränden, vor allem der Brand des Stadttheaters im Jahr 1869: Sieben Menschen, darunter fünf Kinder, kamen dabei ums Leben.

Der Ruf in der Kölner Bevölkerung nach einer Berufsfeuerwehr war laut. Doch es vergingen noch drei Jahre, bis die ersten 50 Berufsfeuerwehrleute ihren Dienst antraten.

Freiwillige vor

Gesetzlich ist die Feuerwehr in Deutschland Ländersache. Deshalb unterscheiden sich Organisation und Finanzierung der Feuerwehren zum Teil von Bundesland zu Bundesland.

Grundsätzlich kann man zwischen Berufs-, Freiwilligen- und Werks- oder Betriebsfeuerwehren unterscheiden. Von den gut 1,3 Millionen deutschen Feuerwehrleuten arbeiten mehr als eine Million ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr.

107 Berufsfeuerwehren stehen mehr als 24.000 Freiwillige Feuerwehren gegenüber. Hinzu kommen etwa 17.500 Jugendfeuerwehren sowie mehrere Hundert Werksfeuerwehren.

Die einzelnen Ländergesetze regeln, wann Städte und Gemeinden eine Berufsfeuerwehr errichten müssen. Vereinfacht kann man sagen, dass Städte und Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern verpflichtet sind, eine Berufsfeuerwehr einzurichten. Neben der Größe spielt aber zum Beispiel auch der Status der Städte (etwa in Nordrhein-Westfalen: kreisfreie Städte) eine Rolle.

In jedem Fall muss sichergestellt sein, dass Lösch- und Rettungskräfte zur Verfügung stehen, die den Ortsverhältnissen angemessen sind. Brandherde und Unfallorte sollten innerhalb von acht bis zehn Minuten erreichbar sein. Diese Regel sorgt dafür, dass es in Deutschland ein recht engmaschiges Netz von Feuerwachen gibt.

Allroundtalente in Sachen Hilfe

Die Aufgaben der Feuerwehr werden oft mit den Schlagworten "Retten, Löschen, Bergen, Schützen" zusammengefasst. Brände zu löschen ist die älteste und war lange auch die wichtigste Aufgabe der Feuerwehr. Das hat sich allerdings im Laufe der Zeit geändert. Die Zahl der Brandbekämpfungen ist zurückgegangen, neue Aufgaben sind hinzugekommen.

Bei den mehr als 3,5 Millionen Feuerwehreinsätzen pro Jahr in Deutschland geht es nur noch in zirka fünf Prozent aller Fälle um Brände und Explosionen. Viel häufiger sind inzwischen Einsätze für den Rettungsdienst. In Köln ist beispielsweise jeder Berufsfeuerwehrmann auch ausgebildeter Rettungssanitäter. Hier wickelt die Berufsfeuerwehr mehr als die Hälfte aller Rettungsdiensteinsätze ab. Den Rest übernehmen Hilfsorganisationen.

Technische Hilfeleistung ist ein weiteres wichtiges Aufgabengebiet der Berufsfeuerwehr. Sie befreit zum Beispiel eingeklemmte Personen nach Verkehrsunfällen, pumpt bei Hochwasser die Keller wieder leer und kappt nach Stürmen lädierte Bäume. Daran, dass es erst gar nicht zur Katastrophe kommt, arbeitet der "Vorbeugende Brandschutz". Er berät und trainiert mit Lehrern und Kindern den richtigen Umgang mit Feuer.

Familie ohne Frauen?

Wegen des großen Zusammenhalts bezeichnen sich Feuerwehrleute gern als große Familie. Auffällig ist bei dieser Familie jedoch, dass sie überwiegend aus Männern besteht. Nur knapp acht Prozent der etwa eine Million freiwilligen Feuerwehrleute sind Frauen. Bei der Berufsfeuerwehr ist der Männerüberschuss sogar noch deutlicher.

Von knapp 31.000 hauptberuflichen Feuerwehrkräften in Deutschland sind nur 1,3 Prozent Frauen. Der Grund liegt neben den hohen körperlichen Anforderungen beim Eignungstest auch an den Einstellungsvoraussetzungen vieler Feuerwehren.

Die meisten Berufsfeuerwehren setzen eine handwerkliche Ausbildung oder ein technisches beziehungsweise naturwissenschaftliches Studium voraus. In diesen Bereichen sind Frauen seit jeher unterrepräsentiert und von den wenigen Frauen, die eine passende Ausbildung absolviert haben, hat nur ein Bruchteil Interesse am Feuerwehrdienst.

Autor: Christoph Teves

Stand: 20.02.2017, 16:05

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