Kölner Dom

Blick auf die Stadt mit Kölner Dom, Fernsehturm und Philharmonie bei Nacht.

Nordrhein-Westfalen

Kölner Dom

Der Kölner Dom gehört zu den großartigsten Kirchenbauten der Christenheit. Seine Berühmtheit verdankt er allerdings weniger seiner Größe als der stilreinen hochgotischen Bauweise. Das Wahrzeichen gehört zu den beliebtesten Touristenzielen Deutschlands und lockt jedes Jahr Millionen Menschen nach Köln. Tag für Tag besuchen durchschnittlich 10.000 Menschen den Dom.

Eine Kirche für die ersten Christen

Wo heute der Dom steht, versammelten sich schon in der spätrömischen Zeit die Christen. Die ersten Kirchen, die dort nahe der Stadtmauer errichtet wurden, fielen entweder Bränden zum Opfer oder mussten neuen, immer größer werdenden Bauten weichen. 870 wurde der karolingische Dom errichtet. Der sogenannte Alte Dom blieb bis ins 13. Jahrhundert fast unverändert.

1164 brachte der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige in die Stadt am Rhein. Er hatte sie zwei Jahre zuvor als Kriegsbeute bei der Eroberung Mailands bekommen. Der Kölner Klerus war sich der Bedeutung der Reliquien bewusst, und so begann man mit dem Bau eines prunkvollen Schreins.

30 Jahre lang arbeiteten die besten Goldschmiedemeister daran und schufen den größten und bedeutendsten Reliquiensarkophag des Abendlandes. Eine dreischiffige Basilika diente als Vorbild für den 153 Zentimeter hohen, 110 Zentimeter breiten und 220 Zentimeter langen Schrein.

Zahlreiche figürliche Darstellungen der Propheten und Apostel zieren das Prunkstück. Die Christus-Figur erscheint auf der Vorderseite gleich dreimal: bei der Anbetung der Heiligen Drei Könige, bei der Taufe im Jordan und als Weltenrichter.

Der hohe Rang, den Köln mit dem Erwerb den Gebeinen der Heiligen Drei Könige gewonnen hatte, stärkte die Macht des Erzbischofs von Köln. Der Dom war nun nicht mehr nur die Amtskirche des Erzbischofs, sondern eine der bedeutendsten Wallfahrtskirchen in Europa. Dieser veränderten Stellung sollte sich auch die Architektur des Domes anpassen. Der neue Dom sollte die größte Kathedrale der Welt werden.

Drei-Könige-Schrein im Kölner Dom

Hier ruhen die Gebeine der Heiligen Drei Könige

Ein neuer Dom nach französischem Vorbild

Nachdem der alte Dom 1248 bei den Abbrucharbeiten niederbrannte, begannen auf demselben Gelände die Bauarbeiten für einen gotischen Dom. Die Messe musste so lange im provisorisch wiederhergestellten Westteil abgehalten werden.

Dombaumeister Gerhard von Rile plante den neuen Dom nach französischem Vorbild im gotischen Stil. Pate stand vor allem die Kathedrale von Amiens. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war der Bau bereits weit fortgeschritten. Der Schrein der Heiligen Drei Könige und das Gero-Kreuz, die mehr als 2,80 Meter hohe berühmte Darstellung des gekreuzigten Christus, wurden in den neuen Dom übertragen.

Bis 1530 wurde der Dom immer weiter ausgestattet und erweitert. Dann jedoch führten Geldmangel und das versiegte Interesse am gotischen Baustil zu einem Baustopp. Der Bau blieb ein Fragment. Gottesdienste fanden im Langhaus statt, das mit einem Notdach abgeschlossen worden war. Erst im 19. Jahrhundert erwachte das Interesse an der Gotik wieder.

Ein in zahlreiche Planquadrate aufgeteilter Bauplan des Kölner Doms zeigt seine Kreuzform. (Rechte: Sven Gummich)

Die Grundform des Doms ist das Kreuz

Grundsteinlegung zum zweiten Mal

Am 4. September 1842 legte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den zweiten Grundstein des Kölner Doms. Sein Plan: die endgültige Vollendung des gotischen Bauwerks. Ein enormes Bauvorhaben war anvisiert, dessen Finanzierung keineswegs gesichert war. Zunächst berechneten die Planer 100.000 Taler pro Jahr für die laufenden Baukosten.

Der preußische König steuerte 50.000 Taler bei. Die schon länger erhobene "Kathedralsteuer" konnte die restlichen Kosten nicht decken. Am 3. September 1841 baten etwa 200 Kölner Bürger beim König darum, einen Dombau-Verein gründen zu dürfen. Gleichzeitig bildeten sich zahlreiche Hilfsorganisationen im In- und Ausland zur Unterstützung des Dombauprojekts.

Doch die anfängliche Spendeneuphorie ließ rasch nach. Um die notwendigen Gelder trotzdem zu beschaffen, wurde die Dombaulotterie erfunden. Die Bezeichnung "Prämien-Collecte" sollte den Glücksspielcharakter vertuschen.

Der Erfolg war überwältigend: Mehr als 320.000 Lose wurden abgesetzt. Der Reinertrag der ersten Ziehung belief sich auf 177.000 Taler. Zwischen 1842 und 1880 wurden mehr als 6,6 Millionen Taler aufgebracht, das entspricht einem heutigen Wert von fast einer Milliarde Euro.

Bei den Konstrukteuren brach ein Streit darüber aus, wie der ursprüngliche Bauplan zu interpretieren sei. Denn im Gegensatz zu anderen unvollendeten Kirchenbauten existierte für den Kölner Dom noch ein Teil des ursprünglichen Plans: ein etwa vier Meter hohes Pergament mit einem gezeichneten Entwurf der Westfassade. Dieser sogenannte "Plan F" stammt aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert.

Tatsächlich hatte sich der Baumeister schon im 15. Jahrhundert nicht mehr exakt an den Plan gehalten. Um aber "Plan F" nicht völlig aus den Augen zu verlieren, kamen die Konstrukteure schließlich auf die Idee, die Geschosshöhen zu strecken. So konnten zumindest die ursprünglich vorgesehenen Proportionen beibehalten werden. Heute können sich Besucher "Plan F" in der Johanneskapelle anschauen.

Kölner Dom

Das Mittelschiff ist das Zentrum des Doms

Endlich fertig nach mehr als 600 Jahren

Auf der Grundlage mittelalterlicher Baupläne, aber vorangetrieben durch moderne Baukunst, wurde der Kölner Dom 1880 endlich fertiggestellt – nach mehr als sechs Jahrhunderten Bauzeit. Trotz ihrer gigantischen Maße sind die Proportionen der Kathedrale ausgewogen. Ein Querschiff vermittelt den Eindruck eines gigantischen Kreuzes. Nur der Anbau der ehemaligen Sakristei stört den Eindruck der reinen Symmetrie.

Typisch für sakrale Bauten ist die Ausrichtung nach Osten – aus der Richtung der aufgehenden Sonne erwartet die christliche Gemeinde die Wiederkunft Christi am Jüngsten Tag. In diese Richtung "orientiert" sich der Altar und dorthin blicken die Gläubigen.

Das Gebäude betreten Besucher daher durch die aufwändig gestaltete Westfassade. Die christliche Symbolik ortete im Westen die Welt des Unheils und begegnete ihm mit wehrhaften Türmen.

Seit jeher gilt die Westfassade als "Schokoladenseite" des Kölner Doms. Den drei Kirchenschiffen entsprechend ließen die Konstrukteure drei Portale in die Fassade einbauen. Das älteste darunter ist das am Südturm gelegene Petrusportal. Eingefasst von den Aposteln führt das Portal direkt in die "himmlische" Kathedrale.

Das Kölner Wahrzeichen heute

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kölner Dom von 14 Fliegerbomben getroffen. Es dauerte Jahrzehnte, die größten Kriegsschäden zu beseitigen. Aber auch sonst ist der Dom eine ewige Baustelle. Weil auch Witterung und Umweltbelastungen ständig am Kölner Wahrzeichen nagen, wird der Dom ganzjährig restauriert. Seit 1996 gehört das Meisterwerk der Gotik zum Weltkulturerbe der Unesco.

Autoren: Sven Gummich/Christine Buth

Stand: 22.02.2017, 08:40

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