Meister Gerhard

Kölner Dom

Meister Gerhard

Bei der 600 Jahre langen Baugeschichte gibt es ungezählte Geschichten und Anekdoten rund um den Kölner Dom. Die wohl bekannteste handelt vom ersten Baumeister Gerhard von Ryle. Erzbischof Konrad von Hochstaden holte den Baumeister nach einem Brand des alten Doms nach Köln. Gerhard war an der Kathedrale von Amiens Steinmetz gewesen und hatte in Frankreich die gotische Bauweise studiert. Er hatte auch den Plan durchgesetzt, die Kathedrale im gotischen Stil zu errichten.

Der Pakt mit dem Teufel

Ein Wandgemälde aus dem Mittelalter zeigt den Grundsteinleger des Doms, Konrad I., mit erhobener rechter Hand und dem Bauplan in der Linken.

Konrad I. ist der Grundsteinleger des Doms

Ohne Frage war Meister Gerhard erfolgreich: In wenigen Jahren nur errichtete er die sieben Kapellen im Ostchor und legte Fundamente für das Querhaus. Seine Arbeitsbesessenheit war stadtbekannt, auch, dass er seinen Eifer auf seine Arbeiter zu übertragen wusste. Dennoch war sein Tempo keinem ganz geheuer.

Noch etwas zeichnete Meister Gerhard aus: sein unermessliches Selbstvertrauen. Er war überzeugt, dass nur er allein den Dom auch vollenden könne. Seiner Qualitäten sicher, ließ er sich der Sage nach sogar auf einen Wettstreit mit dem Teufel ein: Gerhard würde den Dom bauen, während der Teufel eine Wasserleitung von Trier durch die Eifel nach Köln bauen sollte.

Um zu beweisen, dass der unterirdische Kanal geglückt sei, sollte ihn eine Ente durchschwimmen. Würde bei dem Handel der Teufel vor dem Baumeister fertig, bekäme er seine Seele.

Satan schaffte es nicht aus eigenen Kräften und verleitete listig Frau Gerhard dazu, ihren Mann auszuspionieren. Der Meister verriet ihr, dass der Teufel es niemals schaffen würde, wenn er nicht in regelmäßigen Abständen ein Loch in die Wasserleitung einsetzen würde, damit die Ente atmen könne.

Die Wasserleitung wurde fertig gestellt und eine Ente fand den Weg von Trier nach Köln. Meister Gerhard soll das Plätschern des Wassers im Altarraum seines Doms gehört haben und wusste, als er den Vogel erblickte, dass er die Wette verloren hatte. Er stürzte vom Baugerüst des Doms zu Tode.

Tatsächlich gibt es eine römische Wasserleitung aus der Eifel nach Köln. Und Meister Gerhard, über den wenig bekannt ist, scheint unter mysteriösen Umständen auf der Baustelle des Doms ums Leben gekommen zu sein.

Autoren: Sven Gummich/Christine Buth

Stand: 22.02.2017, 09:25

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