Die römisch-katholischen Bischöfe

Christentum

Die römisch-katholischen Bischöfe

Waren Bischöfe zu Beginn der Christianisierung eher bescheiden lebende Vorsteher einer Gemeinde, wurden sie in Mittelalter und Neuzeit einflussreiche und mächtige Kirchenfürsten. Heute kann man Bischöfe als Manager im Dienste des Vatikans bezeichnen.

Bischöfe unterstehen direkt dem Papst

In der Hierarchie der römisch-katholischen Kirche unterstehen die Bischöfe direkt dem Papst. Das Wort Bischof leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet so viel wie Aufseher. Doch dieser Begriff beschreibt nur sehr vage die wichtige Stellung, die den Bischöfen innerhalb der Kirchenstruktur zukommt.

Schon im frühen Christentum hatte es Gläubige gegeben, die mit der Leitung von christlichen Gemeinschaften beauftragt wurden. Damals war das ein Rat von Ältesten, Presbyter genannt, der nach dem Vorbild jüdischer Synagogen eingesetzt wurde. Von Bischöfen im späteren Sinn kann man in dieser Anfangsphase noch nicht sprechen.

Die Bischöfe betrachten sich als Nachfolger der Apostel

Der Begriff des Bischofs wurde in Rom geprägt – der wichtigsten Keimzelle des Christentums. Die römisch-katholische Kirche sieht im Apostel Petrus den ersten Bischof. Er wurde in Galiläa geboren und starb wahrscheinlich im Jahr 64 als Märtyrer in Rom. Er sei der Stellvertreter Christi gewesen und habe durch ihn eine besondere Führungsrolle erhalten, so die Auffassung der Kirche.

Auf die Apostel berufen sich seitdem alle Bischöfe. Sie betrachten sich als Stellvertreter Christi und als Nachfolger der Apostel, insbesondere von Petrus. Ihm zu Ehren wurde über seiner mutmaßlichen Grabstelle in Rom der Petersdom errichtet – heute das wichtigste monumentale Wahrzeichen der römisch-katholischen Kirche.

Wie Petrus wurden auch viele andere seiner Glaubensbrüder und -schwestern im Zuge der Christenverfolgung ermordet oder öffentlich hingerichtet. Unter diesen Märtyrern waren auch viele Bischöfe.

Viele Bischöfe starben als Märtyrer

Ignatius, der Bischof der syrischen Stadt Antiochien in der heutigen Türkei, wurde als einer der ersten Bischöfe wegen seines Glaubens hingerichtet. Er wurde um 112 nach Christus auf Befehl des damaligen römischen Herrschers Trajan nach Rom verschleppt und im Kolosseum vor den Augen einer johlenden Zuschauermenge von Löwen zerfleischt.

257 nach Christus startete Kaiser Valerian eine regelrechte Vernichtungswelle: Er hatte es besonders auf christliche Glaubensführer, auf Priester und Bischöfe, abgesehen. Viele der ermordeten Bischöfe wurden zu Idolen der Christenbewegung und später zu Heiligen der römisch-katholischen Kirche.

Ein prächtiges Wandbild in einer französischen Kirche zeigt den Heiligen Nikolaus in Bischofstracht, umgeben von Engeln.

Der Heilige Nikolaus war auch ein Bischof

Bischöfe als Volkshelden: Heiliger Nikolaus und Sankt Martin

Zu wahren Volkshelden wurden wegen ihrer besonderen Taten zwei Bischöfe. Einer von ihnen ist der Heilige Nikolaus. Er war in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts Bischof von Myra, einer Stadt in der heutigen Türkei. Ihm werden Wunder, gute Taten und große Mildtätigkeit zugeschrieben. In vielen Ländern und Regionen ist es daher Brauch, sich an seinem Namenstag, dem 6. Dezember, kleine Geschenke zu machen.

Der andere ist Sankt Martin. Der römische Soldat wurde berühmt, weil er seinen Offiziersmantel mit dem Schwert teilte, um einen Bettler vor dem Erfrieren zu retten. Ende des 4. Jahrhunderts wurde er Bischof im französischen Tours. In vielen christlich geprägten Gegenden erinnert man heute mit Laternenumzügen an diesen legendären Bischof.

Sankt Martin bei einem Straßenumzug als römischer Offizier auf einem Pferd sitzend und mit einem roten Mantel bekleidet.

Sankt Martin als römischer Offizier

Bischöfe gewinnen an Macht

Nachdem das Christentum im Jahr 313 vom römischen Kaiser Konstantin durch das Mailänder Edikt als freie Religion anerkannt und legalisiert worden war, verbreitete sich der christliche Glaube immer mehr. Bald zählte man im Römischen Reich sieben Millionen Menschen, die sich zum Christentum bekannten. Das waren rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Überall wurden Kirchen gebaut.

Kirchengemeinden mit Verwaltungs- und Führungsstrukturen entstanden. Bischöfe wurden mit der Leitung der einzelnen Land- und Stadtgemeinden betraut. Im Westen des Reiches waren es bald 600, im Osten sogar 800 Bischofssitze.

Im Jahr 380 wurde der christliche Glaube durch den römischen Kaiser Theodosius in den Rang einer Staatsreligion erhoben. Und auch nach dem Zerfall des Römischen Reiches schritt die Christianisierung weiter voran. Das Christentum gewann immer mehr an Bedeutung, seine Amts- und Würdenträger immer mehr an Einfluss. Allen voran der Papst und die Bischöfe.

Sie erlangten immer größere weltliche Macht, häuften Ländereien und Reichtum an und konnten sich bald mit Fürsten und Königen messen. Als Insignien ihres Amtes galten damals wie heute der goldene Stab, der Ring, das Brustkreuz und die Kopfbedeckung, Mitra genannt.

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx mit Bischofstab und Mitra, dem Bischofshut.

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx mit Krummstab und Mitra

Bischöfe regieren das Land

Die großen Bischofsstädte, wie Mainz, Köln, Trier, Speyer, Worms, Regensburg oder Straßburg, wurden zu Metropolen weltlicher und religiöser Macht im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

Die Bischöfe mutierten im Mittelalter zu Kirchenfürsten. Und da der Papst im fernen Rom residierte, konnten die Bischöfe in vielen Belangen unabhängig und ungestört von ihm agieren. Bischöfe wurden zu Günstlingen und Beratern der Könige und Kaiser.

Rainald von Dassel war von 1154 bis 1167 Erzbischof von Köln. Für seine Teilnahme am erfolgreichen Feldzug gegen Mailand wurde er von Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige belohnt.

Der kluge Erzbischof brachte die Kriegsbeute von Mailand in seine Heimatstadt Köln. Ob die Gebeine wirklich von den Heiligen Drei Königen stammen, ist zweifelhaft. Trotzdem machten die vermeintlichen Reliquien die Stadt am Rhein zu einem Touristenmagneten des Mittelalters und verhalfen Köln zu großem Reichtum.

In Kunst und Kultur wurden viele Bischöfe zu wichtigen Mäzenen und Mentoren. Hieronymus von Colloredo war etwa von 1772 bis 1812 Fürsterzbischof von Salzburg und hatte ein Faible für die Musik. Er war einer der Hauptförderer des Wunderknaben Wolfgang Amadeus Mozart.

Ein Ölgemälde zeigt den Salzburger Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo in prächtigem Gewand.

Ein kunstliebender Fürsterzbischof - Hieronymus Graf Colloredo

Bischöfliche Hierarchie

Fürstbischöfe waren nicht nur ranghohe geistliche Führer, sondern besaßen als Herrscher über ein eigenes Territorium auch politische und militärische Macht. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation standen sie im Rang von Reichsfürsten.

Die Fürstbischöfe von Mainz, Köln und Trier waren zudem berechtigt, den König mit zu wählen. Da seit 962 der deutsche König auch Anspruch auf den römischen Kaisertitel hatte, bestimmten sie auch über diesen mit.

Fürstbischöfe wurden 1806 durch Napoleon abgeschafft. Seine Eroberungen bedeuteten auch das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Als Erzbischof bezeichnet man den kirchlichen Leiter einer Kirchenprovinz, die in mehrere Bistümer aufgeteilt ist. Der Titel Erzbischof kann aber auch vom Papst als reiner Ehrentitel verliehen werden. In Deutschland gibt es sieben solcher Kirchenprovinzen. Ihre Grenzen sind nicht mit Landes- oder Regierungsbezirksgrenzen identisch.

Den sieben Erzbischöfen unterstehen 20 Bischöfe, die einzelne kleinere Bistümer verwalten. Sie werden unterstützt von Weih- und Titularbischöfen, die selbst kein eigenes Bistum leiten.

Aus dem Kreis der römisch-katholischen Bischöfe, weltweit sind das rund 5000, ernennt der Papst Kardinäle, die zur Papstwahl berechtigt sind. Aus dem Kreis dieser Kardinäle setzt sich auch die Kurie, also die oberste Leitung der katholischen Kirche in Rom, zusammen. Die Aufgaben dieser Kurienkardinäle sind mit denen von Staatsministern vergleichbar.

Papst Franziskus hebt lächelnd die Hand zum Gruß.

Als Papst ist Franziskus auch Bischof von Rom

Bischöfe als Kirchen-Manager

Bischöfe sind sozusagen die Oberhirten ihres Bistums. Ihnen obliegen die Seelsorge und die Vermittlung des katholischen Glaubens. Gottesdienste halten sie allerdings nur in besonderen Fällen ab. Unterstützung finden sie auf Kirchengemeindeebene durch Pfarrer, Diakone, weibliche und männliche Pfarrreferenten.

Die Hauptaufgabe der Bischöfe liegt in der Verwaltungsarbeit. Sie sind die juristischen Vertreter ihres Bistums. Gemeinsam mit den verschiedenen Gremien des Bistums entscheiden sie über Finanz- und Personalfragen, sind für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und kümmern sich um die vielen kirchlichen Einrichtungen ihres Bistums, wie etwa Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser oder Altenheime.

Das wichtigste übergeordnete Gremium für die deutschen Bischöfe ist die Bischofskonferenz, auf der entscheidende Fragen beraten und entschieden werden. Bei der Vollversammlung sind neben den Erzbischöfen auch die Weihbischöfe vertreten.

Die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft setzt sich aus den Delegierten der Bischofskonferenzen innerhalb der Europäischen Union zusammen. Das Sekretariat sitzt in Brüssel.

Auf internationaler Ebene kann der Papst bei Bedarf und Dringlichkeit die Bischofssynode einberufen, zu der Bischöfe aus der ganzen Welt kommen. Die Synode ist allerdings nur ein beratendes Gremium. Entscheidungsgewalt haben allein die Kurie und der Papst.

Ein Stich zeigt die versammelten Bischöfe 1848 in Würzburg, die um ein Kreuz mit Jesusfigur dargestellt sind.

Die erste Deutsche Bischofskonferenz kam 1848 in Würzburg zusammen

Bischöfe in der Kritik

Viele Kirchenkritiker halten das Bischofsamt für nicht mehr zeitgemäß. Die Bischöfe seien zu alt, weltfremd und verträten unmoderne Ansichten in Bezug auf Zölibat, Frauen im Priesteramt, Schwangerschaftsverhütung und geschiedene Katholiken.

Für einen regelrechten Skandal sorgte 2013 der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Ihm wirft man vor, verschwenderisch mit Kirchengeldern umgegangen zu sein. In die Kritik geriet er besonders durch einen Flug erster Klasse nach Asien, den er stets bestritt, der ihm von Journalisten jedoch nachgewiesen werden konnte.

Zu Fall brachten ihn schließlich die explodierenden Kosten für den Bau und Umbau des Diözesanzentrums in Limburg. Nach zunächst veranschlagten Kosten von circa zehn Millionen, erreichten die wirklichen Kosten in der letzten Bauphase das Dreifache.

Diese Kostenexplosion soll durch Fehlplanungen, Informationsvertuschung und exklusive Sonderwünsche des Bischofs mitverursacht worden sein. Die Neugestaltung der Bischofswohnung schlug alleine mit drei Millionen Euro zu Buche.

Eine freistehende Luxus-Badewanne für 15.000 Euro oder der Kauf von Kunstwerken im Wert von 450.000 Euro sorgten für negative Schlagzeilen und riefen die Deutsche Bischofskonferenz auf den Plan. Die stellte nach Prüfung und Beratung im März 2014 eine Mitverantwortung des Bischofs für die Baukostensteigerung und Verfahrensfehler fest.

Papst Franziskus, bekannt für Bescheidenheit und neue Reformen, zog die Konsequenz und enthob Franz-Peter Tebartz-van Elst seines Amtes als Bischof.

Bischof Tebartz-van Elst in Bischofstracht vor dem Limburger Dom.

2013 noch als Limburger Bischof: Tebartz-van Elst

Autor: Alfried Schmitz

Stand: 14.09.2017, 14:00

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