Wolfgang Amadeus Mozart

Das bekannteste Mozart-Porträt: Er trägt eine rote Jacke, steht seitlich vor einem dunklen Hintergrund und blickt den Betrachter an.

Persönlichkeiten

Wolfgang Amadeus Mozart

"Er war Superstar, er war populär… er war ein Virtuose, war ein Rockidol" – nicht nur Falco kam in seinem 80er-Jahre-Hit "Amadeus" zu dem Schluss: Wolfgang Amadeus Mozart war und ist der Superstar der klassischen Musik.
Mehr als 250 Jahre nach seiner Geburt ist sein Werk noch immer aktuell und wird täglich in aller Welt gespielt. Und weil es von Mozart und seiner Familie durch zahlreiche hinterlassene Briefe viele Informationen gibt, wurde er für die Nachwelt greifbarer als andere Musiker jener Zeit.

Der Kinderstar

Am 27. Januar 1756 wurde Wolfgang Amadeus Mozart als Sohn eines Hofviolinisten in Salzburg geboren. Er hatte eine ältere Schwester, Maria Anna, genannt "Nannerl", die mit dem Vater regelmäßig musizierte. So kam Mozart von Geburt an mit Musik in Berührung.

Wobei er ein außergewöhnliches Talent zeigte: Schon mit vier Jahren fing er an Klavier zu spielen. Mit fünf Jahren schrieb er bereits seine ersten Stücke und hatte seinen ersten öffentlichen Auftritt. Der Vater Leopold Mozart erkannte schnell, welches Talent in seinem Sohn steckte, und versuchte es zu fördern und damit Geld zu verdienen.

Mozart war gerade sechs Jahre alt, als er mit seiner Familie auf seine erste Konzertreise ging. Diese Reisen mit Pferdekutschen dauerten zum Teil Jahre und führten in Städte wie München, Köln, Paris und London.

Vater Mozart präsentierte anfangs Sohn und Tochter gemeinsam als musizierende Wunderkinder. Sehr schnell entwickelte sich aber Wolfgang zum "Star". Der kleine Junge spielte nicht nur enorm gut Geige und Klavier. Er hatte auch eine sehr freundliche Art, mit welcher er die Herzen der vielfach adligen Zuschauer eroberte.

Pastellbild von Mozart als Kind am Klavier

Das Wunderkind der Klassik

Der Komponist

Mit zunehmendem Alter entwickelte sich Mozart vom Interpreten zu einem ernstzunehmenden Komponisten. Bereits mit zwölf Jahren erhielt er in Wien den ersten Auftrag für eine Oper. Das Werk wurde zwar nicht aufgeführt, fand aber in Fachkreisen viel Anerkennung.

Der Wechsel vom Kinderstar zum Berufsmusiker war jedoch nicht so leicht wie erhofft. Denn mit dem Ablegen der Kindheit verlor Mozart den "Niedlichkeitsfaktor" und sein Ausnahmetalent wurde als eine Bedrohung für andere Komponisten empfunden.

So musste er zu Lebzeiten viel unberechtigte Kritik, die oft nur auf Neid beruhte, über sich ergehen lassen. Es wird sogar berichtet, dass Musiker seine Stücke sabotierten, indem sie bewusst schlecht spielten.

Seinen großen Durchbruch als Komponist erlebte Mozart mit der Oper "Idomeneo", die 1781 in München uraufgeführt wurde.

Was Mozart als Musiker ausmachte, war seine Vielseitigkeit. Er konnte äußerst komplexe Stücke schreiben und dann sein Publikum wieder mit sehr eingängigen Melodien vereinnahmen. Dramatik und Leichtigkeit beherrschte er wie nach ihm kein weiterer Komponist, weshalb er bis heute eine Ausnahmeerscheinung ist.

Originalmanuskript von Mozart

Viele Originalmanuskripte sind bis heute erhalten

Der Mensch

Ob Mozart wirklich der Frauenschwarm war, als der er heute oft dargestellt wird, ist fraglich. Augenzeugen wie der Autor Franz Xaver Niemetschek, der Mozart persönlich kannte, beschrieben ihn als sehr "unansehnlich in seinem Äußeren".

Mit 1,58 Metern soll er sehr klein gewesen sein. Und da er seine Zeit meist im Sitzen am Klavier verbrachte, hatte er auch alles andere als eine athletische Figur. Als Kind fiel er eher durch eine sehr freundliche und rücksichtsvolle Art auf.

Er war gutmütig und – zum Missfallen des Vaters – sehr gutgläubig, was diverse Mitmenschen Zeit seines Lebens ausgenutzt haben sollen.

In seinen Briefen zeigte Mozart einen Hang zu Wortspielereien und einen sehr eigenen Sinn für Humor, der heute oft befremdlich wirkt, wenn er Sätze wie "Ich werde alsdann in eigener hoher Person Ihnen complimentiren, Ihnen den Arsch petschiren" an eine Geliebte schrieb. Seine oft derbe Sprache, die auch viele Fäkalworte enthielt, soll aber allgemein typisch für jene Zeit gewesen sein.

Inwieweit Mozart wirklich viele Affären mit Frauen hatte, wie oft behauptet wird, ist umstritten. Man weiß von einer Beziehung zu seiner jüngeren Cousine Maria Anna Thekla, von ihm "Bäsle" genannt. Dokumentiert ist seine unerwiderte Liebe zu der Mannheimer Sängerin Aloisia Weber, deren Schwester Constanze er später heiratete.

Darüber hinaus ist wenig belegt. Es gibt Andeutungen in seinem Schriftverkehr über mögliche Beziehungen zu anderen Frauen, aber Genaues lässt sich nicht mehr ermitteln.

Allgemein wird Mozart nachgesagt, dass er wenig Respekt vor Obrigkeiten zeigte – vielleicht ein Grund, warum er trotz seines außergewöhnlichen Talents immer Schwierigkeiten hatte, Festanstellungen als Hofmusiker zu bekommen.

Neben der Musik soll Mozart gerne Billard gespielt haben, daneben liebte er das "Bölzlschießen", eine frühe Form des Zielschießens mit einer Art Luftgewehr.

Was seine Kunst anbetraf, soll Mozart weniger "exaltiert" gewesen sein, als manch anderer seiner musikalischen Zeitgenossen. Er redete kaum über seine Arbeit und prahlte auch nicht mit Erfolgen.

Wichtig war es für ihn jedoch, für wen er spielte, ob die Zuhörer Ahnung von Musik hatten oder nicht. Wenn er Musikliebhaber im Publikum hatte, spielte er leidenschaftlicher und vor allem länger.

Lithographie mit dem Porträt von Mozarts Frau Constanze

Mit Constanze war Mozart bis zu seinem Tod verheiratet

Die Karriere

Die Karriere des Wolfgang Amadeus Mozart weist viele Parallelen zu Karrieren im heutigen Musikgeschäft auf. Es beginnt mit den langwierigen Tourneen, die Mozart schon in seiner Zeit als "musizierendes Wunderkind" absolvierte. Gut ein Drittel seiner 35 Lebensjahre war Mozart auf Reisen, um seine Musik international zu Gehör zu bringen.

Er besuchte viele Orte, die noch heute Pflichttermine für Musiker darstellen. In Deutschland war er unter anderem in München, Mannheim, Köln und Berlin zu Gast. Andere Ziele seiner insgesamt 17 Reisen waren London, Paris und Prag sowie Italien, damals das Musikland überhaupt.

Natürlich gab es zu Mozarts Lebzeiten noch keine Tonträger, auf denen er seine Stücke verbreiten konnte. Immerhin ließ Mozart von vielen seiner Werke die Noten drucken, um sie dann verkaufen zu können. Das – und auch hier existiert eine Parallele zum heutigen Musikgeschäft – führte schon damals zu "Raubkopien", indem andere seine Noten kopierten und Geld damit verdienten.

Was für heutige Künstler der Plattenvertrag ist, war für damalige Musiker die Festanstellung an einem Hof. Sie garantierte ein sicheres Einkommen, hatte aber auch den Nachteil, dass die künstlerische Freiheit stark eingeschränkt war. Denn die Kompositionen hatten meist eine Funktion zu erfüllen: als Untermalung für Messen oder besondere Anlässe.

In Salzburg hatte Mozart durch seinen Vater zweimal eine Festanstellung, fühlte sich dort jedoch künstlerisch eingeschränkt. Vergebens bemühte er sich um Festanstellungen in München, Mannheim und Paris. 1781 gab er seine Festanstellung in Salzburg auf und ging nach Wien.

Erst vier Jahre vor seinem Tod bekam er dort eine neue Festanstellung als Kapellmeister. Zwischendurch lebte er von Auftritten, Kompositionsaufträgen und auch Klavierunterricht.

Was seine Popularität angeht, soll Mozart zu Lebzeiten vor allem in Prag erfolgreich gewesen sein. Dort liebte man seine Werke, was sich in langen Laufzeiten seiner Opern ausdrückte. In Wien dagegen, wo er von viel Konkurrenz und Neidern umgeben war, unterlag seine Popularität starken Schwankungen.

In Wien verbrachte er auch die letzten Wochen seines Lebens. Kurz nach der Uraufführung der "Zauberflöte" starb er im Dezember 1791 mit nur 35 Jahren. Über die Umstände seines Todes wird bis heute gerätselt.

In einem historischen Prunksaal küsst der kleine Mozart die Hand von Madame Pompadour.

Der junge Mozart in Frankreich

Das Werk

Mozarts Gesamtwerk umfasst nach heutigem Wissen rund 1060 Titel. Einige davon sind jedoch verschollen. Alle Mozart-Werke wurden in einem Verzeichnis erfasst, das von dem Botaniker Ludwig Ritter von Köchel im 19. Jahrhundert erstellt und seitdem immer wieder durch neue Funde ergänzt wurde.

Weil Mozart selbst seinen Werken keine richtigen Titel gegeben hat, tragen selbst Stücke, deren Melodien jedermann bekannt sind, Bezeichnungen wie "Klavier Sonate Nr.11 in A-Dur, KV 331". Was für Klassikeinsteiger oftmals verwirrend, wenn nicht gar abschreckend ist.

Unter seinem Gesamtwerk befinden sich auch 15 Bühnenwerke, also Opern wie "Die Entführung aus dem Serail" und "Don Giovanni". Seine bekannteste Oper dürfte "Die Zauberflöte" sein: Die Geschichte vom Prinzen Tamino, der die Königstochter Pamina befreien soll, wobei viele Charaktere ständig von Gut zu Böse wechseln, begeistert auch heute noch ein großes Publikum.

Mozart schrieb die Texte zu seinen Opern nicht selbst, dafür waren sogenannte "Librettisten" zuständig. Oder er schrieb Musik zu existierenden Dramen, was auch schon mal dazu führen konnte, dass wie im Fall des "Figaro" Gioacchino Rossinis Geschichte ein zweites Mal vertont wurde.

Auch bei seinen Einzelstücken hat Mozart so gut wie keine eigenen Texte geschrieben, sondern Arbeiten von zeitgenössischen Dichtern benutzt, darunter auch von Goethe. Aufgrund unzähliger Auftragskompositionen hat Mozart ein vielseitiges Werk hinterlassen. Er selbst sah sich in erster Linie als Opernkomponist.

Comic-Oper: Die Zauberflöte

Bis heute eine der berühmtesten Opern der Welt: die "Zauberflöte"

Der Nachlass

Dass man heute relativ viel über Mozart weiß, beruht weitgehend auf den erhaltenen Briefwechseln innerhalb der Mozart-Familie während ihrer Reisen. Vor allem aus den Briefen des Vaters und natürlich Mozarts eigener Korrespondenz ziehen Forscher Rückschlüsse auf seine Arbeit und sein Leben.

Noch heute werden seine Schriftwechsel immer wieder neu interpretiert. Einen wichtigen Beitrag zur Mozart-Forschung leistet seit 1841 das Mozarteum in Salzburg – ursprünglich ein Bürgerverein, der einst das Erbe Mozarts von dessen kinderlosen Söhnen übernahm.

Das Mozarteum suchte im Laufe der Jahre Dokumente und Werke Mozarts zusammen und eröffnete mehrere Museen. Später wurde auch eine Musikschule gegründet, die heute eine renommierte Hochschule für Musik ist.

Weltweit ist das Interesse an Mozart ungebrochen. Noch immer tauchen Noten in Archiven auf, die man Mozart zuordnet und die dann von Experten heiß diskutiert werden. Und jährlich erscheinen in aller Welt neue Bücher, die Mozarts Werk unter immer neuen Aspekten beleuchten – in der Hoffnung, diesem musikalischen Genie auf die Schliche zu kommen.

Autor: Helmut Brasse

Stand: 12.06.2018, 15:00

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