Wissensfragen

Eine Frau hört über Kopfhörer Musik.

Sinnestäuschung

Wissensfragen

Von Günter Wagner

Wie entsteht ein Ohrwurm?

Das ist wohl schon jedem so ergangen: Im Radio wird ein Hit gespielt, und wenn man ihn mitten im Stück abstellt, gehen Melodie und Text im Kopf weiter. Man wird den musikalischen Gast im Ohr nicht so schnell los, was mitunter ganz schön nerven kann. Aber was genau steckt dahinter?

Hits werden dauernd gespielt, oft mehrmals am Tag. Eingängige Melodien und leicht zu merkende Texte sind schon nach einigen Wiederholungen in unserem Gehirn gespeichert. Es ist ein Lernvorgang, der nicht bewusst abläuft.

Hört man ein bekanntes Lied und bricht dieses plötzlich ab, dann arbeitet ein Teil des Gehirns, der für die akustische Verarbeitung zuständig ist, genauso weiter, als wenn das Lied noch erklingen würde. Es ergänzt unwillkürlich den Rest, indem es die Erinnerung zu Hilfe nimmt.

Kann man Menschen mit nicht wahrnehmbaren Filmbildern unterschwellig manipulieren?

Der US-Werbefachmann James Vicary soll eigenen Angaben zufolge im Jahr 1957 Kinobesucher mit der Botschaft "Trink Cola, iss Popcorn" zu entsprechendem Verhalten angeregt haben.

Dazu habe er Bilder mit dem Text in sehr kurzen Sequenzen von einer Dreitausendstel Sekunde Dauer in den Film eingeblendet. Dieses zusätzliche Bild, so hieß es, würde dem Betrachter nicht auffallen, aber von ihm unbewusst wahrgenommen und ihn deshalb beeinflussen.

Diese Geschichte war eine reine Erfindung, sozusagen ein Marketing-Effekt um Aufmerksamkeit zu erregen. Dies ist Vicary allerdings hervorragend gelungen, denn es wurden in den USA sogar Gesetze gegen diese Art der Manipulation erlassen.

Auch Vicarys Dementi, dass dieses Experiment nie stattgefunden habe, konnte die Verbreitung der Geschichte nicht verhindern. Noch heute halten sie angeblich rund 80 Prozent der US-Amerikaner für wahr.

In Versuchen wurde festgestellt, dass eine derartige Manipulation nicht funktionieren kann. Jede Sekunde Film besteht aus mindestens 24 Einzelbildern. Ein zusätzliches kurzes Bild mit einem anderen Inhalt würde vom Publikum in jedem Fall als störend empfunden.

Je nach ihrer individuellen Wahrnehmungsschwelle könnten einige Zuschauer sogar den Inhalt erkennen. Spätestens dann ist es ohnehin keine unterschwellige Botschaft mehr.

Stand: 19.07.2019, 13:30

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