Schäferei

Großaufnahme auf den Kopf eines Schafes.

Haustiere

Schäferei

Es ist ein idyllischer Anblick: Schafe grasen auf einer Wiese, dabei steht ein Schäfer mit Stock und Hut, begleitet vom treuen Hütehund. Dabei hat dieses romantische Bild nicht mehr viel mit der Realität zu tun: Schafhaltung ist tägliche harte Arbeit, die Tage sind lang und das Einkommen oft nur noch unzureichend. In Deutschland hat die Wanderschäferei und Haltung von Schafen viel von ihrer einstmaligen Bedeutung verloren. Dabei gehört das Schaf zu den ältesten Nutztieren der Welt. Seine Anwesenheit hat unsere Landschaft durch die jahrhundertelange Freilandhaltung stark mitgestaltet.

Wie der Mensch zum Schaf kam

Auch wenn es die wilden Vorfahren der heutigen Schafe schon seit ungefähr sieben Millionen Jahren gibt, kam der Mensch erst um 9000 vor Christus in Kleinasien zum Schaf. Als widerstandsfähig, genügsam und leicht zähmbar war es ein optimaler Lieferant für Fleisch und natürlichen Dünger.

Außerdem wurde die Haut, beziehungsweise das Fell genutzt – denn zu Anfang hatte das Schaf noch keine klassische Wolle. Auch wenn die Domestizierung der Schafe und ihr Import nach Europa und Deutschland nicht zweifelsfrei geklärt sind, geht man heute davon aus, dass alle Hausschafe vom Orientalischen Mufflon abstammen.

Nach den Eiszeiten wurden im östlichen Mittelmeerraum die ersten Menschen sesshaft und fingen an, in ihren Siedlungen Nutztiere zu halten. Von dort kamen die Menschen und ihre Schafe dann auch circa 6000 vor Christus nach Europa, und die Tiere waren als Fleischquelle von zentraler Bedeutung.

Durch gezielte Selektion und Züchtung entstanden bereits früh die ersten Schafrassen. Bereits um 3000 vor Christus gab es unterschiedliche Typen, wie Haar-, Woll- und Fettschwanzschafe – je nach Lebensraum und Bedarf. Um 2000 vor Christus wurden in Mesopotamien schon fünf Hauptrassen unterschieden. Mit der Zeit und durch Zucht wurde so ihr Aussehen stark verändert.

Vom Fleischlieferant zur Wollzucht

Neben seiner Bedeutung als Kultobjekt konnte das Schaf dem Menschen irgendwann einen Dienst erweisen, zu dem die ebenfalls bedeutenden Nutztiere wie Rind und Schwein nicht imstande waren: Das Wollschaf brachte den Rohstoff für Kleidung.

Während das ursprüngliche, wilde Schaf noch Haare hatte und sich nur im Winter zusätzlich feine, lockige und zugleich wärmende Haare ausbildeten, die es dann im Frühjahr auch wieder verlor, wurden die zahmen Vertreter durch Zucht mit einem dauerhaften Wollkleid ausgestattet, das von dort an nachwuchs, bis es irgendwann von Menschenhand geschoren wurde.

Ab diesem Zeitpunkt kam dann kein Schaf mehr ungeschoren davon. Somit wurde die Wolle bereits vor über 4000 Jahren zur vorrangigen Textilfaser in Mitteleuropa, wenngleich sie damals noch nicht annähernd so fein und dicht war wie bei den moderneren Rassen.

Schafrassen

Mittlerweile gibt es unzählige Hausschafrassen, die vor allem für ihre Nutzung und ihre Anpassungsfähigkeit an ihre Umgebung gezüchtet wurden. Weit über 600 unterschiedliche Rassen sind beinahe überall auf der Welt zu finden. Allein in Deutschland sind über 50 Hausschafrassen heimisch.

Die bekanntesten sind wohl die Merinoschafe, zu denen in Deutschland 40 Prozent gehören. Zahlreiche früher in Deutschland verbreitete Schafrassen sind inzwischen schon wieder vom Aussterben bedroht. So gibt es auch für Nutztierrassen eine sogenannte Rote Liste, die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) herausgegeben wurde. Darin werden 19 einheimische Schafrassen als gefährdet und zwei als nicht gefährdet aufgeführt. Um diese alten Nutztierrassen vor dem Aussterben zu bewahren, gibt es mittlerweile vereinzelt Wiederaufzuchtprogramme.

Autorin: Catharina Clausen

Stand: 21.12.2015, 16:29

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