Mythen und Traditionen

Ein Widderfigur geformt aus Ton.

Schäferei

Mythen und Traditionen

Das Schaf ist eines der ältesten Nutztiere der Welt. Bei dieser jahrtausendealten Verbindung wundert es nicht, dass das Schaf in vielfältiger Weise nicht nur in der Mythologie, sondern auch in unserem Alltag wieder auftaucht. Und damit sind nicht nur die süßen Schlüsselanhänger und Postkarten gemeint.

Schafe als göttliche und alltägliche Symbole

Im Laufe der Geschichte wurde das Schaf einerseits wie ein Kultobjekt verehrt und andererseits in unterschiedlichen Metaphern im Volksmund übernommen. Sprüche wie "ein Schäferstündchen halten", "den Bock zum Gärtner machen", "Schwarzes Schaf der Familie" oder Ausdrücke wie das "Opferlamm", der "Wolf im Schafspelz" und der "Sündenbock" sind dabei nur einige bekannte Beispiele. Dabei gehen diese Symbole von Verehrung bis Verachtung gegenüber dem Tier und dessen vermeintlicher Haltung.

Mit der Entstehung von Kulturen wurden auch immer Götter verehrt und so kamen auch die domestizierten Tiere als Quelle lebensnotwendiger Güter zu ihrer Anerkennung. Im alten Ägypten galt der Widder mit seinen imposanten Hörnern als heilig und findet sich in Form unterschiedlicher Götter wieder. Dabei galten die Widder als Inbegriff von Schöpfung, Fruchtbarkeit und Schutz und wurden teilweise sogar in ähnlichen Zeremonien wie Menschen bestattet.

In der griechischen Mythologie ist wohl die Sage um das "Goldene Vlies", das Fell eines goldenen Widders, der fliegen und sprechen konnte, eine der bekanntesten Verehrungen. Und auch in der christlichen Ikonografie ist das Lamm neben der Taube wahrscheinlich eines der am häufigsten vertretenen Tiere.

Von Abraham zu Jesus steht das Lamm zum einen in der Rolle als Opfertier symbolisch bereit, zum anderen wird es durch die Befreiung von den Sünden auch mit "Unschuld" und "Reinheit" charakterisiert. Auf diese Weise erfüllt der Hirte als Behüter seiner Herde sicherlich eine Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit. Außerdem wird das "Osterlamm" im christlichen Brauchtum auch heute weiterhin verehrt und entsprechend verzehrt, allerdings auch vermehrt in vegetarischer Variante als Kuchen in Lammform.

Weltweit werden dem Schaf verschiedene Charaktereigenschaften zugeschrieben. So ist man in Australien bei zu viel Naivität "ein albern Schaf, welches dem Wolf beichtet" und in Indien sagt man "Das Schaf vertraut nur dem, der ihm die Kehle durchschneidet." Auch die Würdigung des Hütehunds kommt nicht zu kurz und so haben "faule Schäfer gute Hunde." Aber Vorsicht, der deutsche Volksmund warnt auch: "Es ist nicht jeder ein Schäfer, der einen Stab trägt."

Schafe in den Sternen

Und zu guter Letzt wird dem Schaf auch mit dem Sternzeichen Widder eine besondere Ehre zuteil. "Mit dem Kopf durch die Wand" mag nur bedingt den Charaktereigenschaften der zwischen dem 21. März und 20. April Geborenen entsprechen, denn auch die Chinesen vergeben mit dem Zeichen "Yang" (welches allerdings gleichermaßen Ziege bedeutet) in ihrem Kalender im Jahr 2015 wieder ein "Schafjahr". Hier allerdings mit den Eigenschaften Artigkeit und Zurückhaltung für alle Neugeborenen. So gibt es für solche Schafscharaktere auch in Italien den Spruch: "Lieber ein Jahr wie ein Löwe leben als hundert Jahre wie ein Schaf."

In welcher Symbolik es auch auftreten mag, das Schaf weckt Emotionen und Assoziationen vom Kindchenschema über die reine Unschuld bis hin zur beschützenden Stärke. Über die Geschichte und Geschichten sind Schafe und Schäfer bis in die heutige Zeit mit verschiedenen Bildern und Eigenschaften verbunden: "Jeder Schäfer lobt eben seine Keule."

Traditionen und Schäferbräuche

Aus dieser uralten Verbindung sind auch die einzigartigen Traditionen und Bräuche dieser ebenfalls einzigartigen Zunft hervorgegangen, die teilweise noch heute gewürdigt und zelebriert werden. Während die Schäferei eher mit einem bescheidenen Lebensstil verknüpft wird, war sie in Deutschland vom 14. bis 16. Jahrhundert lange Zeit unter herrschaftlichen Schutz gestellt: Der Handel mit Schafprodukten, vor allem mit Wolle für das aufsteigende Tuchmachergewerbe, brachte Reichtum und Wohlstand.

So stand den Schäfern das königliche Vortanzrecht bei Festen zu und das Schäfer-Königspaar durfte damals oft mit einem Walzer eröffnen. Ob Schäfermusik, -tanz oder -lauf, solche Traditionen werden auch heute noch auf den württembergischen Volksfesten, besonders bekannt sind die Schäferläufe, gefeiert.

Autorin: Catharina Clausen

Stand: 21.12.2015, 16:10

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