Raubkatzen

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Raubkatzen

Raubkatzen sind Fleischfresser mit äußerst effizientem Sehsinn und Gehör, empfindlichen Schnurrhaaren, tarnendem Fell und einem ausgeprägten Gleichgewichtssinn. Vielleicht, weil sich unter den Raubkatzen die gefährlichsten Tiere der Welt finden und sie für den Menschen stets eine Bedrohung sein können.

Raubkatzen gehören zur Familie der Felidae

Gemeinsam mit ihrer Verwandten, der Hauskatze, bilden Raubkatzen die Familie der Felidae (Katzen), in der es 36 Arten gibt. Ganz grob lassen sich die Felidae in Groß- und Kleinkatzen unterteilen.

In der Unterfamilie der Großkatzen befinden sich zwar die größten Katzen wie Tiger oder Löwe. Dennoch entscheidet bei dieser Einteilung nicht nur die Körpergröße, sondern die Beschaffenheit des Zungenbeins.

Großkatzen haben ein elastisches Zungenbein, das ihnen ermöglicht zu brüllen. Es verlängert die Zunge um etwa ein Drittel. Dadurch wird die Luftzufuhr vergrößert und ein Brülllaut kann ausgestoßen werden.

So kommt es, dass zum Beispiel der Puma trotz seiner stattlichen Länge von gut 1,50 Metern nicht zu den Groß-, sondern zu den Kleinkatzen gezählt wird, die nicht brüllen können.

Der Tiger ist die größte Raubkatze der Erde

Der Tiger ist die größte Raubkatze der Erde. Er ist in Asien zu Hause. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er noch auf dem ganzen Kontinent beheimatet: Sein Lebensraum reichte vom Kaspischen Meer über Zentralasien bis nach China, von den Inseln Java und Bali im Indischen Ozean bis hinauf ins eisige Sibirien.

Der Java-Tiger, der Bali-Tiger und der Kaspische Tiger sind bereits ausgestorben. Der Südchinesische Tiger ist seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet worden. Insgesamt leben wissenschaftlich belegt noch fünf von einst neun Unterarten.

Weltweit gibt es nach Schätzungen der Naturschutzorganisation "World Wide Fund for Nature" (WWF) nur noch rund 3200 Tiger.

Löwe – Der König der Tiere

Auch der Lebensraum des Königs der Tiere ist bedroht. Schätzungen gehen von 16.000 bis 35.000 Löwen in freier Wildbahn aus. In Europa sind Löwen schon vor mehr als 2000 Jahren ausgestorben. Heute leben noch zehn Unterarten in Afrika südlich der Sahara und eine im nordwestindischen Gir-Nationalpark.

Im Gegensatz zu den anderen Großkatzen lebt der Löwe im Rudel. Seine größte Bedrohung ist neben dem Verlust an Lebensraum die Trophäenjagd.

Leopard – Die anpassungsfähigste Wildkatze

Wegen seines schönen Fells wird auch der Leopard als Trophäe viel gejagt. Er ist sehr anpassungsfähig und hat in Gegenden überlebt, wo andere Großkatzen längst ausgestorben sind.

Der Leopard findet sich in ganz Afrika südlich der Sahara, im Nahen Osten, in Indien, im Fernen Osten, im Himalaja, in China und dem äußersten Nordosten Russlands. Je nachdem, wo er lebt, unterscheidet er sich aber in Körpergröße, Nahrungsgewohnheiten und Aussehen.

Leopard auf Baumstamm.

Leopard: begehrte Trophäe

Besonders auffällig sind komplett schwarze Tiere. Sie werden auch als Schwarze Panther bezeichnet und kommen häufig im gleichen Wurf mit normal gezeichneten Welpen vor.

Schwarze Leoparden finden sich meistens in den feuchten, dichten Wäldern Burmas, in Südwestchina, Nepal und einigen Teilen Südindiens.

Jaguar – Die größte Raubkatze Amerikas

Der Jaguar wird auf den ersten Blick oft mit dem Leoparden verwechselt. Die Rosetten auf seinem Fell sind aber größer als beim Leoparden und sein Zuhause ist der tropische Regenwald rund um den Amazonas.

In weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete von Mexiko bis Argentinien ist der Jaguar vom Aussterben bedroht oder schon verschwunden. Die Zahlen bewegen sich bei etwa 60.000 Tieren in freier Wildbahn.

Jaguar

Jaguar: als Viehräuber gejagt

Nach dem Tiger und dem afrikanischen Löwen ist der Jaguar die drittgrößte Katzenart der Welt. Er ist ein ausgezeichneter Schwimmer und jagt neben Nagern, Vögeln und Hirschen auch viele Wasserbewohner wie Fische, Schildkröten und kleine Krokodile.

Der Jaguar ist wie die meisten seiner Verwandten ein Einzelgänger und trifft sich nur zur Paarungszeit mit seinen Artgenossen.

Verdrängt und gejagt

Die Abholzung der Regenwälder bedroht den Lebensraum des Jaguars in Südamerika. In Afrika schrumpft die Heimat von Löwen und Leoparden durch Landwirtschaft und Industrie.

Und besonders dramatisch ist die Situation für Tiger in Asien. Großkatzen ziehen überall den Zorn der Bauern auf sich, weil sie Vieh oder Haustiere reißen.

Bengaltiger rennt.

Vom Jäger zum Gejagten

Im Regenwald, der Savanne und im Dschungel holen sich die Menschen, was sie zum Leben brauchen und verkaufen können. Gleichzeitig nehmen sie so der Beute der Großkatzen ihre Nahrung – ein Teufelskreis und ständiger Konflikt zwischen Raubkatze und Mensch.

In Asien und auch in Afrika gibt es Schutzgebiete für die Raubkatzen. Aber oft sind diese schlecht bewacht, sodass Löwe, Tiger und Co Opfer illegaler Jäger werden.

Die Wilderer verkaufen Felle und Körperteile auf Schwarzmärkten in Asien. Denn das Fett von Tigern und Löwen gilt in der traditionellen asiatischen Volksmedizin immer noch als Heilmittel gegen alle möglichen Krankheiten. Ein Aberglaube, der den Tieren zum Verhängnis wird.

Die Trophäenjagd von Raubkatzen in Afrika ist generell nicht verboten. Es gibt festgeschriebene Jagdquoten, die von den Jägern einzuhalten sind. Und in einigen afrikanischen Ländern ist die Trophäenjagd ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftszweig.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine verantwortungsbewusste Jagd keine Auswirkungen auf die Gesamtpopulation der Raubkatzen hat. Artenschützer setzen dagegen und sagen, dass die Voraussetzungen einer kontrollierten Trophäenjagd meist nicht gegeben seien.

Zwei Sibirische Tiger kämpfen.

Der Aberglaube wird den Raubkatzen zum Verhängnis

Mehr als 80 Prozent der Raubkatzen stehen mittlerweile auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Damit gehören sie zu den am meisten gefährdeten Tieren der Erde. Obwohl der Mensch seit Jahrhunderten von den mächtigen und eleganten Tieren fasziniert ist, ist er für die schrumpfenden Bestände der Raubkatzen verantwortlich.

Autorin: Annika Zeitler

Stand: 02.01.2019, 11:30

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