Der Luchs – die größte Raubkatze Europas

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Der Luchs – die größte Raubkatze Europas

Wenn man in Deutschland vom Luchs spricht, ist der Eurasische Luchs gemeint. Nach Bär und Wolf ist diese Katze das größte Raubtier, das in Europa lebt. Viele Jahre lang wurden Luchse verfolgt. Erst seit einigen Jahren durchstreift der Eurasische Luchs wieder die Wälder Europas. In Deutschland hat er im Bayerischen Wald, im Pfälzer Wald, im Harz, im Fichtelgebirge und im Spessart erneut eine Heimat gefunden. Gesichtet wurde er auch in der Sächsischen Schweiz, im Schwarzwald und in der Eifel.

Vom Jäger zum Gejagten

Der Eurasische Luchs war ursprünglich in ganz Europa verbreitet. Als der Mensch jedoch immer größeren Raum in Anspruch nahm und in einst unbesiedelte Gebiete vordrang, zog sich der Luchs immer mehr in die großen Gebirgszüge wie die Pyrenäen, das französische Zentralmassiv, die Alpen, den Bayerischen Wald und Böhmerwald zurück.

Der Lebensraum der Raubkatze wurde immer kleiner. Lange Zeit hatte der Luchs bei den Menschen einen schlechten Ruf: Er galt als mordlustig und hinterlistig. Auf der Suche nach Futter verließ er das Dickicht und machte sich über Schafe und Ziegen her.

Deshalb wurde er als Räuber von Nutztieren und wegen seines schönen Fells gejagt und somit nahezu ausgerottet. In Deutschland lebten die letzten Exemplare im Bayerischen Wald. Sie verschwanden bis Mitte des 19. Jahrhunderts.

Luchs ist nicht gleich Luchs

Ein ausgewachsener Eurasischer Luchs misst vom Kopf bis zum Schwanzansatz zwischen 80 und 120 Zentimetern. Typisch für den Luchs sind die Haarpinsel an den Ohren.

Früher dachten Wissenschaftler, diese Haarpinsel seien dafür verantwortlich, dass der Luchs so gut höre. Mittlerweile gilt dies als widerlegt, obwohl man noch nicht weiß, wofür die Pinsel gut sind.

Klar ist dagegen, dass Luchse sehr gut hören: So sollen sie selbst das Rascheln einer Maus noch aus 50 Metern Entfernung wahrnehmen können.

Aufgrund seines begrenzten Verbreitungsgebietes ist der Iberische Luchs, auch Pardelluchs genannt, eine der am stärksten bedrohten Katzenarten der Welt. Er ist im Buschwald Spaniens und Portugals zu Hause.

Iberischer Luchs: Das Bild zeigt eine Raubkatze mit markantem, dunklem Muster und Spitzen Ohren. Sie Blickt durch einige Zweige in die Kamera.

Iberischer Luchs

Die spanische Regierung führte 2001 ein gezieltes Zuchtprogramm zur Erhaltung der Art ein. Der Iberische Luchs sieht dem Eurasischen Luchs sehr ähnlich, ist aber kleiner, hat einen noch ausgeprägteren Backenbart, und sein Fell ist deutlicher gefleckt.

Der Kanadische Luchs lebt in den kalten Regionen Nordamerikas und schützt sich mit einem dichten Fell vor den Minustemperaturen in seiner Heimat. Dieses Fell lässt ihn größer wirken, als er eigentlich ist. Insgesamt ist er erheblich kleiner und leichter als der Eurasische Luchs.

Er jagt Rehe, Hasen oder Füchse. Manchmal sind auch Haustiere seine Beute, weshalb er von den Farmern immer noch gejagt wird.

Kanadaluchs in den Rocky Mountains.

Der Kanadaluchs schützt sich mit dichtem Fell

Die Raubkatze ist ein guter Schwimmer und Kletterer. Sie kann ihre Beute über mehrere Kilometer verfolgen.

Der Rotluchs ist kleiner und leichter als die anderen Luchsarten. Seinen Namen hat er seinem rötlich-braunen Fell zu verdanken. Er ist sehr anpassungsfähig und daher in vielen Lebensräumen zu finden:

von den Laub- und Nadelwäldern Kanadas über die Halbwüsten Kaliforniens und die Felsregionen der Rocky Mountains bis hin zu den Everglades in Florida.

In der Wildnis können Rotluchse bis zu 17 Jahre alt werden, in Gefangenschaft sogar noch älter.

Rotluchs sitzt auf Felsen.

Der Rotluchs ist der kleinste Luchs

Rückkehr der Luchse

Natürliche Luchsvorkommen gibt es in Europa heute noch in Skandinavien, im östlichen Polen entlang der Karpaten und in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Alle anderen Luchspopulationen in Europa sind Wiederansiedlungen.

Wissenschaftler versuchen den Luchs in West- und Mitteleuropa wieder heimisch zu machen: Aus dem Böhmerwald in Tschechien wandern Luchse seit Beginn der 1980er Jahre und vermehrt seit Anfang der 1990er Jahre wieder nach Deutschland ein.

Der Luchsbestand in Deutschland wurde 2018 auf 77 Tiere beziffert.

Erfolgsprojekt Harz

Seit Sommer 2000 gibt es im Harz ein Luchsprojekt mit gezüchteten Tieren. Naturschützer und Biologen haben dort die Raubkatzen gezielt ausgewildert. Mit Erfolg: Die Population wächst inzwischen eigenständig, jedes Jahr gibt es Nachwuchs.

Der Nationalpark Harz ist das Kerngebiet, aber auch außerhalb suchen sich die Luchse eine neue Heimat.

Die Luchse breiten sich aus. Das heißt, die Tiere beginnen zu wandern: teilweise große Strecken an dicht besiedelten Gebieten vorbei, über Felder und Wiesen.

Wie der Luchs M2. Er war der erste, dessen Route die Mitarbeiter des Luchsprojektes Harz im Jahr 2009 dank eines GPS-Senders genau verfolgen konnten.

Auch die Regierungen Hessens, Baden-Württembergs und Bayerns engagieren sich in Luchsprojekten.

Um mehr darüber zu erfahren, welches Lebensumfeld die Tiere brauchen und welche Gewohnheiten sie haben, sammeln die Luchsforscher möglichst viele Informationen, etwa anhand von gerissener Beute, Trittspuren, Kot und Fell.

Je mehr sie über den Luchs erfahren, desto besser können sie die Wiederansiedlung der Raubkatze überwachen.

Der Tod kommt auf leisen Reifen

Für Luchse sind sie das größte Hindernis und eine tödliche Gefahr: Autobahnen. Die betonierten Schnellstraßen töten, durchschneiden die Landschaft, trennen Lebensräume und erschweren das für Luchse typische Wanderverhalten. Auch der Gen-Austausch wird erschwert – die Gefahr von Inzucht droht.

Junggtiere müssen die Reviere der Alten verlassen und neue Territorien erobern. Bleiben sie, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie bei Revierkämpfen getötet werden.

Bei den Harzer Luchsen beobachten die Projektleiter seit Jahren, dass die Luchse immer weiter umherstreifen. An Autobahnen und Schnellstraßen helfen Grünbrücken und Unterführungen.

Der NABU und andere Umweltverbände fordern, in Deutschland ein Biotopverbundsystem herzustellen. Über sogenannte Trittsteinbiotope könnten sich die Tiere dann von einem sicheren Lebensraum zum nächsten bewegen und verbreiten.

Fehlende Akzeptanz

Landwirte und Jäger sind zum Teil besorgt über die Rückkehr des Luchses: Die Landwirte sorgen sich um ihre Nutztiere, die Jäger befürchten die Ausrottung des Rehwilds.

Es gibt aber bislang kaum Kenntnisse über den Einfluss des Luchses auf den Bestand seiner Beutetiere. In den Augen der Artenschützer ist der Luchs ein Gesundheitspolizist, der nur kranke und schwache Beutetiere jagt und eine intakte Wildnis anzeigt.

Wie vor rund 100 Jahren hat der Luchs nach wie vor das Problem, bei den Menschen akzeptiert zu werden. Die Jagd auf ihn ist aber in den meisten Ländern, wie auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz, entweder verboten oder streng reguliert.

Autorinnen: Monika Sax/Annika Zeitler

Stand: 02.01.2019, 11:21

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