Historisches Pferdekarussell

Geschichte der Kirmes

Geschichte des Karussells

Das Karussell gehört zu den ältesten Attraktionen der Kirmes. Es ist seit Jahrhunderten sowohl in Europa als auch im Orient bekannt. So soll es bereits 1620 das erste Karussell gegeben haben – im heutigen Plowdiw in Bulgarien.

Von Sabine Coen

Adelige Reiterspiele als Ursprung

Das Wort Karussell stammt vom französischen "carousel" und italienischen "carosello" ab, dem Reiterspiel mit Ringelstechen. Im 18. Jahrhundert trainierten junge Adelige bei diesem Spiel ihre Reitfertigkeiten, indem sie versuchten, im Galopp mit einer Lanze Ringe aufzuspießen, die an einem Balken hingen.

Ein ähnliches Spiel war schon im Mittelalter bekannt. Um ihre Geschicklichkeit zu schulen, setzten sich Ritter auf den Rand eines sich drehenden Gestells und fingen im Vorbeifahren Ringe mit der Lanze.

Leben auf der Burg

01:59 Min. Verfügbar bis 29.08.2028 Von Anja von Kampen, VisionX

Weiterentwicklung zum Fahrgeschäft

Im Laufe des 18. Jahrhunderts veränderte sich der Charakter der Reiterspiele. Im Vordergrund standen nicht mehr die Leistungen der Reiter, sondern zunehmend die Unterhaltung der Hofgesellschaft, woran sich auch Damen beteiligten. So entstand aus der Kombination der mittelalterlichen Ritterspiele und des Ringstechens das erste Karussell mit Holzpferden – angetrieben durch reine Muskelkraft.

Um 1701 finden sich erste Hinweise auf diese mechanischen Drehvorrichtungen, die zunächst im Hofbereich und in Gartenanlagen aufgestellt wurden. Sie bestanden meist aus einem drehbaren ebenerdigen Holzkreuz, an dessen Ende ein hölzernes Pferd im Galopp stand.

Um diese Konstruktion herum hingen Ringe, die an einem Haken befestigt waren und heruntergeholt werden mussten. Diese ersten Karusselle im eigentlichen Sinn wurden durch Personen angeschoben, die im Inneren der Konstruktion standen.

Ein Karussell Anfang des 20. Jahrhunderts: Die Fahrgäste sitzen in Gondeln, die mit Seilen befestigt sind

Karussell Anfang des 20. Jahrhunderts

Vom höfischen Vergnügen zur Volksbelustigung

Mit der Zeit entdeckte auch die einfache Bevölkerung das Karussell für sich. Im Jahr der Eröffnung des Wiener Praters 1766 gab es ein Pferdekarussell. Das Ringelstechen blieb dabei noch lange Zeit Bestandteil des fahrenden Vergnügens.

Um 1800 war die Karussells bereits in ganz Europa verbreitet. Sie befanden sich jedoch größtenteils noch an stationären Orten, zum Beispiel in einem Badeort oder einem Lustgarten. Beim Münchener Oktoberfest tauchte es das erste Mal 1818 auf.

Die ersten Karussells, die ohne Muskelkraft fuhren, entstanden während der Industriellen Revolution. In den 1860er-Jahren wurden die Fahrgeschäfte das erste Mal mit Dampf betrieben, bevor sie später mit Elektrizität in Gang gesetzt wurden. Diese Modelle waren nun auch transportabel und relativ leicht auf- und abzubauen.

Ein kunstvoll gestaltetes Karussellpferd auf einem Karussell

Ein klassisches Karussellpferd

(Erstveröffentlichung 2003. Letzte Aktualisierung 15.07.2020)

Quelle: WDR

Darstellung: