Kirmes

Kirmes bei Nacht.

Brauchtum

Kirmes

Wer an Kirmes denkt, hat den Gruch von Popkorn, gebrannten Mandeln und Backfisch in der Nase. Alles ist bunt, überall blinken Lichter und Schaustelller machen lautstark auf sich aufmerksam. Die Kirmes hat eine lange Tradition. Aus dem einstmaligen Kirchweihfest, auch Kirchmess genannt, entwickelte sich ab dem Mittelalter die Veranstaltung wie wir sie heute kennen – mit Warenhändlern, Buden und Karussells.

Kirmes als Familientreffen und Partnerbörse

Ursprünglich war die Kirmes ein Fest zum Gedenken an die Einweihung der Dorfkirche. Das ganze Dorf kam an diesen Tagen auf dem Dorfplatz zusammen, um ausgelassen zu feiern, zu tanzen und gemeisam zu essen. Niemand arbeitete während der Kirchmess, für die Bauern waren es die einzigen freien Tage im Jahr.

Es war ein Fest für die ganze Familie. Die Verwandtschaft kündigte sich an, die Stuben wurden herausgeputzt und im 18. Jahrhundert war es sogar üblich, ganze Häuserfassaden zu streichen. Für junge, heiratswillige Menschen war die Kirmes eine willkommene Gelegenheit, einen geeigneten Partner kennenzulernen.

Die Entwicklung des Schaustellergewerbes

Der Stich zeigt einen Rummelplatz in Leipzig im Jahr 1844. Im Vordergrund sind viele Besucher zu sehen, im Hintergrund einige Schaubuden, die unter anderem exotische Tiere zeigen.

Rummelplatz im Jahr 1844

Über die Jahrhunderte hinweg gab es verschiedenste schaustellerische Darbietungen. So traten unter anderem Artisten und Jongleure auf, es wurden außergewöhnliche Menschen, Tiere oder Objekte ausgestellt und Theaterstücke aufgeführt.

Oft übernahmen die Schausteller auch eine pädagogische Aufgabe, indem sie der breiten Öffentlichkeit die neuesten, technologischen Erfindungen präsentierten. So gab es bereits 1896 auf Jahrmärkten die ersten Kinovorführungen.

In den ersten Jahrhunderten war der Kirmesbesucher nur passiver Zuschauer und folgte gebannt den Darbietungen an den Schaubuden. Erst im 19. Jahrhundert begann die aktive Teilnahme am Geschehen. Karussells, Schaukeln, Wurfbuden und Schießstände gehörten zu den ersten Kirmesbeschäftigungen, später kamen noch Belustigungsgeschäfte wie die Geisterbahn dazu.

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Deutschland eine blühende Karussellindustrie. 1885 gab es die erste transportable Rutschbahn, aus der sich 1909 die erste Achterbahn entwickelte. Aus der ehemaligen russischen Schaukel wurde das Riesenrad. 1926 kam der erste Autoscooter aus Amerika auf die deutschen Jahrmärkte.

Kirmes und ihre Bedeutung heute

Ein Kettenkarussell.

Ein traditionelles Fahrgeschäft - das Kettenkarussell

Fliegende Bauten werden die Geschäfte genannt, die die Schausteller heute, meist im Familienbund, betreiben. Der gesamte Betrieb ist mobil. So können die Schausteller ihre Geschäfte bequem von Kirmes zu Kirmes transportieren. Während der Kirmessaison – von Frühjahr bis Herbst – leben die Schausteller und ihre Angestellten in Wohnwagen.

Immer größer, höher, schneller, heißt die Devise des zwanzigsten Jahrhunderts. Während sich die Neuheiten des Fahrgeschäftsektors überschlagen, werden die klassischen Schaustellungen immer rarer. Varieté-Theater, Flohzirkus, Steilwandfahren und ähnliches gibt es, wenn überhaupt, nur noch auf größeren Plätzen.

Wirtschaftlich haben die vielen Kirmessen, Jahrmärkte und Volksfeste in Deutschland eine große Bedeutung. So ergab eine Studie, die im Auftrag des Deutschen Schaustellerbundes durchgeführt wurde, dass die Volksfeste hierzulande jährlich rund 178 Millionen Besuche verzeichnen. Durchschnittlich geben die Besucher dabei rund 22 Euro aus.

Autorin: Sabine Coen

Stand: 05.08.2016, 16:00

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