Karussell

Historisches Pferdekarussell

Kirmeshistorie

Karussell

Das Karussell gehört zu den ältesten Attraktionen der Kirmes. Wo und wann das erste Karussell in Betrieb genommen wurde, weiß niemand genau. Fest steht, dass man dieses Fahrgeschäft sowohl in Europa als auch im Orient bekannt war. So soll es bereits 1620 in der osmanischen Handelsstadt Philippopel, dem heutigen Plowdiw in Bulgarien, das erste Karussell gegeben haben.

Adelige Reiterspiele als Ursprung

Das Wort Karussell stammt vom französischen "carousel" und italienischen "carosello", dem Reiterspiel mit Ringelstechen, ab. Im 18. Jahrhundert trainierten junge Adelige bei diesem Spiel ihre Reitfertigkeiten, indem sie versuchten, im Galopp mit einer Lanze Ringe aufzuspießen, die an einem Balken hingen.

Ein ähnliches Spiel war schon im Mittelalter bekannt. Um ihre Geschicklichkeit zu schulen, setzten sich Ritter auf den Rand eines sich drehenden Gestells und fingen im Vorbeifahren Ringe mit der Lanze.

Weiterentwicklung zum Fahrgeschäft

Das Schwarzweiß-Foto zeigt ein Karussell vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Fahrgäste sitzen in Gondeln, die mit Seilen an der Oberseite des Karussells befestigt sind.

Karussell Anfang des 20. Jahrhunderts

Im Laufe des 18. Jahrhunderts veränderte sich der Charakter der Reiterspiele. Nicht mehr die Leistungen der Reiter standen im Vordergrund, sondern immer mehr auch die Unterhaltung der Hofgesellschaft, woran sich auch Damen beteiligten. So entstand aus der Kombination der mittelalterlichen Ritterspiele und des Ringstechens das erste Karussel mit Holzpferden – angetrieben durch reine Muskelkraft.

Um 1701 finden sich erste Hinweise auf diese mechanischen Drehvorrichtungen, die zunächst im Hofbereich und in Gartenanlagen aufgestellt wurden. Sie bestanden meist aus einem drehbaren ebenerdigen Holzkreuz, an dessen Ende ein hölzernes Pferd im Galopp stand. Um diese Konstruktion herum hingen Ringe, die an einem Haken befestigt waren und heruntergeholt werden mussten. Diese ersten Karusselle im eigentlichen Sinn wurden durch Personen angeschoben, die im Inneren der Konstruktion standen.

Vom höfischen Vergnügen zur Volksbelustigung

Ein kunstvoll gestaltetes, weißes Karussellpferd auf einem Kraussell.

Ein klassisches Karussellpferd

Mit der Zeit entdeckte auch die einfache Bevölkerung das Karussell für sich. Im Jahr der Eröffnung des Wiener Praters 1766 gab es ein Pferdekarussell. Das Ringelstechen blieb dabei noch lange Zeit Bestandteil des fahrenden Vergnügens.

Um 1800 war die Karussells bereits in ganz Europa verbreitet. Sie befanden sich jedoch größtenteils noch an einem stationären Ort, zum Beispiel in einem Badeort oder einem Lustgarten. Beim Münchener Oktoberfest tauchte es das erste Mal 1818 auf.

Die ersten Kraussells, die ohne Muskelkraft fuhren, entstanden während der Industriellen Revolution. In den 1860er Jahren wurden die Fahrgeschäfte das erste Mal mit Dampf betrieben, bevor sie später mit Elektrizität in Gang gesetzt wurden. Diese Modelle waren nun auch transportabel und relativ leicht auf- und abzubauen.

Autorin: Sabine Coen

Stand: 05.08.2016, 16:00

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