Fernsehshows in der DDR

Geschichte der Fernsehshows

Fernsehshows in der DDR

Wer kennt sie eigentlich im Westen der Republik: Gustav Müller, Gerhard Wollner, Heinz Quermann oder Helga Hahnemann? Sie waren die großen Stars der DDR-Fernsehunterhaltung, vergleichbar mit Kulenkampff und Gottschalk im Westen. Aber wie sahen die Fernsehshows des Ostfernsehens aus? Gab es Unterschiede zu den Shows im Westen?

"Mit dem Herzen dabei"

Pünktlich zu Stalins 73. Geburtstag geht das DDR-Fernsehen am 21. Dezember 1952 zunächst als Versuchsprogramm an den Start. Am 3. Januar 1956 beginnt der offizielle Sendebetrieb des "Deutschen Fernsehfunks" (DFF) im Fernsehzentrum Berlin-Adlershof.

Helga Hahnemann, 1987

Die Unterhaltung hat von Anfang an einen hohen Stellenwert. "Wer tagsüber hart am Aufbau des Sozialismus arbeitet, hat sich Unterhaltung am Abend redlich verdient." Mit diesen Worten würdigt der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht den Erfolg der Fernsehshow " Mit dem Herzen dabei", die von 1964 bis 1970 eine der beliebtesten Sendungen im DDR-Fernsehen ist.

In dieser Sendung treten nicht nur bekannte Künstler auf. Auch besonders verdiente Arbeiter werden in der Überraschungsshow von Moderator Hans-Georg Ponesky auf besondere Weise geehrt. Beispielsweise ist ein Mann völlig überrascht, als er von einer Dienstreise nach Hause kommt und sein Haus fertig renoviert vorfindet.

Ein Lokführer wird spontan eingeladen und weil er schon im Bett liegt, rollen ihn die Programmmacher eben samt Bett durch ganz Berlin. Dort überrascht ihn Ponesky mit einer 14-tägigen Urlaubsreise. Mit viel Aufwand wurden diese Aktionen teilweise mit versteckter Kamera zur Freude der Zuschauer gedreht.

"Da lacht der Bär"

Die Fernsehunterhaltung in der DDR orientiert sich, genau wie die westliche Fernsehunterhaltung, am Vorbild des traditionellen "Bunten Abends": Ein Conférencier verknüpft Musikauftritte und Showeinlagen. Während sich der Westen aber mehr und mehr an amerikanischen Vorbildern orientiert, sucht die Unterhaltung der DDR nach Formaten, in denen auch soziale und politische Komponenten eine Rolle spielen. In der Sendung "Mit dem Herzen dabei" , wird die Arbeitswelt thematisiert.

1955 entsteht eine Sendung, die aus einer Kombination von Show und Kabarett besteht. "Da lacht der Bär", eine ehemalige Radiosendung, hat ein starkes politisches Motiv. "Deutsche an einen Tisch" , dieses Motto gibt die DDR-Regierung 1954 aus und fordert damit eine direkte Verhandlung beider deutscher Staaten über die Wiedervereinigung unter Umgehung der Siegermächte.

Die "drei Mikrofonisten", die Moderatoren von "Da lacht der Bär", verkörpern dieses Ansinnen. Heinz Quermann kommt aus Sachsen, Gustav Müller aus dem Rheinland, Gerhard Wollner aus Berlin. Gemeinsam repräsentieren sie verschiedene Regionen Deutschlands. Nach dem Mauerbau 1961 geht diese politische Motivation aber verloren.

Bis 1965 lacht der Bär alle vier Wochen, zuerst aus der Sporthalle Karl-Marx-Allee und ab 1958 aus dem Friedrichspalast. Heinz Quermann ist immer auf der Suche nach Nachwuchs, und da die Auswahl in der DDR nicht groß ist, greift er auf Humoristen aus Westdeutschland zurück. Unter anderem treten Vico Torriani und Trude Herr in der Sendung auf.

"Ein Kessel Buntes"

Dresden, 20.12.1977. Roy Black zusammen mit Künstlern aus verschiedenen Nationen, nach einem Auftritt im Kulturpalast in der Musik-Show 'Schlager im Palast'.

Roy Black nach einem Auftritt in "Schlager im Palast" (Dresden, 1977)

In den 1970er Jahren entsteht eine Fernsehshow, die mit der längsten Laufzeit zum Aushängeschild der DDR-Unterhaltung wird: "Ein Kessel Buntes". Musik, Tanz, Artistik, Comedy und Small Talk, mit dieser Mischung wollen die Programmmacher eine Konkurrenz zu den Shows aus dem Westen schaffen.

Der "Kessel" wird ein Riesenerfolg. In den ersten Jahre moderieren ihn die "drei Dialektiker", bestehend aus Manfred Uhlig, Lutz Stückrath und Horst Köbbert. Als der DDR-Führung die Satire zu politisch wird, wechseln sich verschiedene Künstler wie Dagmar Frederic, Wolfgang Lippert oder Gunther Emmerlich in der Moderation ab.

Mit Auftritten internationaler Stars aus dem Westen will sich die DDR als weltoffen präsentieren. Mireille Mathieu, Suzie Quatro, Katja Ebstein, ABBA und die Bay City Rollers treten im "Kessel" auf. Zum Liebling aller Zuschauer wird Helga Hahnemann, die bekannteste Ulknudel der DDR. Ihre Sketche und Moderationen werden zum Höhepunkt der Sendung. Nach der Wende läuft "Ein Kessel Buntes" noch als Samstagabendshow in der ARD, 1992 ist dann Schluss. Karsten Speck moderiert die Sendung am 19. Dezember zum letzten Mal.

Ein Klassiker an Weihnachten

Der Schauspieler Wolfgang Stumph bei der Verleihung des 58. Deutschen Filmpreises in Berlin.

Einer der Stars der "Showkolade": Wolfgang Stumph

Ein Klassiker an Weihnachten ist die Sendung "Zwischen Frühstück und Gänsebraten". Mit einem Weihnachtsliederpotpourri, Sketchen und Schlagern unter dem Weihnachtsbaum unterhalten Margot Ebert und Heinz Quermann die Zuschauer am Vormittag des ersten Weihnachtstages.

Der Opernsänger Gunther Emmerlich und der Kabarettist Wolfgang Stumph sind die Stars der Samstagabendshow "Showkolade", in der nicht nur gesungen und getanzt, sondern auch satirisch das Zeitgeschehen unter die Lupe genommen wird. Das bringt Emmerlich auch immer wieder Ärger mit der DDR-Führung ein.

Autor: Horst Basting

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Stand: 06.01.2016, 10:37

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