Wien kulinarisch

Tafelspitz auf Teller

Wien

Wien kulinarisch


Woher hat der Tafelspitz seinen Namen?

Wahrscheinlich von ein paar hungrigen Erzherzögen. Sie durften bei den Festdiners am kaiserlichen Hof immer nur am Ende, also am Spitz der Tafel Platz nehmen – eine extrem undankbare Position, denn dort bekam man zuletzt aufgetragen.

Besonders fatal daran war, dass man unter Franz Joseph, Regent von 1848 bis 1916, stets gemeinsam mit dem Kaiser sein Besteck niederlegen musste. Und da Franz Joseph natürlich als erster sein Essen vor sich stehen hatte und noch dazu alles ziemlich schnell in sich hineinstopfte, bekamen die Erzherzöge am Spitz der Tafel nie genug vom köstlichen Braten.

Sie sollen dann meistens mit leeren Mägen weiter ins "Sacher" gezogen sein und dort mit dem Tafelspitz-Essen noch mal von vorne angefangen haben.

Und was ist er nun genau, der Tafelspitz? Das Schwanzstück vom Rind, das nicht gebraten, sondern in Fleischbrühe gekocht und mit Schnittlauchsoße, Apfelkren (Meerrettich mit geriebenen Äpfeln) und Erdäpfeln (Kartoffeln) serviert wird.

Was ist ein Einspänner?

Keine Pferdekutsche, sondern eine typische Wiener Kaffeespezialität: schwarzer Kaffee in einem Glas, serviert mit einer Portion Schlagobers (Schlagsahne) obendrauf.

Sein Name hat aber in der Tat etwas mit Pferden zu tun: Er erinnert an die Kutscher, die früher vor den Cafés auf Kundschaft warteten und in einer Hand den Zügel, in der anderen das Henkelglas mit dem Kaffee hielten. Ihre Kutschen waren meistens Einspänner, die nur von einem Pferd gezogen wurden.

Auch die anderen Wiener Kaffeespezialitäten haben Namen, die man als Besucher aus dem Ausland erst einmal wie Vokabeln lernen muss: der kleine Schwarze ist ein Espresso, der große Schwarze entsprechend ein doppelter Espresso; ein Brauner ist ein Schwarzer mit einem Schuss Milch.

Die Melange ist ein kleiner Espresso mit viel Milch, also so etwas wie ein Latte macchiato (aber das bitte nicht laut sagen!); ein Franziskaner ist eine Melange mit Schlagsahne; und ein Kapuziner schließlich ist ein kleiner Schwarzer mit ganz wenigen Tropfen Schlagsahne, so dass der Kaffee die Farbe einer Kapuzinerkutte annimmt.

Inneres eines Wiener Kaffeehauses

Wiener Kaffeehauskultur

Welcher Gärtner kümmert sich um einen Schanigarten?

Einer, der mit Jäten, Harken und Gießen nicht besonders viel zu tun hat: der Schani nämlich. Schani ist das österreichische Wort für Johann (französisch Jean), und Johann wiederum ist der gemeinsame Rufname aller jungen Kellner in Wien (die Oberkellner heißen Franz).

Der Garten, um den sich der Schani kümmern muss, ist denn auch kein lauschiger Ort mit Blumenbeeten und Bäumen, sondern befindet sich auf dem Trottoir vor einem Kaffeehaus.

Sein Name soll daher kommen, dass irgendwann einmal, als sich die ersten Sonnenstrahlen regten, irgendein Oberkellner zu seinem Hilfskellner gesagt hat: "Schani, trag den Garten außi."

In den Außenbezirken von Wien sind dagegen andere Lokale sehr beliebt: die Heurigen, die meistens auch Plätze im Freien anbieten. Sie unterscheiden sich von "normalen" Lokalen dadurch, dass dort nur Wein aus eigenem Anbau ausgeschenkt werden darf.

Ein Beisl schließlich ist das, was man im Deutschen wohl eine Kneipe nennen würde: ein einfaches, eher rustikales Lokal, in dem deftige Hausmacherkost serviert wird – in Wien also Schnitzel mit Kartoffelsalat oder ein ordentliches Gulasch.

Gartenlokal mit rustikalen Holztischen, beschirmt von einem Baum

Heuringenlokal im Bezirk Grinzing

Autorin: Kerstin Hilt

Weiterführende Infos

Stand: 27.08.2017, 15:47

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