Orchester

Gemälde von 1740/50: Konzert im Zunfthaus zu Zürich.

Musik

Orchester

Der Begriff Orchester ist sehr viel älter als seine heutige Bedeutung. Ursprünglich geht Orchester auf das altgriechische Wort "orchestra" zurück und bezeichnet im Amphitheater einen halbrunden Tanzplatz zwischen Bühne und Zuschauerrängen.
Ebenfalls aus dem Griechischen stammt "orcheisthai", was übersetzt so viel bedeutet wie "sich regen, bewegen, hüpfen und tanzen". Im Römischen Reich stand "orchestra" für die Sitze der Senatoren im antiken Rom. Erst langsam bildete sich aus dem Begriff die Bezeichnung für ein Musikerensemble heraus.

Die Anfänge

Erst seit dem 16. Jahrhundert existieren Orchester, zu denen ein fester Musikerstamm gehört und die in den Spielbetrieb eines großen Festspielhauses eingebunden sind. Es waren Adlige und kirchliche Würdenträger, die sich den Luxus eines Ensembles leisteten. Für die Aufführungen mischten sich meist der musikliebhabende Fürst oder seine Gäste unter die Musiker und begleiteten sie auf einem Instrument.

Das größte und berühmteste Orchester des Barocks spielte natürlich am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Versailles. Es hieß die "24 Geigen des Königs", obwohl außer Geigen auch andere Instrumente vertreten waren.

Dass viele Orchester bis heute den Namen "Kapelle" tragen, wie etwa die Dresdner und die Berliner Staatskapelle, geht auf den Kirchenraum zurück, für den ihre Auftritte bestimmt waren.

Die Orchester, die ab dem Barock an den Fürstenhöfen musizierten, unterscheiden sich in zwei Punkten von den heutigen Orchestern. An der Seite der Berufsmusiker spielten immer wieder talentierte Laien mit. Auch waren in den Orchestern des 18. und 19. Jahrhunderts manche Instrumentengruppen noch nicht vertreten. Wenn man für eine Aufführung Pauken und Trompeten benötigte, mussten diese aus den Militärkapellen entliehen werden.

Als die spieltechnischen Ansprüche an die Orchestermitglieder stiegen und die Zahl der Auftritte anwuchs, zogen sich die Laien aus dem professionellen Spielbetrieb zurück. Hoforchester wie die herzogliche Hofkapelle von Meiningen, der die Dirigenten Richard Strauss und Max Reger vorstanden, existierten noch bis ins 20. Jahrhundert.

Wer sitzt wo?

Seit dem 18. Jahrhundert sitzen in einem Orchester mehr Streicher als Bläser. Die Überzahl an Violinen, Bratschen, Celli und anderen sollte ein Gegengewicht zu der Lautstärke der Bläser bilden. Überdies erzeugt eine Vielzahl an Streichinstrumenten eine Stimmung, die der Klangfarbe sinfonischer Musik entspricht. In den Jahrhunderten davor konnten bei Operetten oder unterhaltender Orchestermusik sogar Instrumentengruppen ausgetauscht oder fortgelassen werden, was wiederum Auswirkungen auf die Sitzordnung hatte.

Die heutige Orchesterordnung existiert seit dem 19. Jahrhundert. Der Dirigent steht mit dem Rücken zum Publikum auf einem Podest vor seinen Musikern. Die Streicher sitzen in einem Halbrund direkt vor dem Dirigenten. Vom Maestro aus gesehen links spielen die Ersten Geigen, daneben die Zweiten Geigen, die Bratschen und die Violoncelli. Dahinter leicht rechts versetzt stehen die Kontrabässe.

Die Ersten und die Zweiten Geigen unterscheiden sich nicht in ihrer Qualität oder ihren technischen Spielfertigkeiten, sondern in der Tonlage. Beide Gruppen sind spezialisiert: Die Ersten Geigen spielen höher als die Zweiten Geigen. Hinter den Streichern sitzen Holzbläser, Flöte, Klarinette, Oboe und Fagott und dahinter Blechbläser Trompete, Posaune, Tuba und Hörner. Das Ensemble runden die Schlaginstrumente ab, vor allem die Pauken.

Diese Anordnung der Instrumente hat sich durchgesetzt, da jede Stimme zur Geltung kommt und das Orchester im Ganzen einen optimalen Klang entfaltet.

Das Gürzenich-Orchester in Köln.

Die heutige Orchesterordnung existiert seit dem 19. Jahrhundert

Aufgaben und Klischees

Die Ersten Violinen berufen den Konzertmeister eines Orchesters. Dieser Musiker ist die Schaltstelle zwischen Orchester und Dirigent, gerade wenn es um künstlerische Belange geht. Der Konzertmeister leitet vor dem Auftritt das Einstimmen der Instrumente und kann nach Bedarf den Dirigenten bei Proben vertreten.

Vor Konzertbeginn ist es der Konzertmeister, der vom Dirigenten per Handschlag begrüßt wird. Große Orchester leisten sich mehrere Konzertmeister; es sind die Stimmführer der Zweiten Violinen, der Bratschen und der Violoncelli.

Nicht selten werden große Orchester mit Familien verglichen, in denen es immer wieder zu Reibereien kommen kann. Die Musiker halten sich untereinander auch gerne zum Besten und verbreiten so manches Klischee über ihre Orchesterkollegen. So wird dem Kontrabass nachgesagt, dass er nie zu Hause übt, weil sein Instrument zu groß und zu schwer ist, um es zu transportieren. Das Fagott dagegen ist erst gar nicht zu hören.

Die Oboe gilt als besonders sensibel wegen ihrer zarten Finger, die sie braucht, um das Instrument zu spielen; von der Pauke heißt es, sie würde immer nur in der Kantine sitzen. Einig sind sich alle darin, dass man eigentlich keine Proben braucht, weil man sowieso schon alles spielen kann – auch das ist natürlich ein Klischee.

José Maria Blumenschein

Konzertmeister – die Schaltstelle zwischen Orchester und Dirigent

Autorin: Sabine Kaufmann

Stand: 11.06.2018, 11:00

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