Mariendogmen und Frauenbild

Geburt Christi auf einem Glasfenster im Chor des Münsters zu Basel

Maria

Mariendogmen und Frauenbild

Von Sabine Kaufmann

Im Laufe der Jahrhunderte hat die katholische Kirche die Rolle und Bedeutung Marias durch verschiedene Dogmen immer weiter festgeschrieben, was nicht folgenlos blieb. Das gängige von der Kirche propagierte Marienbild hat das Frauenbild nachhaltig beeinflusst.

Jungfrauengeburt

Eines der wichtigsten Mariendogmen, das die katholische Kirche verkündete, ist das der Jungfrauengeburt: Maria war vor, während und nach der Geburt von Jesus eine Jungfrau: die semper virgine. Das Dogma der katholischen Kirche besagt, dass kein Mann der Vater des Jesukindes war, sondern der Heilige Geist.

In den Anfängen des Glaubens ging es dabei um den Gedanken der Geistzeugung. Die Geburt Christi, das Fest von Weihnachten, besagt letztendlich, dass für Gott nichts unmöglich ist. Erst später wurde die Geistzeugung zur Jungfrauengeburt stilisiert. Denn wenn Jesus durch den Heiligen Geist gezeugt wurde, muss Maria entsprechend eine Jungfrau gewesen sein.

Weitere Dogmen

Ein weiteres Mariendogma ist das der unbefleckten Empfängnis, das von Papst Pius IX. 1854 verkündet wurde. Es besagt, dass Maria selbst schon rein und unbefleckt empfangen wurde. Sie ist von der Erbsünde befreit ist, weil sie die Mutter Gottes werden sollte. Maria ist demnach selbst die unbefleckte Empfängnis, "die Immaculata".

Lithografie von Papst Pius IX. geboren am 13. Mai 1792 in Senigallia (Kirchenstaat) als Grafensohn Giovanni Maria Mastai-Ferretti.

Papst Pius IX. (1792 - 1878)

Das Dogma der unbefleckten Empfängnis erhielt durch die Marienerscheinung von Lourdes weiteren Aufwind. 1858 erschien dem Bauernmädchen Bernadette Soubirous mehrfach eine weiß gekleidete Frau. Die von Bernadette beschriebene "schöne weiße Dame“ offenbarte sich ihr als "die unbefleckte Empfängnis".

Das dritte Mariendogma ist das der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel, das mit dem Fest Maria Himmelfahrt am 15. August gefeiert wird. 1950 verkündete Papst Pius XII. das Dogma, dass Maria, die Zeit ihres Lebens ohne Sünde gelebt hat, folglich direkt vom Sterbebett mit ihrem ganzen Körper in den Himmel aufgenommen wurde.

Marienbilder – Frauenbilder

Die Mariendogmen blieben für die Stellung der Frau innerhalb der Kirche nicht folgenlos. Ausgehend von der "Jungfrauengeburt" und dem Dogma der "unbefleckten Empfängnis" wurde Maria mit den Attributen Keuschheit, Demut und Frömmigkeit umschrieben.

Da Maria letztendlich die ideale Frau verkörperte, wurde sie zum Vorbild für jede einzelne Frau. Entsprechend hatte sich jede Frau an Marias Eigenschaften, Keuschheit, Gehorsam und Demut zu orientieren.

Ausgehend von diesen Attributen leitete die katholische Kirche wiederum ab, dass Frauen nicht eigenständig, nicht kritisch und nicht selbstbestimmt zu sein haben. Mit diesem Rollenbild begründet die katholische Kirche bis heute, Frauen von allen kirchlichen Ämtern auszuschließen und weist der Frau allzu gerne die Rolle der dienenden Magd zu.

Weiterführende Infos

Stand: 17.12.2019, 15:10

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