Lissabons Viertel

Mädchen und alter Mann in einer Gasse

Lissabon

Lissabons Viertel

Von Christiane Tovar

Lissabon gehört zu den schönsten Metropolen Europas. Das liegt auch an der Vielfalt der Stadt. Zu den wichtigsten Vierteln gehören die Baixa, die Alfama, Belém und der Chiado. Die Unterstadt Baixa zum Beispiel wurde nach dem Erdbeben von 1755 wieder komplett neu aufgebaut – und das streng geometrisch. Die Alfama gehört zu den ältesten Vierteln. Zwar verfällt sie zusehends, aber nirgends ist Lissabon ursprünglicher. Für Geschichts- und Architekturinteressierte ist besonders Belém spannend. Und der Chiado war früher ein Treffpunkt der Künstler.

Baixa – ein Stadtteil vom Reißbrett

Schaut man sich Lissabon von oben an, fällt ein Viertel direkt ins Auge. Die Baixa, das eigentliche Zentrum, ist der einzige Stadtteil, in dem die Straßen schnurgerade und rechtwinklig verlaufen. Grund ist das große Erdbeben von 1755, bei dem fast die gesamte Unterstadt zerstört wurde.

Für den Wiederaufbau war der damalige Minister Marques de Pombal verantwortlich. Er entschied, dass die Baixa nach streng geometrischen Regeln neu entstehen sollte. Ursprünglich war auch dieses Viertel wie der Rest Lissabons ein Gewirr aus kleinen verwinkelten Gassen.

Der Minister plante nicht nur neue Straßenführungen, sondern auch besondere Hauskonstruktionen. Um sie erdbebensicherer zu machen, bekamen die Bauten ein Holzskelett.

Wer heute durch die Baixa geht, kann über breite Straßen und imposante Plätze flanieren. Sehenswürdigkeiten findet man hier, bis auf wenige Ausnahmen, zwar nicht. Interessant ist aber der Elevador do Carmo. Der Aufzug verbindet Unter- und Oberstadt miteinander und überbrückt einen Höhenunterschied von 32 Metern.

Großer Platz in Lissabon mit vielen Menschen von oben

Große, weitläufige Plätze prägen die Unterstadt

Die Alfama – auf den Spuren der Araber

Direkt an die Baixa grenzt die Alfama, eines der ältesten Viertel Lissabons, das vom Erdbeben weitgehend verschont blieb. Hier kann man in der Altstadt auf den Spuren der Araber wandeln. Sie haben der Alfama vor allem die verwinkelten Gassen hinterlassen. Das Viertel kann zwar keine großartigen Bauwerke vorweisen, dafür erlebt man hier das ursprüngliche Lissabonner Straßenleben.

Was für Touristen nett anzusehen ist, bedeutet für die größtenteils älteren Bewohner allerdings viele Strapazen. Denn der Alltag im Viertel ist alles andere als komfortabel. Viele der kleinen und dunklen Wohnungen müssten dringend saniert werden.

Das ist auch der Grund dafür, warum einige Bewohner die feuchten Häuser gegen moderne Neubauten in den Vororten Lissabons tauschen. In den Hochhausvierteln gibt es Aufzüge statt steiler Treppen und direkt vor der Tür riesige Einkaufszentren.

Die Touristen bekommen von diesem Wandel bislang wenig mit. Sie lassen sich durch die engen Gassen und über die farbenprächtigen Märkte treiben und genießen das Gefühl, dass in der Alfama die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.

Frau mit Koffer in einer Gasse

Die engen und steilen Gassen der Alfama sind nur bei Touristen beliebt

Belém – Touristenattraktion am Tejo-Ufer

Fünf Kilometer westlich der Baixa liegt Belém. Früher ein eigenständiger Ort, gehört Belém mit seinen zahlreichen Baudenkmälern heute zu den wichtigsten Touristenzielen Lissabons. Mit dem Torre de Belém und dem Hieronymuskloster liegen gleich zwei Stätten des Unesco-Weltkulturerbes in dem Stadtteil, der sich am Ufer des Tejo entlangzieht.

Neben den "großen" Attraktionen gibt es jede Menge kleinerer Sehenswürdigkeiten wie Parks, Kapellen und Museen. In Belém, dessen Name sich von Bethlehem ableitet, findet man aber nicht nur Historisches. Auch moderne Kunst ist hier vertreten. Zum Beispiel im "Museu do Design", wo unter anderem Objekte des Designers Philippe Starck ausgestellt werden.

Die Festungsanlage Torre de Belém in der Dämmerung.

Lissabons Wahrzeichen: Torre de Belém

Das Denkmal der Entdeckungen

In Belém steht auch eines der bekanntesten Denkmäler Lissabons. Das "Padrão dos Descobrimentos" (Denkmal der Entdeckungen) wurde 1960 am Ufer des Tejo errichtet. Es zeigt einen Schiffsbug, an dessen Spitze Heinrich der Seefahrer steht. Hinter ihm sind weitere Persönlichkeiten dargestellt, darunter auch Vasco da Gama.

Mit der Skulptur wollte der Diktator António de Oliveira Salazar an das "Goldene Zeitalter" Portugals erinnern. In Belém gibt es außerdem noch ein außergewöhnliches Museum. Im "Museu Nacional dos Coches" sind zahlreiche Kutschen ausgestellt. Die prachtvollen Gefährte sind zum Teil mehrere Hundert Jahre alt.

Denkmal "Padrão dos Descobrimentos"

Das Padrão dos Descobrimentos am Ufer des Tejo

Chiado – Künstlertreff und Einkaufsmeile

Seinen Ruf als Künstlerviertel verdiente sich der Chiado in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Damals trafen sich unter anderem Maler und Literaten in den zahlreichen Cafés und Kneipen. Bekannt wurde das Viertel durch einen Brand im August 1988, bei dem unter anderem zwei traditionsreiche Kaufhäuser zerstört wurden.

Nach dem Wiederaufbau hat das Viertel zwar an Charme eingebüßt, aber es gehört noch immer zu den elegantesten Einkaufsquartieren der Stadt. Besonders exklusiv geht es an der Rua Garrett zu. An der Modemeile reiht sich eine Boutique an die nächste.

Einen Wandel hat auch das alte Lissabonner Hafengelände durchgemacht. Dort entstand mit der "Expo" im Jahr 1998 ein komplett neuer Stadtteil. Zentrum des Viertels ist der Park der Nationen. Dort stehen noch heute Pavillons der ehemaligen Weltausstellung, in denen Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden.

Zu den Hauptattraktionen gehören das Oceanário, ein riesiges Aquarium, und die Teleférico Lisboa, eine Seilbahn, die parallel zum Tejo läuft.

Mit Lampions geschmückte Altstadtgasse

Die Altstadt des Chiado zur Weihnachtszeit

Stand: 22.05.2019, 16:28

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