Festas – Lebensart auf Malta

Osterprozession durch Valletta

Malta

Festas – Lebensart auf Malta

Von Kerstin Eva Zeter

Etwa 90 Prozent der Bevölkerung auf Malta ist katholisch. Das Leben auf den Inseln ist deshalb entscheidend vom Kirchenkalender geprägt. Zu Ehren der Schutzheiligen der Dörfer und Städte werden Feste veranstaltet, für die Malta berühmt ist.

Ein Grund zum Feiern findet sich immer

Als im Jahr 60 nach Christus der Apostel Paulus als Gefangener auf dem Weg nach Rom vor Malta Schiffbruch erlitt, nutzte er die Gelegenheit, die Bewohner der Insel zu bekehren. So kommt es, dass die Malteser zu den ältesten Christen der Welt gehören. Auch der Johanniterorden, einer der großen Verteidiger des Christentums, ist seit 1530 auf den Inseln beheimatet.

Geselligkeit hat einen hohen Stellenwert für die Malteser. Die maltesischen Feste sind – weil religiös geprägt – eine Mischung aus Andacht und Vergnügen. Der erfolgreiche Widerstand gegen die Belagerung der Türken wird ebenso festlich begangen wie die Namenstage der Schutzpatrone. Jedes Dorf hat seinen eigenen, der ausgiebig geehrt wird.

Diese Dorffeste werden "Festas" genannt und sind das Hauptereignis im Kalender eines jeden Ortes. In den Sommermonaten vergeht kein Wochenende, an dem nicht eine Festa veranstaltet wird.

Damit nicht zu viel gefeiert wird, achtet der Gemeindepriester auf die richtige Mischung von Religiosität und Ausgelassenheit. Er hat das Recht, den Termin aus dem Kalender zu streichen, wenn der Frohsinn zu stark und die Andacht zu wenig vertreten ist. Vor allem das zu jeder Festa gehörende Feuerwerk stört einige Priester.

Menschen ziehen in einer Prozession mit einer Heiligenfigur durch eine Straße

Der oder die Heilige soll im Mittelpunkt der Festa stehen

Die Dörfer putzen sich raus

Ein ehrenamtliches Festkomitee bereitet die Festa monatelang vor. Wenn es soweit ist, zieren Hunderte von Lampen die Außenfassaden der Kirchen. Luftballons und Girlanden schmücken die Straßen und die Einwohner dekorieren ihre Häuser. Hinzu kommen eindrucksvolle Heiligenstatuen und Fahnen. So wird aus manch alltäglicher Straße für die Festa eine prachtvolle Promenade.

Für das leibliche Wohl sorgen zahlreiche Buden und Stände, die maltesische Köstlichkeiten anbieten. Die traditionelle maltesische Nougatpaste Qubbajt wird Passanten oft in kleinen Stücken zum Probieren angeboten.

Meist beginnen die Festlichkeiten zu Ehren eines Schutzheiligen bereits mittwochs. Durchaus üblich ist es auch, dass man sich nicht mit einem Schutzpatron zufrieden gibt, denn für jeden wird ja ein eigenes Fest organisiert. Wie die Briten sind die Malteser wahre Wettkönige und lieben es, gegeneinander zu konkurrieren. Jede Gelegenheit, die sich findet, wird genutzt, um eine kleine Wette abzuschließen. Besonders eine Festa bietet dafür viele Gelegenheiten.

Im freundschaftlichen Wettstreit messen sich Blaskapellen miteinander. Zu jeder echten Festa gehört nämlich Live-Musik. Diesem weiteren Erbe der britischen Vergangenheit haben sich zahlreiche "Band Clubs" mit eigenen Vereinsfarben verschrieben, mit denen sie auch die Stadt schmücken. Ihren großen Auftritt haben sie am Samstag. Dann ziehen sie begleitet von Böllerschüssen durch die Straßen und geben am Abend ein Platzkonzert.

Die Böllerschüsse und das oft schon mittags beginnende und bis in die Nacht andauernde Feuerwerk werden in der Regel selbst hergestellt. Viele "Band Clubs" haben ihre eigene Feuerwerk-Fabrik, etwa 40 Clubs versorgen sich so mit allem, was zu einer ordentlichen Festa gehört.

Blaskapelle zieht während eines Festes durch die Straßen

Die Band Clubs eifern um die Wette

Am Sonntag – dem eigentlichen Festtag – wird zu Ehren des Schutzpatrons eine heilige Messe veranstaltet. Anschließend wird in einer Prozession eine Statue des Gefeierten durch die Straßen getragen. Die Menschen am Wegesrand lassen oft so viele Papierschnipsel und Konfetti auf den Zug regnen, dass am Ende die Straßen davon bedeckt sind.

Mit den Festas durch das Kalenderjahr

Welche Festa die schönste, größte oder eindrucksvollste ist, ist schwer zu entscheiden. Deshalb sollte man, wenn die Zeit reicht, mehrere besuchen, denn jede hat ihren eigenen Charme.

Am zweiten Aprilwochenende findet beispielsweise die Festa von Floriana statt. Mit ihr wird der heilige Piblius geehrt. Die Holzskulptur des Heiligen, die am Sonntag von zwölf Männern durch die Straße getragen wird, wiegt mehr als eine Tonne.

Auf der Insel Gozo finden die Festas von Victoria und Lija statt. Sie sollen die größten des Archipels sein. Das Mnarja-Fest wird am 28. und 29. Juni zu Ehren von St. Peter und St. Paul ausgerichtet und ist eines der ältesten Feste der Inseln. Die Malteser treffen sich in den Parkanlagen der Buskett Gardens um zu feiern. Man sagt, jede Familie Maltas sei an diesem Tag vertreten. Besonders beliebt sind die Wettrennen junger Männer auf ungesattelten Eseln und Pferden.

Eines der farbenprächtigsten Volksfeste ist der maltesische Karneval in der Hauptstadt Valetta. Auftakt ist der Parata, ein traditioneller Schwerttanz der Kinder. Er soll die große osmanische Belagerung im Jahr 1565 symbolisieren, der die Malteser erfolgreich widerstanden. Später finden Tanzwettbewerbe in historischen Kostümen statt. Zusätzlich veranstalten viele Hotels Maskenbälle.

Üppig kostümierte Frau beim Karneval auf Malta

Der Karneval in La Valletta wird farbenfroh gefeiert

Stand: 03.04.2019, 16:29

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