Andalusien

Ein Pferd steht einsam im Flachwasser. Im Hintergrund herbstlich gefärbte Bäume.

Südeuropa

Andalusien

Andalusien ist voller Überraschungen: Im Süden Spaniens wechseln sich Sümpfe, Wanderdünen, Mittelgebirge, Vulkanlandschaft, schneebedecktes Hochgebirge und extrem trockene Halbwüste ab. Kaum eine Gegend Europas besitzt so viele unterschiedliche klimatische Regionen. Die Vegetation hat sich darauf eingestellt: Sie ist ein bisschen europäisch und ein bisschen afrikanisch.

Feuchte Winde, Weideland und Kork

Der Atlantik treibt vom Westen feuchte Winde nach Andalusien. Sie ziehen durch das breite Flusstal des Guadalquivir bis in die Sierra Morena, Andalusiens nördliches Mittelgebirge. Ideale Voraussetzungen für das typisch milde Mittelmeerklima: Im Sommer ist es trocken und heiß, im Winter mild und regenreich.

Die bis zu 1000 Meter hohe Sierra Morena wurde jahrhundertelang vorwiegend als Weideland für Rinder, Schafe und Schweine genutzt. Da diese Tiere nur niedrige Gewächse fressen, blieben die Bäume unbeschadet. In lockeren Abständen findet man hier vorwiegend Steineichen. In mittleren Höhenlagen der Sierra Morena trifft man auf Olivenhaine und Weideland, in höheren Gebirgslagen und an der Küste auf Pinien und Kiefern.

Oberhalb von etwa 400 Metern, in Regionen mit ausreichender Luftfeuchtigkeit, gedeihen auch Korkeichen. Wenn nach etwa neun Jahren der Kork am Stamm mindestens sieben Zentimeter dick ist, wird er gelöst und in Platten verkauft. Danach wächst der Kork an den Bäumen wieder nach.

Viel Feuchtigkeit braucht auch die spanische Igeltanne. Sie wächst daher nur in den Ausläufern des Guadalquivir-Beckens. Unter ihr gedeihen Pfingstrosen und Orchideen wie die andalusische Spiegel-Ragwurz und die Gelbe Ragwurz.

Blaue Orchideenblüte mit gelbem Rand.

Andalusische Spiegel-Ragwurz (Orchideenart)

Wasserspeicher Sierra Nevada

Feuchte Atlantikwinde treffen auch weiter südlich auf die Gebirgskette der Betischen Kordillere mit den schneebedeckten Kuppen der Sierra Nevada. Vom alpinen Hochgebirge gebremst, bilden sich aus der feuchten Luft Wolken, steigen auf und regnen vor der Sierra Nevada ab.

Hier ist die niederschlagreichste Gegend Spaniens. Oben auf den Dreitausendern der Sierra Nevada liegt von November bis Mai Schnee. Das Schmelzwasser reicht aus, um die Städte Granada und Almeria mit Trinkwasser zu versorgen und die Gewächskulturen im Umland zu bewässern.

Hinter der Sierra Nevada wird es zunehmend trockener. Nicht weit von der Stadt Almeria entfernt, liegt die Halbwüste Tabernas mit den niedrigsten Niederschlägen und den meisten Sonnenstunden Spaniens. Hier leben in der Luft Rötelfalken, Habichte, Wander- und Zwergadler und auf heißem Boden Echsen, Schlangen und Skorpione.

Karge Berglandschaft mit stellenweise trockenen Grasbüscheln

Wüstenlandschaft in Andalusien

Naturschutzgebiete – weil Könige jagen wollten

Eine unberührte Natur gibt es in Andalusien nicht mehr, aber viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Könige und Adlige besaßen noch bis ins vergangene Jahrhundert hinein riesige Jagdgebiete, die nie durch eine landwirtschaftliche Nutzung zerstört wurden.

Mit dem Niedergang des Feudalismus gingen viele Jagdherren, die Tiere und Pflanzen aber blieben. Aus vielen dieser ehemaligen Jagdgebiete entstanden geschützte Flächen, Naturparks und Nationalparks.

Nirgendwo in Spanien gibt es so viele Naturschutzgebiete wie in Andalusien. Bis 2016 zählte man zwei Nationalparks, mehr als 20 Naturparks und rund 60 kleine Naturreservate und -landschaften.

Eine Landschaft im Mündungsgebiet des Guadalquivirs wurde 1969 als Erste zum Nationalpark erklärt: Coto de Doñana, benannt nach Doña Ana, der Frau des Herzogs von Medina Sidonia, der im 17. Jahrhundert hier sein Jagdrevier hatte.

Inzwischen wurde das Gebiet auf 507 Quadratkilometer erweitert, das ist etwas weniger als die Größe des Bodensees. Der Küstenstreifen ist feuchtes Marschland. Dahinter liegen Dünen und ein sandiges trockenes Heideland. Seit 1994 gehört der Nationalpark Coto de Doñana zum Unesco-Weltnaturerbe.

1999 erklärte man ein weiteres Gebiet zum Nationalpark: die Sierra Nevada, zu Deutsch "Schneebedecktes Gebirge". Sie ist das südlichste Hochgebirge Europas mit einer Durchschnittshöhe von 2000 Metern. 15 Gipfel dieses Gebirgsstocks sind über 3000 Meter hoch.

Steinadler und Gänsegeier sind die Herren der Lüfte. Bergziegen, Dachse und Wildkatzen leben hier sowie über 2000 verschiedene Pflanzen. In der Abgeschiedenheit der Berggipfel gedeihen an Felsvorsprüngen und in Felsrissen rund 60 Blumen, die nirgendwo anders auf der Welt zu finden sind.

Schneebedeckte Gipfel, im Vordergrund Zypressen.

Das höchste Gebirge Spaniens

Schutz den Räubern

Die "Vegetarier" unter den Tieren, wie zum Beispiel das Mufflon, finden in Andalusien reichlich Nahrung. Dieses Wildschaf weidet im Nordosten. Hirsche und Wildschweine sind im Mittelgebirge der Sierra Morena zu Hause, der Iberische Steinbock in den Höhen der Betischen Kordillere.

Anders ergeht es den Raubtieren wie zum Beispiel dem andalusischen Pardel-Luchs. Er ist etwa doppelt so groß wie eine Hauskatze und seine Lieblingsspeise sind Wildkaninchen. Als eine Lungenseuche in den vergangenen Jahrzehnten die Zahl der Kaninchen drastisch senkte, fand der Pardel-Luchs keine Nahrung mehr. Seitdem gilt er als sehr bedroht.

Mit ihm leben in Andalusien Wild- und Ginsterkatzen, Steinmarder, Füchse und Wölfe. Auch der "Kaiser von Andalusien", der Iberische Kaiseradler, sucht hier seine Beute, ebenso der Habichts-, der Schlangen- und der Fischadler.

Der Luchs hat ein braun geflecktes Leopardenmuster, liegt im trockenen Gras und schaut in die Kamera.

Andalusischer Pardel-Luchs

Geier und andere Vögel

Probleme mit den Verordnungen der Europäischen Union haben Andalusiens Geier. Seit 2002 ist vorgeschrieben, dass verendete Weidetiere zur BSE-Bekämpfung umgehend entfernt werden müssen.

Erwiesen ist allerdings: Geier können nicht an BSE (Bovine spongiforme Enzephalopathie, "Rinderwahn") erkranken. Um zu verhindern, dass sich die Aasfresser aus der Not heraus junge Lämmer holen, hat man für sie Futterplätze eingerichtet, "Geierrestaurants".

Neuanpflanzungen von Steineichen kommen Andalusiens größtem Geier zugute, dem Mönchsgeier. Der Baumbewohner bevorzugt diese einheimischen Bäume zum Nisten. Der Gänsegeier lebt in Kolonien in steilen Felswänden im Nordosten Andalusiens, in der Sierra de Grazalema.

Das reinste Vogelparadies ist das Feuchtgebiet im Nationalpark Coto de Doñana. Hier nisten und brüten schier unzählige Vögel. Darunter ist auch ein Hühnchen, das zur Familie der Kraniche gehört, das sogenannte Spanische Laufhühnchen.

Eine weite Graslandschaft mit Wassertümpeln, an denen eine Kolonie von Kranichen steht. Am Horizont eine hügelige Landschaft.

Kraniche im Feuchtgebiet

Autorin: Bärbel Heidenreich

Stand: 31.03.2017, 15:00

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