Vom Meer zur Wüste – Die Entstehung Andalusiens

Meer und Sandstrand in Andalusien

Andalusien

Vom Meer zur Wüste – Die Entstehung Andalusiens

Von Bärbel Heidenreich

In Andalusien leben Tiere und Pflanzen, die es anderswo nicht gibt. Den Grund dafür liefert die Erdgeschichte. Im Erdaltertum war Andalusien noch mit Afrika vereint. Die spätere Trennung der Kontinente hatte gewaltige Auswirkungen. Kalt- und Warmzeiten wechselten sich ab. Andalusische Tiere und Pflanzen, die den Wandel überlebt haben, sind dort einzigartig.

Wie ein Gebirge aus dem Meer stieg

Die nördliche Grenze Andalusiens bildet ein 400 Kilometer langes und etwa 900 Meter hohes Mittelgebirge, die Sierra Morena. Erdgeschichtlich ist sie das älteste Gebiet Andalusiens.

Im Erdaltertum (Paläozoikum) vor rund 420 Millionen Jahren war dort noch ein Meer. Die Erdkruste war in Bewegung, sie hob und senkte sich. Die Ablagerungen am Grund des Meeres bildeten gewaltige Sedimentschichten. Durch Bewegung und Druck der Erdkruste entstand aus diesen Schichten Schiefer, Gneis und Quarzit.

Flüssige Gesteinsschmelze (Magma) drang aus dem Erdinneren nach oben und erstarrte zu Granit. Ein Gebirge bildete sich und erhob sich vor rund 300 Millionen Jahren aus dem Meer.

In Gesteinsgängen sonderten sich dabei Erze ab: Eisen, Blei, Gold und Silber. Schon in der Antike wusste man, dass die Sierra Morena reich an Bodenschätzen ist.

Die Falten der Sierra Nevada

Zu Beginn des Erdmittelalters (Mesozoikum), vor rund 200 Millionen Jahren, trennte sich, was zuvor vereint war: Europa und Afrika drifteten auseinander. Das Tethys-Meer entstand, ein Vorläufer des Mittelmeers, das aber fünf Mal so groß war wie das heutige Mittelmeer.

Dort lagerten sich im gesamten Erdmittelalter riesige Sedimentschichten ab, bis es in der Erdneuzeit (Känozoikum), 150 Millionen Jahre später, wieder zu Umbrüchen kam. Die Kontinentalplatten Europas und Afrikas kamen jetzt aufeinander zu und das Tethys-Meer wurde immer schmaler.

Dadurch schoben sich die inzwischen 2000 Meter dicken Sedimentschichten zu einem Faltengebirge zusammen. Auf diese Weise entstand in Andalusien ein 600 Kilometer langer Gebirgszug, die Betische Kordillere mit der Sierra Nevada.

Durch die gewaltige Bewegung erhoben sich in Europa und Asien weitere Faltengebirge wie der Himalaja, der Kaukasus, der Apennin, die Alpen und die Karpaten.

Ursprünglich war die Betische Kordillere mit dem marokkanischen Rif-Gebirge verbunden, da es die Straße von Gibraltar, die Meerenge zwischen Mittelmeer und Atlantik, noch nicht gab.

20 Millionen Jahre lang hob und faltete sich das Gebiet in Andalusien, bis sich vor fünf Millionen Jahren ein Teil wieder senkte. Da erst entstand im Süden Andalusiens die Straße von Gibraltar.

Schneebedeckte Gipfel, im Vordergrund Zypressen.

Gebirgszug der Sierra Nevada

Wie der Meeresarm zur Senke wurde

Zwischen der Sierra Morena und der Betischen Kordillere hatte sich eine Senke gebildet, die über Jahrmillionen hinweg ein Meeresarm war.

Bevor sich die Straße von Gibraltar bildete, war dieser Meeresarm die einzige Verbindung zwischen Mittelmeer und Atlantik. Hier lagerten sich vor allem verwitterte Gesteinsreste aus den Bergen ab. Dann hoben gewaltige Erdbeben das Gebiet über den Meeresspiegel.

Der Meeresarm verschwand und die Senke zwischen den beiden Gebirgszügen wurde zum Flussbett des Guadalquivirs, zum sogenannten Guadalquivir-Becken.

In den vergangenen 2000 Jahren hat der Fluss an seinem Delta riesige Mengen Sediment abgelagert. Was das Meer an Sand zurückspülte, bildete bis zu 40 Meter hohe Wanderdünen. Sie trennen noch heute das Feuchtgebiet vom Meer.

Flache, sandige Landschaft mit stellenweise kurzem Bewuchs.

Feuchtgebiet im Guadalquivir-Becken

Überlebenskünstler mit Migrationshintergrund

Zu Beginn der Erdneuzeit, vor 65 Millionen Jahren, herrschte in Europa noch ein subtropisches Klima mit immergrünen Regenwäldern.

Vor 40 Millionen Jahren passten sich etliche Pflanzen dann dem zunehmend trockenen Klima an. Die tropischen Arten verschwanden. Die Saurier starben aus. Pflanzen aus dem Norden wanderten ein und vor fünf Millionen Jahren auch die ersten afrikanischen Pflanzen.

Die Zeit danach brachte einen Klimawechsel nach dem anderen: Auf Eiszeiten folgten Wärmezeiten und dann wieder Eiszeiten. Nur manche Arten überlebten.

Außerdem entwickelten sich in Andalusien unterschiedliche klimatische Regionen. In ihnen überlebten wiederum nur bestimmte Tiere und Pflanzen wie auf Inseln. Manche dieser Arten gibt es bis heute nur dort.

Einige solcher sogenannten Endemiten leben in der Sierra Nevada wie zum Beispiel die Sierra-Nevada-Kamille. Das Cazorla-Veilchen überlebte im Nordosten Andalusiens in der Sierras de Cazorla, wo der Guadalquivir entspringt. Auch die Valverde-Eidechse und die kleinste Narzisse der Welt wachsen hier.

Mit dem Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren entstanden sommergrüne Laubwälder. Dann kamen die immergrünen Mittelmeerpflanzen wie die Stein- und die Korkeiche dazu.

Später war es der Mensch, der die Pflanzen- und Tierwelt beeinflusste. Er rottete ursprüngliche Pflanzen aus und ersetzte sie durch Nutzpflanzen.

Anstelle der Kork- und Steineichen pflanzte er australisch-tasmanische Eukalyptusbäume, deren rasch wachsende Stämme schneller zu vermarkten waren. Große Gebiete wurden mit Olivenbäumen bepflanzt. Mexikanische Agaven und Kakteen aus Jamaika erscheinen heute als typisch mediterran.

Olivenbäume in Andalusien

Olivenbäume ersetzten ursprüngliche Baumarten

Wüste ersetzt Wald

Der römische Geschichtsschreiber und Geograf Strabon berichtet vor 2000 Jahren, dass ein Eichhörnchen die Baumwipfel nicht verlassen müsse, wenn es die Iberische Halbinsel von den Pyrenäen bis nach Gibraltar durchqueren wollte.

Von dem Waldland dieser Zeit ist nicht viel übrig geblieben. Als die Phönizier die Eisen-, Blei- und Kupfererze in der Sierra Morena entdeckt hatten, benötigten sie Brennholz zur Verhüttung. Sie schlugen große Waldflächen kahl.

Als im 8. Jahrhundert muslimische Truppen aus Nordafrika eindrangen, versteckten sie sich in den Wäldern. Daraufhin vernichteten die Christen Andalusiens große Baumbestände, um den Eindringlingen den Unterschlupf zu nehmen.

Im 16. Jahrhundert wurden zum Bau der "unbesiegbaren" spanischen Flotte, der Armada, große Mengen Holz benötigt. Eine weitere Vernichtung von Waldflächen zog die großflächige Kultivierung mit Oliven, Getreide und Weideland nach sich. Große Teile der heutigen Wüste von Tabernas im Südosten Andalusiens waren vor rund 150 Jahren noch Wald.

Pinienwald und sumpfige Landschaft

Pinienwald im Südwesten Andalusiens

Die Wüste wächst

Spanien ist das einzige Land Europas, in dem sich Wüsten bilden. Verantwortlich dafür ist der Mensch. So wurde zum Beispiel die Pflanzung von Eukalyptusbäumen in den 1990er Jahren von der Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization) gefördert.

Das schnell wachsende Holz sollte Andalusiens Wirtschaft zugute kommen. Zu spät erkannte man, dass sich diese Bäume viel leichter entzünden als einheimische Pinien und Steineichen. Brände vernichteten große Flächen der andalusischen Landschaft.

Um zu verhindern, dass aus Wäldern dürre Strauchlandschaften entstehen, änderte das spanische Umweltministerium seine Politik. Es ließ nur noch einheimische Bäume pflanzen.

Pinien und Steineichen waren dabei wirtschaftlich nicht so interessant wie Olivenbäume. Diese wiederum passten zwar gut in die Landschaft, aber nicht zur europäischen Agrarpolitik. Sie wurden abgeholzt, weil Spanien zu viel Olivenöl produzierte. Stattdessen wurden Tomaten und Erdbeeren für den europäischen Markt angebaut.

Während die Oliven auch trockene Böden gut vertragen und die Bodenerosion eindämmen, müssen Obst und Gemüse künstlich bewässert werden. Wasser ist in Andalusien knapp, Dürreperioden vernichten ganze Ernten. Werden zur Abhilfe Nachbarregionen angezapft, verschieben sich Wasserknappheit und damit wachsende Trockenregionen.

Karge Berglandschaft mit stellenweise trockenen Grasbüscheln

Wüstenlandschaft bei Tabernas

Stand: 21.05.2019, 16:50

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