Lachse im Rhein

Drei etwa zehn Zentimeter lange Junglachse aus irischen Eiern in einem Aquarium.

Der Rhein

Lachse im Rhein

Lange gab es keine Lachse im Rhein: Überfischung, das hohe Industrieaufkommen der Nachkriegszeit und ein gravierender Chemieunfall 1986 bei Basel in der Schweiz hatten die Fischart komplett ausgerottet. In den 1990er-Jahren kamen die ersten Lachse zwar zurück – ganz angekommen sind sie aber immer noch nicht.

Darum geht's:

  • Der ursprüngliche Rheinlachs ist komplett ausgestorben.
  • Ausgesetzte Exemplare sollen die Lachse wieder ansiedeln.
  • Noch schaffen es die Lachse nicht, sich natürlich fortzupflanzen.
  • Schleusen und Staudämme sind Hindernisse bei den Wanderungen.
  • Mithilfe von Fischpässen sollen sie die Hindernisse überwinden.
  • Illegale Fischerei macht den Beständen zu schaffen.

Der Lachs ist tot, es lebe der Lachs

Der ursprüngliche Rheinlachs ist komplett ausgestorben. Die Lachse, die heute im Rhein schwimmen, sind von unterschiedlicher Herkunft, zum Beispiel aus Schweden oder Frankreich. Seit 1990 konnten über 7000 Lachse im Rhein nachgewiesen werden, 2013 waren es lediglich rund 300 neue Lachse.

Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) will mit dem Programm Lachs 2020 die Lachspopulation vergrößern und die Lebensbedingungen so verbessern, dass sich die Lachse natürlich fortpflanzen können – denn das ist bislang ein Problem.

Lebensräume verbessern

"Die Lachse brauchen sauerstoffreiche Kiesbetten zum Laichen", sagt Nathalie Plum von der IKSR. Aufstauungen seien da hinderlich. Denn: "Wenn das Wasser nicht fließt, setzen sich Sedimente im Kies ab und er 'verschlämmt'. Das heißt, dass dort dann zu wenig Sauerstoff vorhanden ist und die Lachs-Eier und schlüpfenden Junglachse nicht gedeihen können", erklärt Plum.

Ein weiteres Ziel des Projekts Lachs 2020 ist die natürliche Fortpflanzung der Lachse. "Inzwischen sind es schon einige hundert Lachse, die jedes Jahr vom Meer kommend rheinaufwärts wandern, um in den für sie erreichbaren Nebenflüssen zu laichen und danach zu sterben", so Bernd Mockenhaupt vom Bundesamt für Gewässerkunde.

Bis 2014 war trotzdem immer noch Hilfe von außen durch sogenannte "Besatzmaßnahmen" notwendig. Dabei werden Eier von importierten Arten und mittlerweile auch von den Rückkehrern aus dem Meer zu Jungfischen gezüchtet und ausgesetzt. Es pflanzen sich zwar immer mehr Lachse natürlich fort – doch viele Lachse haben Probleme damit, ihre Laichgebiete zu erreichen.

Die Lachse wachsen in Nebenflüssen des Rheins auf wie der Wupper oder dem Saynbach. Bis an den Oberrhein sind die Laichgebiete der Lachse verteilt. Den Wasserfall bei Schaffhausen am Oberrhein können sie bisher rheinaufwärts nicht überqueren, deshalb sind im Alpen- und Hochrhein keine Laichgebiete bekannt.

Nach ein bis zwei Jahren begeben sie sich auf Wanderschaft Richtung Nordsee, wo sie etwa zwei bis drei Jahre bleiben. Dann schwimmen sie zum Laichen und Sterben wieder in die Gebiete, in denen sie aufgewachsen sind – doch die Reise ist gefährlich.

Graphik, die den Lebens- beziehungsweise Laichzyklus der Lachse darstellt. Der Lachs wächst im Süßwasser auf, wandert anschließend Richtung Meer und kommt nach ein bis drei Jahren wieder zurück in das Süßwassergebiet, um zu laichen und anschließend zu sterben.

Der Lebenszyklus der Lachse

Gefahren beim Wandern

Die Gefahren beginnen schon im Mündungsgebiet des Rheins in die Nordsee an den Haringvliet-Schleusen. Sind diese vom Meer aus geschlossen, erreichen die Lachse das Süßwasser nicht.

Bis 2018 sollen die Schleusen nach einer Resolution des Deutschen Naturschutzrings, dem Dachverband deutscher Naturschutzverbände, aber für Lachse geöffnet werden. Die einzige Ausweichmöglichkeit für die Wanderfische ist bisher der Hafen von Rotterdam, in dem viele Schiffe unterwegs sind, die die Lachse verletzen können.

Haben sie den Hafen überlebt, müssen die Lachse Staudämme überqueren. Viele verletzen sich oder ermüden und schaffen es nicht zurück bis in die Laichgebiete. Deshalb werden Fischpässe errichtet, die den Fischen eine Möglichkeit bieten, Stauwehre zu überwinden. Das können zum Beispiel rohrartige Durchgänge oder Schlitze in den Bauwerken sein.

Insgesamt hat die IKSR von 2001 bis 2014 sechs neue Fischpässe durchsetzen können, unter anderem in Iffezheim und Gambsheim errichtet.

Fischpass bei Iffezheim aus der Vogelperspektive.

Der Fischpass bei Iffezheim wurde im Jahr 2000 eingeweiht

Illegale Fischerei

Neben der mangelnden Durchgängigkeit des Flusses sind die Rheinlachse auch durch illegale Fischerei bedroht. "Der Lachs ist in Deutschland zwar eine geschützte Art – aber nicht alle Angler halten sich daran", sagt Nathalie Plum. "Es ist schwer, die illegale Fischerei zu kontrollieren. Denn die Fischfanggeräte sind die gleichen wie die, mit denen auch andere, nicht geschützte Fischarten wie der Zander geangelt werden".

Sie fordert Schongebiete in den Mündungsbereichen, in denen das Fischen komplett verboten ist.

Autorin: Ildiko Holderer

Stand: 01.08.2017, 14:28

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