Mast und Tierversuche

weiße Kaninchen in Käfighaltung

Hasen und Kaninchen

Mast und Tierversuche

Von Almut Röhrl

In Deutschland werden jährlich laut Welternährungsorganisation 41.000 Tonnen Kaninchenfleisch verzehrt, das entspricht 0,6 Kilo pro Kopf oder etwa 25 Millionen Kaninchen jährlich.

Die industrielle Produktion von Kaninchenfleisch

Rund 40 Prozent der Mastkaninchen stammen vermutlich aus industrieller Produktion. Kaninchenmast bedeutet mancherorts Massentierhaltung, leider immer wieder verbunden mit regelrechter Tierquälerei. In Deutschland gelten seit 2014 gesetzliche Mindestanforderungen, die in der Tierschutz-Nutztierverordnung aufgeführt sind. Bis dahin fristeten Mastkaninchen auch hierzulande ihr Dasein in viel zu engen Käfigen, mit 30 auf 40 Zentimeter gerade mal so groß wie ein DIN A4-Blatt, Krankheitenund Verhaltensstörungen unbehandelte Entzündungen und Durchfall aufgrund des Mastfutters plagten die Tiere. Fehlgeburten waren die Regel. Überbelegung der Käfige, vernachlässigte Hygiene, Schlachtung vor dem Mindestalter, weder Stroh noch ein Häuschen, kein Auslauf oder Aufrichten – so sah es bis 2014 aus.

Die neuen Gesetze sollen eine verhaltensgerechtere Unterbringung und Pflege für die Tiere ermöglichen. Unter „Besondere Anforderungen an Haltungseinrichtungen für Mastkaninchen“ sind die neuen Haltungsvoraussetzungen aufgeführt. Beispielsweise sind großzügigere Mindestflächen, hygienische Mindestanforderungen, uneingeschränkter Zugang zu Futter und Trinkwasser und eine bessere Überwachung der Gesundheit der Tiere vorgeschrieben. Für die Betreiber eines bereits vor der neuen Verordnung bestehenden Mastbetriebes gilt eine bis zu zehnjährige Übergangsfrist. Die Investition in neue Ställe ist teuer und das schlägt sich letztendlich auf den Preis nieder. Mit ein paar Euro mehr für das Kilo Fleisch können Verbraucher die tierwohlgerechtere Haltung unterstützen.

Kaninchen auf einer Farm in engen Käfigen

Die Käfige in der Mast sind zu klein und eng

Die Tiere plagen unbehandelte Entzündungen und Durchfall aufgrund des Mastfutters, Fehlgeburten sind die Regel. Überbelegung der Käfige, vernachlässigte Hygiene, Schlachtung vor dem Mindestalter, weder Stroh noch ein Häuschen, kein Auslauf oder Aufrichten – es fehlt an den natürlichen Lebensbedingungen.

Generell gilt aber weiterhin: Die industrielle Produktion von Kaninchenfleisch möchte möglichst hohe wirtschaftliche Erträge, die mit natürlichen Lebensgrundlagen der Kaninchen schwer in Einklang zu bringen sind. Viele dieser Tiere enden auch in Tierfutter. Als Verbraucher hat man, wie auch bei anderen Fleischarten, die Möglichkeit beim Erzeuger direkt zu kaufen beziehungsweise sich nach der Herkunft und Haltung zu erkundigen und somit die Massentierhaltung nicht zu unterstützen.

Versuchskaninchen

Ein weiteres dunkles Kapitel der Kaninchenhaltung sind die Tierversuche. Was für die einen notwendiges Übel ist, bedeutet für die anderen pure Tierquälerei. Die kleinen Tiere werden gerne als Versuchskaninchen eingesetzt, denn sie sind leicht zu handhaben, vermehren sich schnell und sind gutmütig. Im Jahr 2013 starben laut Bundesversuchstierstatistik etwa 95.000 Kaninchen allein in Deutschland in Versuchslaboren.

Schwarzweiß-Foto: Kaninchen im Labor

Für die Forschung missbraucht – Kaninchen im Versuchslabor

Alternativen zum Tierversuch

Über die neuesten Entwicklungen zum Thema "Tierversuche" kann man sich bei der Bundesinstitution "ZEBET" (Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch) erkundigen, die sich unter anderem mit Alternativen zum Tierversuch befasst und sich dafür einsetzt, die Zahl der Versuchstiere auf ein unerlässliches Maß zu reduzieren.

Nach dem deutschen Tierschutzgesetz sind Tierversuche nur erlaubt, wenn keine alternativen Methoden genutzt werden können. Alternativmethoden sind zum Beispiel so genannte "in vitro" Experimente mit permanenten Zellkulturen. Allerdings haben die Zellen solcher Kulturen häufig ihre ursprünglichen Eigenschaften verloren und dabeispielsweise auch Abbauprodukte von Medikamenten unter Umständen verheerende Wirkungen haben können, die bei der Forschung an Zellkulturen nicht zutage treten würden, können sie Tierversuche nicht ersetzen stellen aber eine wichtige Ergänzung dar. Auch bildgebende Verfahren und Computersimulationen kommen inzwischen mehr und mehr zum Einsatz.

Alternativmethoden zu Tierversuchen können jedoch nur Teilaspekte der komplexen Stoffwechselvorgänge in einen lebenden Organismus abbilden oder simulieren. Aus ethischen aber auch aus Kostengründen wird aber weiterhin an alternativen Methoden zu Tierversuchen geforscht und ihr Einsatz in der Grundlagenforschung unterstützt.

Stand: 02.05.2020, 09:00

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