Die Lebensräume der Käfer

Tatzenkäfer oder Labkraut-Blattkäfer (Timarcha tenebricosa) auf einem Stein.

Käfer

Die Lebensräume der Käfer

Käfer haben sich fast alle erdenklichen Lebensräume der Erde erobert: Von Gegenden in Skandinavien, in denen es selbst im Sommer nur wenige Grad Celsius hat, bis zu den heißesten, trockensten Wüsten. Käferfrei sind nur die Antarktis und das offene Meer.

Flieger und Läufer

Die meisten Käfer können krabbeln und fliegen. Soweit sieht es der Grundbauplan der Tiere vor. Doch im Lauf der Evolution haben sich die weltweit über 350.000 Arten bestens an ihre Lebensräume angepasst und entsprechend verändert. Die Laufbeine können nach Bedarf auch zu Grab- oder Schwimmbeinen geworden sein, und etliche Käferarten sind ganz flugunfähig. Zu ihnen gehören der Kornkäfer, einer der schlimmsten Vorratsschädlinge und der kugelige Messingkäfer, der sich vorzugsweise in Altbauten einnistet.

Auch Europas größter Blattkäfer, der Tatzenkäfer hat zusammengewachsene Flügeldecken – dafür besitzt er auffallend dicke Füße, die ein wenig wie Tatzen aussehen. Auch der Wüstenlaufkäfer, ein sehr schneller räuberischer Jäger, muss zu Fuß flüchten oder auf Beutefang gehen. Seine Füße haben eine bürstenähnliche Behaarung, die ihm das Laufen auf Sand erleichtert. Und kommt ihm doch einmal ein Feind zu nahe, nutzt er seine chemische Waffe: Der Wüstenlaufkäfer verspritzt bis zu 35 Zentimeter weit eine ätzende Chemikalie.

Die meisten flugfähigen Käfer besitzen zwei Paar Flügel: die Deck- und die Hinterflügel. Die Deckflügel sind tatsächlich nur eine Abdeckung, die aufklappt wird, wenn der Käfer startet. Zum Fliegen selbst werden die darunterliegenden dünnen Hinterflügel benutzt, die im Ruhezustand zusammengefaltet sind.

Sehr unterschiedlich sind die fliegerischen Fähigkeiten der einzelnen Arten: Käfer, die beispielsweise in ein entferntes Winterquartier umziehen wie die Marienkäfer, sind oft in der Lage, lange Strecken zurückzulegen. Andere, wie der Sandlaufkäfer, können besonders schnell fliegen.

Die Schwimmer

Im Lauf der Evolution haben sich einige Käferarten auch das Wasser als Lebensraum erobert. Doch nur die wenigsten von ihnen sind in der Lage, den lebensnotwendigen Sauerstoff direkt aus dem Wasser aufzunehmen. Eine solche Ausnahme bildet die Larve des Taumelkäfers, die den Sauerstoff mithilfe von Tracheenkiemen "einatmet". Fast alle anderen im Wasser lebenden Käfer und deren Larven sind mit Tracheen ausgestattet, weswegen sie zwar im oder auf dem Wasser leben, jedoch immer wieder zur Oberfläche auftauchen müssen, um Luft zu holen.

Tauchender Gelbrandkäfer

Tauchender Gelbrandkäfer

Die Luft wird meist unter den Deckflügeln am Hinterleib gespeichert. Doch auch beim Luftvorrat sind die Käfer erfinderisch: Einige Arten leiten die Luft über ihre Fühler an die Körperunterseite. Andere transportieren die Luft in einer Blase am Hinterleib.

Käfer, die im Wasser leben, sind meist auch gute Flieger. Diese Fähigkeit nutzen sie, wenn ihr Gewässer austrocknet oder wenn sie schlicht einen neuen Lebensraum besiedeln wollen.

Im Sand und unter der Erde

Auch Käferarten, die sich die Wüste als Lebensraum erschlossen haben, müssen sich vor der Hitze des Tages schützen. Schwarzkäfer beispielsweise, die oft in Wüsten- oder Steppengebieten leben, graben sich tagsüber im Sand ein und werden erst nachts aktiv.

Doch auch in unseren Breiten sind grabende Käfer aktiv: Der Mistkäfer hat speziell abgeflachte Grabbeine, mit denen er den Dung für seine Nachkommen in der Erde verbuddelt.

Ein Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus) sitzt auf einem Stückchen Holz.

Waldmistkäfer mit Grabbeinen

Der nur wenige Millimeter kleine Sand-Salzkäfer holt sich an Stränden gern oberirdisch sein Futter – Algen –, schützt sich dann aber vor Wind und Wellen, indem er senkrechte und waagerechte Tunnel in den Sand gräbt. Auch zum Überwintern graben sich die Käfer in den Boden ein – bis zu 20.000 Exemplare können es pro Quadratmeter werden.

Trickkiste der Käfer

Um sich gegen Feinde zu schützen, Partner zu finden oder in unwirtlichen Regionen zurechtzukommen, haben Käfer zum Teil höchst wirkungsvolle und originelle Strategien entwickelt. Die knallroten Lilienkäfer setzen bei Gefahr auf die Strategie "toter Käfer": Sie lassen sich zu Boden fallen und bleiben dort reglos auf dem Rücken liegen. Währenddessen zeigt ihre unauffällige schwarze Unterseite nach oben.

Die Larven der Lilienkäfer und der Schildkäfer schützen sich, indem sie sich mit Kot und Erde bedecken; die Larven des Großen Büschelkäfers verbringen sogar ihre gesamte Entwicklung im Inneren eines Kotpanzers.

Wie auch andere Tiere setzen manche Käfer auf Farbe, um sich zu schützen. Die einen nutzen ihre Körperfarbe zur Tarnung, als zur Warnung. So bedeutet der Marienkäfer mittels roter Körperfarbe seinen Fressfeinden: "Ich bin giftig." Ganz raffiniert ist der Wespenbock – er setzt auf Mimikry und ähnelt äußerlich einer Wespe.

Zahlreiche Käfer sind in der Lage, Gifte abzusondern, um sich gegen Feinde zu wehren. Manche, wie beispielsweise Laufkäfer und Bombardierkäfer, können ihr Gift auf Fressfeinde abschießen.

Brauner Sandlaufkäfer

Der Sandlaufkäfer kann springen

Äußerst sportlich sind die Sandlaufkäfer. Ihre Larven gehören zu den wenigen Arten, die springen können. Bei Gefahr rollen sie sich zusammen und berühren mit dem Schwanz den Sand. Beim anschließenden Strecken springen sie in die Luft und drehen sich um die eigene Achse. Je nach Windstärke können sie auf diese Art bis zu 60 Meter weit kommen.

Eines der schönsten Spektakel bei der Partnersuche bieten die Leuchtkäfer: Männchen und Weibchen erzeugen nachts Lichtsignale, um sich zu finden. Andere wie der Gescheckte Nagekäfer klopfen auf Holz, um den Partner anzulocken.

Der Kraftprotz unter den Käfern ist der Stierkäfer. Forscher fanden mit Tests heraus, dass die Mistkäferart mehr als das 1000-fache ihres eigenen Körpergewichts ziehen kann. Dazu maßen sie die Kraft, die nötig war, einen Käfer aus seiner Höhle herauszuziehen. Diese Kräfte nutzen die Käfer, um Kotkugeln, die dem Nachwuchs als Nahrung dienen, in die engen Gänge der Brutkammern zu schieben.

Autorin: Martina Frietsch

Stand: 01.09.2017, 15:00

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