Zwei Künstler in der Lüneburger Heide

Heidelandschaft

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Zwei Künstler in der Lüneburger Heide

Einer, der untrennbar mit der Lüneburger Heide verbunden ist, ist der Dichter Hermann Löns. Keine Kutschfahrt, keine Wanderung, ohne dass nicht mindestens einmal Löns‘ bekannte Hymne "Auf der Lüneburger Heide" gesungen wird. Schon zu Lebzeiten war er eine Legende. Er begeisterte nicht nur als Natur- und Heimatdichter, sondern auch als Waidmann und Naturforscher. Nicht so eingängig, dafür aber von Literaturkennern geschätzt, ist dagegen der Schriftsteller Arno Schmidt. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1979 in der Südheide und schrieb dort das über 1334 Seiten dicke Werk "Zettel's Traum".


Der elegante Schreiber Hermann Löns

Wenn man es genau nimmt, dann ist Hermann Löns eigentlich kein richtiges Kind der Lüneburger Heide. Geboren wurde der berühmte Heidedichter als eines von 14 Kindern in Westpreußen.

Schon zu Schulzeiten erwachte sein Interesse für die Natur. Er verbrachte Stunden und Tage mit der Beobachtung von Vögeln, unternahm schon als Jugendlicher längere Streifzüge durch Feld und Wald.

Erst im Alter von 18 Jahren zog Löns mit seiner Großfamilie nach Münster in Westfalen. Dort schaffte er mit Mühe und Not das Abitur, versuchte sich an der Universität in Medizin und Naturwissenschaften, scheiterte und schlug sich fortan als Journalist bei mehreren Zeitungen durch.

In Hannover machte er nicht nur als Mitbegründer der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" von sich reden, sondern auch durch seine ungewöhnliche äußere Erscheinung: Helle Anzüge und Hüte waren sein Markenzeichen. Schon bald schätzten die Hannoveraner seine Zeitungsglossen und Geschichten. Doch der Journalismus diente nur dem Broterwerb, seine Leidenschaft war die Schriftstellerei.

Schwarzweiß-Aufnahme des Heidedichters Hermann Löns

Immer elegant gekleidet: Hermann Löns

Hermann Löns entdeckt die Heide

In dieser Zeit, ungefähr um das Jahr 1893, entdeckte Löns die Lüneburger Heide für sich. Inspiriert von der Schönheit dieser über 5000 Jahre alten Kulturlandschaft, begann er Lieder, Gedichte, Geschichten und Naturbeobachtungen zu schreiben.

Bald widmete er sich ganz der Schriftstellerei und zog sich oft tagelang in seine Jagdhütte bei Walsrode zurück. Löns liebte die Einsamkeit in der Heide. Dort konnte er neue Kräfte sammeln und schrieb seine Bücher oft in kürzester Zeit – wie im Rausch.

Zu seinen bekanntesten Werken zählt sicherlich die Tiergeschichte vom Hasen Mümmelmann. Sie besticht, wie einige andere seiner Naturschilderungen, durch eine exakte und realistische Beobachtung der heimischen Tierwelt.

Löns nahm sich in seinen Werken aber nicht nur der Natur, sondern auch der Geschichte an. 1910 schrieb er den Roman "Der Wehrwolf", eine Geschichte über das harte Schicksal der Heidebauern während des Dreißigjährigen Krieges.

Löns zwischen den Fronten: Industrialisierung contra Natur

Mit seinen einfachen Volksliedern und Geschichten über Natur und Heidjer-Heldentum traf Löns den Nerv der Zeit. Seine Generation war in die aufstrebende Industrialisierung hineingeboren worden. Verstädterung, Technisierung und rasanter Fortschritt prägten das Leben der Menschen an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Kein Wunder, dass es viele Gegenbewegungen gab, die sich wieder auf die Ursprünge, auf die Natur zurückzogen.

Besonders stark machte sich der Einfluss seiner Lieder in der Wandervogelbewegung deutlich, einer Jugendbewegung, die einen naturnahen Lebensstil verfolgte.

Aber Hermann Löns war auch selbst aktiv. Er gehörte zu den begeisterten Unterstützern des 1909 gegründeten "Verein Naturschutzpark" in der Lüneburger Heide. Sein Anliegen war es, die einmalige Landschaft der Heide für den erholungsbedürftigen Menschen im Zeitalter der Industrialisierung zu schützen und zu bewahren.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, zog Hermann Löns wie etliche andere begeisterte junge Männer freiwillig in den Krieg. Doch seine Soldatenzeit an der Front währte nur kurz: Bereits im September des gleichen Jahres fiel Löns an der Westfront. Jahre später wurde sein literarisches Erbe von den Nationalsozialisten wieder aufgegriffen und für ihre Zwecke benutzt.

Die Meinungen über Hermann Löns sind daher bis heute geteilt. Einige sehen in seinem Gedankengut Tendenzen der späteren NS-Ideologie, andere wiederum verehren ihn bis heute. In der Lüneburger Heide ist er jedenfalls ein Mythos, den die Menschen vor allem wegen seiner eingängigen Volkslieder und Naturbeschreibungen schätzen.

Dieses Bild zeigt eine Großaufnahme vom Hermann-Löns-Gedenkstein: ein großer Findling mit dem eingravierten Namen und den Lebensdaten des Dichters. Der Stein steht idyllisch vor Bäumen.

Gedenkstein Hermann Löns

Der Eigenwillige aus der Heide: Arno Schmidt

Nicht so bekannt ist der Schriftsteller Arno Schmidt. Er gilt als einer der eigenwilligsten Schriftsteller der Nachkriegsgeschichte. Genau wie Löns stammt auch Arno Schmidt nicht aus der Lüneburger Heide. 1914 in Hamburg geboren, zog Schmidt erst 1958 mit seiner Ehefrau Alice in den kleinen Ort Bargfeld bei Celle in der Südheide.

Bei ihrer ersten Besichtigung des neuen Domizils notiert der Schriftsteller: "In dieser Richtung kann man 50 km gehen, ohne irgend ein Haus zu erblicken! Heideflecken mit Wacholder eingesprengt.(…) Im Winter kommen Rehe, Hasen, Füchse bis vors Haus."

Die Eindrücke, die Schmidt in der Landschaft der Lüneburger Heide gewinnt, erweisen sich für seine Arbeit als äußerst wertvoll. Einige seiner Geschichten spielen in einem ländlichen Ort, der Bargfeld sehr ähnlich ist.

 Profilbild in Schwarzweiß von Arno Schmidt

Arno Schmidt, deutscher Schriftsteller

Das dickste Buch der Bundesrepublik

Nach sechsjähriger Arbeit beendet Arno Schmidt 1970 sein gewaltigstes Werk: "Zettel’s Traum". Mit einem Umfang von über 1334 Seiten, dreispaltig getippt, mit Randbemerkungen und Zeichnungen versehen, sprengt dieses Werk die Möglichkeiten der damaligen Drucktechnik.

Die Folge: Das Werk wird als Faksimile (originalgetreue Kopie) veröffentlicht. Und was noch erstaunlicher ist: Die 2000 handsignierten Exemplare des Mammutwerkes sind bereits drei Monate später ausverkauft!

Begeistert pilgern Reporter und Literaturbegeisterte zu Schmidts Haus in der Heide. Doch der will nur seine Ruhe und zieht sich immer mehr zurück. Jahrelanger Schlafmangel, hoher Konsum von Kaffee und Alkohol sowie ein striktes Arbeitspensum haben ihre Spuren hinterlassen.

Als er 1973 den angesehenen und hochdotierten Goethepreis in Frankfurt am Main bekommt, kann er die Ehrung nicht selbst entgegennehmen. Sechs Jahre später stirbt Arno Schmidt nach einem schweren Schlaganfall.

Blühende Heidelandschaft

Arno Schmidt liebte die einsame Heidelandschaft

Autorin: Sandra Kampmann

Stand: 25.07.2018, 10:16

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