Perlen

Perlenkette

Schmuck

Perlen

Seit Jahrtausenden faszinieren Perlen den Menschen. Sagen und Erzählungen ranken sich um das kostbarste Schmuckstück. Die Griechen glaubten, Perlen seien Tau vom Mond, für die Römer waren sie Früchte der Liebesgöttin Venus.

Perlen vor die Säue

Perlen entsprechen dem menschlichen Schönheitsideal. Man verbindet sie mit Reinheit, Glück, Reichtum und Schönheit. Selbst in unsere Sprache hat der Status der Kostbarkeit Eingang gefunden: Wir wollen keine "Perlen vor die Säue" werfen und sprechen von einer "Perle von Mensch".

Genauso alt wie der Reiz der Perle auf den Menschen ist ihre Verarbeitung zu Schmuck oder anderen wertvollen Gegenständen. Von der Antike bis in unsere Zeit sind Perlen ein ungebrochenes Statussymbol, lange waren sie den Reichen und Mächtigen vorbehalten.

Denn natürlich gewachsene Perlen sind äußerst selten und konnten nur durch die mühsame und gefahrvolle Perlenfischerei ans Tageslicht befördert werden. Erst die Perlenzucht ermöglichte einer breiten Schicht den Erwerb und Besitz der Schmuckstücke.

Doch auch heute können Perlen eine sehr kostspielige Angelegenheit werden. In ihren seltensten und edelsten Erscheinungsformen können sie auf dem Weltmarkt Preise von mehreren 10.000 Euro erzielen.

Ein Wunder der Natur

Die chemischen Bestandteile der Perle hören sich ziemlich unspektakulär an: Eine Perle besteht aus einer kugeligen Ansammlung von Perlmutt, das heißt, aus einer Mischung aus Aragonit (kohlensaurer Kalk) und Conchin, einer organischen Hornsubstanz.

Den Schimmer des Perlmutts beschreibt der Experte mit zwei Fachbegriffen: Lüster und Orient.

Perlen liegen in einer Muschelschale.

Lüster und Orient - Maß für den Schimmer einer Perle

Mit Lüster ist der Oberflächenglanz einer Perle gemeint. Je besser und klarer der Lüster auf der Perlenoberfläche ist, desto höher ist die Qualität einer Perle einzustufen.

Auf der Oberfläche einer schönen Perle erkennt man klar das eigene Spiegelbild. Eine stumpfe oder kalkig weiße Oberfläche ist dagegen immer ein Zeichen für mindere Perlenqualität.

Der Orient beschreibt dagegen den Innenglanz der Perle, das innere Leuchten, das aus der Perle dringt. Dieses Leuchten beruht auf dem Effekt der Interferenzen, der ineinander geschachtelten Lichtbrechungen, die sich aus dem komplexen molekularen Aufbau der Perle ergeben.

Denn wie eine Zwiebel besteht auch die Perle aus vielen Schichten, aus Tausenden Plättchen schillernden und gleichzeitig transparenten Aragonits.

Das Foto zeigt die preußische Königskrone aus dem Jhar 1889. Sie ist perlenbesetzt.

Perlenbesetztes Statussymbol der Reichen und Mächtigen

Generell gilt: Je größer, runder, farbenprächtiger, ebener und schimmernder eine Perle ist, desto größer ist ihr Wert. Das Farbspektrum erstreckt sich – je nach Perlenart – von weiß, rosa, rot, orange, gold, bronze, kupfer, silber und silbergrau bis hin zu schwarz.

Dabei fasziniert und interessiert die Forscher besonders, wie ein Organismus in der Lage ist, so vollendet Aragonit-Plättchen auszukristallisieren. Obwohl von nur geringer Härte, ist Perlmutt überaus resistent und elastisch, weshalb die Forschung intensiv nach synthetischen Produktionsmöglichkeiten sucht.

Eine Perle entsteht

Mollusken (Muscheln und Schnecken) in Salz- und Süßwasser können Perlen aus einer Schutzreaktion heraus produzieren. Doch nur die wenigsten Muscheln und Schnecken bilden überhaupt Perlen aus.

Die meisten dieser perlenartigen Gebilde bestehen nicht aus Perlmutt, sondern einer porzellanartigen, kalkhaltigen, oft stumpfen Substanz, die dem Material der Muschel- und Schneckengehäuse ähnlich ist.

Zuchtperle in einer Auster.

Ein mit Perlmutt umhüllter Parasit oder Fremdkörper

Die Perlaustern der Muschelgattung "Pinctada" hingegen bilden Perlen aus irisierendem Perlmutt aus, das heißt, das Material erscheint je nach Lichteinfall in einer anderen Farbe. Die Austern gelten als der berühmteste Perllieferant.

Perlaustern leben auf Muschelbänken nahe der Küste in 15 bis 20 Metern Tiefe. Sie bilden Perlen, um sich gegen Parasiten und Fremdkörper, die in das Tier eindringen, zu wehren. So weit die gängige These.

Doch ein Fremdkörper allein reicht nicht aus, um die Muschel zur Bildung einer Perle zu bewegen. Entscheidend für die Perlbildung ist ein Stück des Mantelgewebes, des Epithels, das direkt unter der Muschelschale sitzt und mit dem Fremdkörper ins Innere der Muschel dringen muss, um die Perlmuttbildung auszulösen.

Erst das Epithel bewirkt, dass der eingedrungene Körper wieder und wieder mit Perlmuttschichten überzogen wird. Dadurch wird der Fremdkörper abgetötet und der Muschel droht nicht länger Gefahr durch den Eindringling.

Wirtschaftsfaktor Zuchtperle

Vor rund 100 Jahren gelang es drei Japanern unabhängig von einander, erstmals Perlen zu züchten. Einer von ihnen war Kokichi Mikimoto, der als Vater des Zuchtperlenhandels in die Geschichte einging.

Ein Mann setzt einen Nukleus in einer Perlauster ein.

Ein Job für hochbezahlte Fachleute

Besonders in China, Japan, Australien und der Südsee (Indonesien, Philippinen, Französisch-Polynesien) ist der Zuchtperlenhandel inzwischen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Mit ausgefeilten Methoden werden die Wirtsmuscheln gesammelt und unter idealen Bedingungen (Temperatur, Wasserqualität) auf künstlichen Bänken gehalten. Die Perlenzucht beginnt dabei mit dem Einpflanzen eines Perlenkerns, des sogenannten Nukleus. Er besteht zumeist aus einem gedrechselten Stück Schale der amerikanischen Süßwassermuschel (Mississippi-Muschel) und wird mit ein wenig Epithelgewebe in die Zuchtauster eingesetzt.

Dabei wird die Perlauster einem chirurgischen Eingriff unterzogen. Diese komplizierte "Operation" der Muschel nehmen hoch qualifizierte und daher nicht selten auch hoch bezahlte Fachleute vor.

Die Auster wird den Nukleus dann im Laufe der folgenden Jahre Schicht um Schicht mit kostbarem Perlmutt ummanteln: Eine Perle reift heran. Sie wächst etwa zwei bis fünf Jahre in der Auster, bevor sie geerntet werden kann.

Nur rund vier Prozent einer Perlenernte entsprechen der runden Idealform. Die meisten Perlen haben sogenannte "barocke" Formen: länglich, flach, knotenartig, tropfenförmig, manchmal hohl oder warzenförmig an das Gehäuse der Muscheln angewachsen.

Obwohl die Perlenzucht nicht selten Verluste statt Gewinne einfährt, ist die Perlenindustrie in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen. Das liegt vor allem an der nach wie vor starken Nachfrage nach Perlenprodukten sowie den immer seltener in freier Wildbahn zu findenden natürlichen Perlen.

Autor: Gregor Delvaux de Fenffe

Stand: 03.11.2016, 14:00

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