Wissensfragen

Storch mit zurückgelegtem Kopf und offenenm Schnabel

Störche

Wissensfragen

Von Susanne Wagner

Können Weißstörche singen oder pfeifen?

Der Weißstorch kann – wie die meisten seiner Verwandten – außer Schnabelklappern und Zischlauten keine Töne von sich geben. Schuld daran ist sein Stimmapparat, der keine oder eine nur schwach entwickelte Muskulatur hat. Umso besser können die Tiere ihre starken Schnabelhälften schnell aufeinander schlagen: Daher nennt man die Weißstörche auch Klapperstörche.

Das Klappern dient der Verständigung untereinander, etwa der Begrüßung des Partners, dem Vorspiel für die Paarung oder dem Verjagen von Eindringlingen.

Beim Klappern werfen sie ihre Köpfe weit zurück, so dass die Schnäbel in die Luft zeigen. In höchster Erregung biegen sie ihren Hals so weit nach hinten, dass der Kopf den Rücken berührt. Auch die Jungen fangen schon im Nest damit an. Das Klappern ist angeboren.

Fressen Storcheneltern ihre eigenen Jungen?

Es kann tatsächlich vorkommen, dass die alten Störche eines ihrer Jungen auffressen oder lebendig aus dem Nest werfen. Dieses Verhalten wird als "Kronismus" bezeichnet.

Nach einer griechischen Sage verschlang der Titan Kronos seine eigenen Kinder. Besonders bei erstbrütenden Elternvögeln, deren Brutpflegeinstinkt noch nicht ausgereift ist, ist diese Verhaltensweise zu beobachten.

Forscher vermuten außerdem, dass die abnorme Handlung durch zu schwache Reaktionen des jüngsten Kükens ausgelöst wird. Das "Nesthäkchen" wirkt zwischen seinen größeren Geschwistern als Fremdkörper, vielleicht sogar als Beute.

In der Regel jedoch sind Störche fürsorgliche Eltern, die abwechselnd ihr Gelege aus drei bis fünf Eiern wärmen und dem Nachwuchs regelmäßig Futter bringen. Nach knapp zehn Wochen können die Jungtiere dann selbstständig fliegen.

Storch mit Jungem im Nest

In der Regel sind Störche fürsorgliche Eltern

Brütete der Weißstorch ursprünglich auf Bäumen?

Störche sind von Natur aus Baumbrüter. Erst die Rodung der Wälder durch den Menschen hat den Weißstorch auf das Dach gebracht. In der Nachbarschaft des Menschen nutzen sie Hausfirste, Scheunen, Kirchtürme, Fabrikschornsteine oder Hochspannungsmasten.

In einigen Ländern Südeuropas brüten Weißstörche noch auf Bäumen. In Spanien sind es vor allem Stein- und Korkeichen, in Portugal Eukalyptusbäume. Mancherorts dienen auch Felsblöcke als Storchenhorst. Vielleicht sehen die großen Vögel in den Bauten der Menschen einfach nur künstliche Felsen.

Störche sind Kulturfolger, die sich mehr oder weniger freiwillig dem Menschen angeschlossen haben. In der Kulturlandschaft des Menschen findet Adebar mitunter gute Lebensbedingungen.

Der Weißstorch bevorzugt offene Gelände und meidet den geschlossenen Wald. Am liebsten sind ihm Feuchtwiesen und Sümpfe. Dort findet er seine Nahrung. Aber auch auf den Feldern und Weiden lassen sich Insekten und Weichtiere jagen.

Doch Flächenversiegelung, Trockenlegung von Feuchtgebieten und der Einsatz von Insektiziden und Dünger machen dem Storch das Leben schwer.

Storch im Nest auf einer Dachspitze.

Störche sind eigentlich Baumbrüter

Wie fand man heraus, wo die Störche den Winter verbringen?

Bis ins 19. Jahrhundert gab der Storch den Menschen Rätsel auf: Wohin flog er im Herbst? Wo verbrachte er den Winter? Der deutsche Theologe, Philosoph und Naturforscher Albertus Magnus (1193 bis 1280) war überzeugt, dass die Störche den Winter im Wasser verschlafen. Daneben kursierte die These, dass Meister Adebar womöglich auf dem Mond überwintert.

Auch der Dichter Johannes Praetorius (1630 bis 1680) schrieb eine ganze Abhandlung zum Problem, wo sich die "obgedachten Sommer-Boten, wie auch andere unstet lebenden Vögel und Thiere... nach ausgehender Jahres-Wärme von uns hinwenden und die Kälte über hausen? Obs in den südlichen Gegenden geschehe; Oder vielmehr, ob sie sich bej uns in die Wasser versencken?"

In einem deutschen Märchen steht zu lesen, dass Störche in ein fernes Land ziehen und dort die kalte Jahreszeit als Menschen verbringen.

Das Geheimnis um das Winterquartier des großen Vogels konnte schließlich durch eine makabre Entdeckung gelüftet werden: Am 21. Mai 1822 wurde auf einem Strohdach auf Gut Bothmer bei Kütz in Mecklenburg ein Weißstorch gefunden, in dessen Hals ein Pfeil aus dem zentralen Afrika steckte.

Der Storch war mit diesem Pfeil im Hals die weite Strecke nach Deutschland zurückgeflogen. Mit diesem "Mecklenburger Pfeilstorch" wurde zum ersten Mal bewiesen, dass Weißstörche im Winter nach Afrika ziehen. Das Exemplar mit dem 80 Zentimeter langen Pfeil ist noch heute im Museum des Zoologischen Instituts von Rostock zu bewundern.

Weiterführende Infos

Stand: 29.05.2019, 16:00

Darstellung: