Fledermäuse

Fledermaus fliegt auf Betrachter zu

Wildtiere

Fledermäuse

Sie bevölkern die Erde seit mehr als 50 Millionen Jahren und sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können – das sind nur zwei von vielen Gründen, warum die Fledermäuse viele Wissenschaftler faszinieren.

Darum geht's:

  • Fledermäuse gibt's überall auf der Welt, außer in der Antarktis.
  • Viele Arten haben sich seit 50 Millionen Jahren kaum verändert.
  • Viele der Tiere sind bedroht, vor allem durch den Menschen.
  • Fledermäuse haben ein starkes Immunsystem.
  • Daher sind sie auch ein beliebtes Forschungsobjekt.

Molekularbiologen korrigieren den Stammbaum

Weltweit gibt es mehr als 1300 Arten an Fledertieren, die bisher in die Unterordnungen Fledermäuse (Microchiroptera) und Flughunde (Megachiroptera) unterteilt worden sind.

Neuesten molekularbiologischen Untersuchungen zufolge ist das jedoch nicht mehr korrekt. Demzufolge sind zum Beispiel die Hufeisennasen, eine Familie der Fledermäuse, näher mit den Flughunden verwandt als mit dem Rest der Fledermäuse.

Seit Kurzem werden Fledertiere daher in Yinptero- und Yangochiroptera unterteilt. Die neuen molekularbiologischen Methoden sind auch der Grund dafür, weshalb die Zahl der bekannten Arten stetig wächst.

Fledermaus in Nahaufnahme im Profil

Lebt unter anderem im Kaukasus: das Kleine Mausohr

Fledermäuse leben auf sechs von sieben Kontinenten

Fledermäuse leben auf der gesamten Erde, auf jedem Kontinent außer in der Antarktis. Die Mehrzahl findet sich in tropischen Gefilden, doch die Nordfledermaus erreicht auch arktische Breiten.

Die Vielzahl der nachtaktiven Flatterer in Deutschland ist sehr überschaubar: Nur 25 verschiedene Arten fühlen sich hier wohl.

Genau genommen sind es sogar bloß 24 Arten, denn die mit 70 Kilometer pro Stunde schnellste Fledermaus Europas, die Langflügelfledermaus, gilt in Deutschland als ausgestorben. Sie ist zuletzt 2011 gesichtet worden.

Noch in den 1960er Jahren bewohnten etwa 500 Tiere ihre Quartiere im südbadischen Kaiserstuhl.

Vampirfledermäuse ernähren sich ausschließlich von Blut

"Genau genommen sind Fledermäuse tatsächlich lebende Fossilien", sagt Sebastian Kolberg vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Zwar haben sich viele Arten weiterentwickelt, aber es gibt genügend Familien, die heute noch so aussehen und leben wie vor 50 Millionen Jahren.

Sie orientieren sich mithilfe von Echoortung. Der Speiseplan dieser hauptsächlich nachtaktiven Tiere  unterscheidet sich je nach Art, zusammengenommen nutzen Fledermäuse das gesamte Nahrungsangebot des Planeten.

Fledermaus mit aufgerissenem Maul starrt in die Kamera

Steht auf das Blut von Säugetieren: der Gemeine Vampir

Die in unseren Breitengerade lebenden Arten ernähren sich hauptsächlich von Insekten, doch in den tropischen Regionen um den Äquatorgürtel landet so ziemlich alles im Magen einer Fledermaus, was man sich vorstellen kann: der Nektar von Blütenpflanzen, Fische, kleine Tiere, andere Fledermausarten, Früchte – und ja, auch Blut.

Drei verschiedene Arten gehören zu den sogenannten Vampirfledermäusen: der Gemeine Vampir, der Kammzahnvampir und der Weißflügelvampir. Sie ernähren sich ausschließlich vom Blut von Säugetieren beziehungsweise Vögeln und leben auf dem amerikanischen Kontinent.

Die Fledermaus detektiert mithilfe wärmeempfindlicher Sensoren Venen unter der Haut des Beutetiers. Sie leckt die Stelle ab und betäubt sie damit, dann entfernt sie Federn oder Haare an der Stelle und beißt ein Stückchen Haut heraus. Das Blut saugt oder leckt sie auf.

Damit das Blut nicht gerinnt, ist im Speichel eine gerinnungshemmende Substanz enthalten. Etwa 20 bis 30 Milliliter pro Mahlzeit können die Tiere aufnehmen, zu wenig, um satt zu werden. Sie scheiden daher einen Großteil des Wassers aus, kehren zum Verdauen in ihr Quartier zurück und kommen später nochmal wieder, so lange die Wunde noch offen ist.

Wissenschaftler vermuten, dass sie das entsprechende Beutetier anhand eines Atemgeräusches wiedererkennen können. Für die angezapften Vögel und Säugetiere ist ein Biss der Fledermaus im Normalfall nicht gefährlich. Das größte Risiko liegt darin, dass die Fledermaus einen Virus – wie die Tollwut – überträgt oder sich die Wunde infiziert.

Der Verlust von Lebensraum ist ein großes Problem

Wirklich gut geht es den Fledermäusen weltweit nicht – unzählige Arten sind bedroht. "In Deutschland kann man für keine Art sagen, dass die Population in einem guten Zustand ist", sagt Fledermausexperte Sebastian Kolberg vom Nabu.

Zu den größten Bedrohungen für die Fledermäuse zählen der Lebensraumverlust und die Intensivierung der Landwirtschaft. "Werden große, alte Bäume gefällt, gehen damit auch Nist- und Schlafmöglichkeiten für die Fledermäuse verloren", sagt Kolberg.

Dass immer mehr Wald und Wiesen zu monotonen Ackerflächen werden, wirkt sich auf den Insektenbestand aus. Eine jüngst erschienene Studie zeigt, dass sich der Insektenbestand in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen 15 Jahren um 80 Prozent reduziert hat.

Zweifarbfledermaus sitzt auf Ast und isst eine Mücke

Die Nahrung für Fledermäuse wird knapp

"Generell entsteht dadurch für die Fledermäuse eine Nahrungsmittelverknappung, für solche, die auf eine Insektenart spezialisiert sind, ist das schnell ein Riesenproblem", sagt Kolberg.

Hinzu kommen verwendete Pflanzenschutzmittel. Die damit verseuchten Insekten werden von Fledermäusen gefressen. Denen macht der Giftstoffgehalt in dem Moment meist nicht viel aus, doch die Schadstoffe akkumulieren sich in ihrem Körper und haben eine Auswirkung auf den Nachwuchs.

"Das ist ein großes Problem, das bisher noch völlig unterschätzt wird", sagt Kolberg.

Fledermäuse übernehmen eine wichtige regulatorische Funktion in Ökosystemen: Die Tiere, die mit den Ohren sehen und mit 800 Herzschlägen pro Minute durch die Luft düsen, vertilgen Schadinsekten.

Zu ihren natürlichen Feinden zählen Eulen und Greifvögel sowie große Katzen, kleinere Fledermausarten werden auch gerne von fleischfressenden größeren Fledermäusen verspeist.

Junge Fledermaus auf dem Finger eines Menschen. Sie ist nur so groß, wie die Fingerkuppe.

Einzelkind: Fledermäuse bekommen jedes Jahr nur einen Nachkommen

Ein sehr leistungsfähiges Immunsystem

Der Körper der Fledermäuse ist für Wissenschaftler ein Rätsel, das sie mit Begeisterung Stück für Stück lösen. Da wäre zum Beispiel das Alter. Fledermäuse werden viel älter als andere Tiere in ihrer Größe, zehn, 20, selbst 30 Jahre sind keine Seltenheit.

"Wir wissen noch immer nicht, woran das liegt", sagt Holger R. Goerlitz vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. Eine Vermutung hängt mit dem Nachwuchs zusammen. Die meisten Fledermäuse bekommen pro Jahr nur einen Nachkommen – das ist wenig und sehr untypisch.

Einzigartig ist auch das Immunsystem der Fledermäuse. Die Tiere kommen mit vielen Krankheitserregern in Kontakt, darunter so gefährliche wie Tollwut oder Ebola, doch das macht ihnen nichts aus, sie erkranken nicht. Forscher vermuten, dass ihr Immunsystem grundlegend anders arbeitet als das anderer Säugetiere.

Vielleicht kann dieses Super-Abwehrsystem auch die Langlebigkeit der Fledermäuse erklären. Vielleicht aber ist es auch umgekehrt: Weil sie so alt werden, brauchen sie ein besonderes Immunsystem. Bis die Wissenschaft dieses Rätsel gelöst hat, wird es vermutlich noch eine Weile dauern.

Autorin: Claudia Füßler

Stand: 08.06.2017, 11:00

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