Südpolarkreis

Antarktische Landschaft

Polarregionen

Südpolarkreis

Die weiße Wüste aus Eis ist einer der letzten unberührten Naturräume der Erde. Der antarktische Kontinent liegt am Südpol, bedeckt von gigantischen Eisgebirgen, umringt von einem dichten Packeisgürtel. Die Landschaft erscheint steril, geradezu trostlos – und birgt doch Leben.

Antarktis, ein Kontinent der Extreme

Jeder Tag in der Antarktis bleibt unvergessen. Der sechste Kontinent ist die kälteste, trockenste und windigste Ecke der Welt. Temperaturen bis minus 89,2 Grad Celsius, heftige Schneestürme und mancherorts geringere Niederschläge als in der Sahara machen den sechsten Kontinent zu einer ungemütlichen Gegend - und doch kann es hier im Sommer wunderschön sein.

Während der kurzen, hellen Jahreszeit präsentiert sich die Antarktis des Öfteren von ihrer schönsten Seite: mit leichten Minusgraden, wenig Wind und dem Farbenspiel von goldener Sonne, blauem Himmel und weißem Schnee. Auf einer Tour durch das Inland wechseln Eisberge, die Skulpturen gleichen, in kürzester Zeit ihren Farbton. Nur wenige Nuancen reichen, um die weite Landschaft optisch vollkommen zu verändern.

Schnee, so weit das Auge reicht

Das Land ist größer als Europa, 98 Prozent sind schneebedeckt. Und so lagert hier das größte Trinkwasserreservoir der Erde - tiefgekühlt. Das gefrorene Süßwasser ist in einer gewaltigen Eisdecke gespeichert. Die Antarktis ist jedoch keine monumentale Eisscholle. Wer das Eis betritt, hat an vielen Stellen festen Boden unter den Füßen. Denn unter dem durchschnittlich 2200 Meter dicken Eismantel liegt Festland.

Im Winter lagert sich undurchdringliches Meereis an den Küsten an. Im Sommer schmilzt es auf ein Sechstel zusammen. Die Kraft der Sonne wirkt sich auch auf das Inlandeis aus. Im antarktischen Sommer brechen vermehrt große Teile der Küsten ab, riesige Eisberge entstehen. Sie werden durch Wind und Strömung abgetrieben und können mit bis zu zwölf Kilometern pro Tag durch die Fluten treiben. Einige legen weite Strecken zurück: 1894 wurde ein Eisberg sogar auf der Höhe von Rio de Janeiro gesichtet.

Im Reich der Pinguine, Robben und Zugvögel

Trotz einiger Sonnentage lässt es sich im Landesinneren auf Dauer kaum aushalten. Kein Säugetier und auch kein Vogel bewohnt dauerhaft die Wüste aus Eis. Kaiserpinguine sind die einzigen Tiere, die sich von den Küsten entfernen und zu ihren Brutplätzen ins Landesinnere vorwagen. Ansonsten wird die Antarktis nur von einigen wirbellosen Tieren bevölkert, wie der zwölf Millimeter großen Zuckmückenart Belgica antarctica.

Kaiserpinguin mit Baby

Überlebenskünstler: der Kaiserpinguin

Die Meere und Küsten sind im Gegensatz dazu reich an Leben. Gleich vier Pinguinarten fühlen sich hier heimisch: die bereits genannten Kaiserpinguine, Adéliepinguine, Eselspinguine und Zügelpinguine. Dank einer dicken Fettschicht, dichtem Gefieder, das schlecht Wärme leitet, und schlecht durchbluteten Fußsohlen überstehen die Tiere die Minusgrade.

An den Küsten jagen Seeleoparden nach Fischen und Pinguinen

Auch zu Wasser geht es geschäftig zu. Die Meere sind voll von kleinen Fischen, Kalmaren, Krebsen und Krill, die für zahlreiche im Wasser lebende Säugetiere reiche Nahrung bieten. Mehrere Robbenarten wie die Weddelrobbe, der Seelöwe oder der Seeleopard machen Jagd auf Fische oder Pinguine. Zahlreiche Walarten stoßen auf ihren Wanderungen bis in die antarktischen Gewässer vor und laben sich an dem Fisch- und Krillreichtum. Besonders die Tintenfische, die hier in großer Zahl vorkommen, haben es ihnen angetan.

Ein Seeleopard ruht sich etwas aus

Ein Seeleopard ruht sich etwas aus

Hinzu kommen unzählige Kolonien von Zugvögeln, die im antarktischen Sommer auf dem Packeis und den vorgelagerten Inseln ihre Brutplätze beziehen. Unter ihnen sind der riesige Königsalbatros, einige Sturmvogelarten sowie der Skua, eine große Raubmöwenart, die sich unter anderem von jungen Pinguinen und Pinguineiern ernährt. Im antarktischen Winter zieht es die meisten der Vogelarten jedoch in wärmere Gefilde gen Norden.

Pflanzen gibt es hier kaum

Die Pflanzenwelt der Antarktis ist eher spärlich und unauffällig. Tatsächlich beherbergt der sechste Kontinent das artenärmste Florenreich der Erde. Dabei umfasst es nicht nur den sechsten Kontinent, sondern erstreckt sich auch über den Südwesten Patagoniens, die Inselgruppe der Kerguelen und die Südinsel Neuseelands. In diesen Außenbereichen wachsen die meisten der verschiedenen Pflanzenarten.

Auf dem Kontinent selbst gibt es nur zwei einheimische Blütenpflanzen: die "Antarktische Schmiele" und den "Antarktischen Perlwurz". Neben diesen gibt es rund 200 Flechtenarten und 100 Moosarten, die den Großteil der kargen, antarktischen Vegetation ausmachen. Sie wachsen in dichten Polstern, um sich vor Wind und Wetter zu schützen.

Gestatten: Wissenschaftler

Forscher vor der Station Neumayer III.

Neumayer 3: Forscher beladen ein Schneemobil

Der unwirtlichen Natur trotzt noch eine ganz besondere Spezies: die Polarforscher. Geradezu in Scharen bevölkern sie im Sommer das Land. 4000 Menschen leben dann für wenige Wochen in den 80 Forschungsstationen im Eis.

Per Schiff und Flugzeug reisen die Wissenschaftler an, um vor allem in der warmen Jahreszeit ihre Experimente durchzuführen. Es wird alles erforscht, was unter die Geräte kommt. Die Tier- und Pflanzenwelt, die Tiefen des Eises, das Klima, das Erdmagnetfeld, die Geräusche des Meeres - und vieles mehr.

Die meisten von ihnen wollen wiederkehren. Denn: Wer einmal im ewigen Eis war, ist mit dem Antarktisfieber infiziert.

Autorinnen: Alina Schadwinkel/Susanne Wagner

Stand: 04.02.2016, 09:00

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