Der Antarktisvertrag – Frieden am Südpol

Eingefärbte Fotografie von Roald Amundsen am Südpol

Südpolarkreis

Der Antarktisvertrag – Frieden am Südpol

Der sechste Kontinent gehört der Wissenschaft. Das Gebiet darf weder militärisch noch industriell genutzt werden – und das obwohl zahlreiche Männer die Flaggen ihrer Nationen im ewigen Eis gehisst haben. Grund ist der Antarktisvertrag.

Jeder will einen Teil für sich

Die Antarktis ist ein unwirtlicher Ort. Entdecker und Forscher aber bezwangen das Eis und schrieben ihre Namen auf die Landkarten. Jeder wollte ein Stück des neu gewonnenen Lands beherrschen - keine Nation sollte es bekommen.

Wenige Jahre nachdem der Abenteurer Roald Amundsen als Erster den Südpol erreichte, begann die Erschließung des sechsten Kontinents. Vier Jahrzehnte lang galt es, im ewigen Eis der Erste zu sein: Ernest Shackleton versuchte als Erster die Antarktis zu durchqueren. Hubert Wilkes flog als Erster in die Antarktis, ein Jahr später überflogen Richard Byrd und drei weitere Piloten als Erste den Südpol. Und erste Forschungsexpeditionen aus Neuseeland, Australien und Großbritannien kartierten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Küstenabschnitte im Osten des Kontinents.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führten die USA die großangelegte Operation Highjump durch. 4700 Soldaten und Wissenschaftler wurden in die Antarktis gebracht. Mehr als 70.000 Luftbilder zur Erstellung von Landkarten entstanden in weniger als fünf Wochen. Immer größer, immer schneller, immer weiter - jeder Staat will so viel wie möglich von der Antarktis abhaben.

Die Sache ist der Mühe wert

Für die Forscher Grund genug ein Zeichen zu setzen. Richard Byrd, leitender Admiral der Mission, ließ während einer Expedition Flaggen aller UN-Staaten auf dem Kontinent abwerfen. Sein Credo: Die Antarktis solle der Gemeinschaft aller Nationen gehören. Doch Chile, Argentinien, Neuseeland, Australien, Großbritannien, Norwegen und Frankreich waren damit nicht einverstanden. Sie hatten eigene Hoheitsansprüche, teils aus ideologischen, teils aus wirtschaftlichen Gründen wie dem Walfang.

Der Streit dauert an. Erst das Streben nach Wissen und Fortschritt legt ihn gut zehn Jahre später auf Eis. Mit dem Internationalen Geophysikalischen Jahr 1957/1958 das der Antarktis gewidmet war, entstanden zahlreiche neue Forschungsstationen sowohl auf dem Festland als auch auf den vorgelagerten Inseln. Jeder Staat, der eine Forschungsstation in der Antarktis einrichtete, erhob zugleich territoriale Ansprüche. Die Oberhäupter erhofften sich militärstrategische Vorteile. Die Polarforscher aber verfolgten ein anderes Ziel: Sie wollten zusammenarbeiten, Erkenntnisse teilen und dem sechsten Kontinent so seine Geheimnisse entlocken.

Trotz Antarktisvertrag: Jeder will ein Stück vom Kuchen

Trotz Antarktisvertrag: Jeder will ein Stück vom Kuchen

1959 sollten ihre Mühen belohnt werden. Denn zum einen entstand in diesem Jahr auf Vorschlag der USA das internationale wissenschaftliche Komitee für Antarktisforschung Scar. Noch heute koordiniert es die regierungsunabhängige Organisation der Forschung auf internationaler Ebene. Zum anderen unterzeichneten die zwölf führenden Forschungsnationen den Antarktisvertrag.

Der rechtmäßige Besitzer

Der Vertrag sieht die rein wissenschaftliche und friedliche Nutzung des Kontinents vor. Die beteiligten Staaten verzichten auf jeden Gebietsanspruch. Zu den Unterzeichnern gehörten damals Argentinien, Australien, Belgien, Chile, Frankreich, Japan, Neuseeland, Norwegen, Südafrika, die Sowjetunion und die USA.

1991 wird der Vertrag im Madrider Protokoll zum Schutz der Antarktis vor den Aktivitäten des Menschen verlängert. So haben sich die Vertragsstaaten etwa verpflichtet, die Antarktis als ein Naturreservat zu belassen, der Abbau von Rohstoffen ist verboten.

Karte: Die Forschungsstationen in der Antarktis.

Die Forschungsstationen in der Antarktis

Bis heute haben 48 Nationen das bedeutende Schriftstück unterzeichnet. Davon unterhalten 29 Staaten Forschungsstationen, unter anderem auch Deutschland. Der Vertrag gilt bis 2041. Aber auch danach sind keine weitreichenden inhaltlichen Änderungen zu erwarten, da diese einstimmig beschlossen werden müssten. Die Antarktis hat endlich einen rechtmäßigen Besitzer gefunden: die Wissenschaft.

Autoren: Susanne Wagner/Tobias Aufmkolk/Alina Schadwinkel

Weiterführende Infos

Stand: 04.02.2016, 09:00

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