Science Fiction? Von wegen!

Eingabemasken der Suchmaschinen Yahoo, Bing und Google.

Künstliche Intelligenz

Science Fiction? Von wegen!

Künstliche Intelligenz ist erst in ferner Zukunft von Bedeutung? Intelligente Systeme findet man bislang nur im Forschungslabor? Falsch gedacht. Auch heute schon sind wir in unserem Alltag von intelligenten Maschinen und Computern umgeben.


Fotografieren und Filmen

Nahezu jeder Fotoapparat und jede Videokamera hat heute Elemente der Künstlichen Intelligenz (KI) in sich. Die Kameras messen mit Sensoren die Helligkeit und passen Blende und Verschlusszeit darauf an. Wenn es zu dunkel ist, wird automatisch der Blitz ausgelöst. Digitalkameras stellen selbstständig die Schärfe für Bereiche ein, die sie für wichtig halten.

Die Erkennung von Personen hat ebenfalls große Fortschritte gemacht. Moderne Kameras erkennen Gesichter und fokussieren diese selbstständig und lösen teilweise erst dann aus, wenn die fotografierte Person lächelt.

Auch geschlossene Augen werden von manchen Kameras erkannt. Der Fotograf erhält dann sofort einen Hinweis und hat die Möglichkeit, noch einmal auf den Auslöser zu drücken.

Die Kamera der Zukunft, so die Prognosen, wird viele Schritte, die man heute nachträglich mit dem Bildbearbeitungsprogramm am Rechner macht, selbstständig durchführen. Sie korrigiert Unschärfen und hebt Kontraste hervor, färbt rote Augen um und korrigiert sogar Hautunreinheiten.

Auch die Sortierung und das Wiederfinden von digitalen Bildern soll erheblich vereinfacht werden. Die Kamera versieht die Bilder automatisch mit wichtigen Schlagworten, erkennt die Personen darauf und ermittelt mittels GPS (Global Positioning System) den Aufnahmeort. So lässt sich später leichter das Bild finden, auf dem "Lukas" im "Korsika"-Urlaub in "blauer Badehose" ins "Meer" gesprungen ist.

Assistenten im Auto und auf der Straße

In modernen Autos wird inzwischen eine Vielzahl von KI-Technologien angewendet. Sensoren messen Temperatur, Straßenzustand und den Abstand zu anderen Autos und ermahnen den Fahrer, seine Geschwindigkeit anzupassen. Wenn er die Hinweise ignoriert, greift das System direkt ein und bremst ab, um einen Unfall zu verhindern.

Intelligente Lichtsysteme leuchten die Fahrbahn in Kurven optimal aus und schalten je nach Verkehrslage das Fernlicht ein und aus. In manchen Autos wird die Fahrspur mit Infrarotsensoren abgetastet, die den Sitz vibrieren lassen, sollte man die Fahrbahn verlassen.

In der Oberklasse werden auch Wärmekameras mit Personenerkennung für Nachtfahrten eingebaut. Und es gibt immer mehr Kameras, die den Verkehr beobachten: Sie registrieren Verkehrsschilder, helfen beim Einparken oder dabei, automatisch den Abstand zum Vordermann zu halten.

Anti-Blockier-Systeme für die Räder und Bremsassistenten, die den Bremsweg verkürzen, gehören bei Neuwagen schon längst zum Standard.

Doch nicht nur das Fahrzeug selbst, auch der Verkehr wird mit KI-Systemen gesteuert. So erfassen auf viel befahrenen Autobahnen Sensoren in der Fahrbahn oder in Kameras am Straßenrand den Verkehr. Sie helfen so, den Verkehr durch Geschwindigkeitsbegrenzungen, Warnhinweise oder Umleitungsempfehlungen flüssiger zu gestalten.

Auch in Städten werden an Ampeln immer öfter Anforderungssysteme installiert, die erst auf Grün schalten, wenn auch tatsächlich Fahrzeuge warten.

Die Zukunft dieser Steuerungsmöglichkeiten könnte so aussehen, dass ein Zentralrechner die Daten aller Autos in einem bestimmten Bereich erfasst und so schneller Hinweise auf mögliche Staus oder schlechtes Wetter geben kann.

Auch Autos ohne Fahrer sind denkbar. Prototypen solcher autonomer Autos sieht man manchmal auf den Straßen Berlins, wo die Freie Universität ein entsprechendes Forschungsprojekt durchführt.

Bordcomputer mit Display auf dem Armaturenbrett im PKW

Das Auto denkt mit

Die Suchmaschine weiß, was ich will

Eine Situation, die jeder von uns kennt: Ich suche eine Straße bei Google, und noch bevor ich "Mozartstraße, Köln" fertig getippt habe, bietet mir die Suchmaschine den korrekten Begriff an. Oder ich gebe nur "Mozartstraße" ein und bei den ersten Treffern wird die Kölner Mozartstraße aufgeführt und nicht die in Essen, Stuttgart, Regensburg oder Künzelsau.

Die automatische Ergänzung funktioniert deshalb, weil sich der Computer meine vorherigen Suchen – etwa in der Routenplanung – speichert und daraus schließt, dass ich in Köln wohne. Entsprechend wahrscheinlicher ist es für ihn, dass ich die Kölner Mozartstraße suche und nicht die in Wiesbaden.

Ein weiterer Faktor der "Intelligenz" der heutigen Suchmaschinen basiert darauf, dass viele Begriffe zusammen gesucht werden. So bietet Google Anfang 2013 "Twitter" als ersten ergänzenden Vorschlag an, wenn man "Boris Becker" eingibt. Das liegt daran, dass Becker inzwischen mehr Aufmerksamkeit durch seine Tweets als durch seine Tennis-Vergangenheit erregt.

Das spiegelt sich auch in den Suchanfragen und den entsprechenden Ergänzungsvorschlägen wider. Wie genau die Algorithmen aussehen, nach denen Suchmaschinen wie Google funktionieren und personalisierte Suchergebnisse und Vorschläge ausspucken, ist ein gut gehütetes Geheimnis.

Eingabemaske der Suchmaschine Google.

Wie Google genau sucht, bleibt geheim

Vom Callcenter zu Siri

"Es tut mir leid, ich habe Sie nicht verstanden! Bitte wiederholen Sie Ihre Antwort." Jeder kennt die Computerstimmen, die einen beim Anruf in Callcentern schier in den Wahnsinn treiben, weil sie auch beim dritten Mal das einfache Wort "Rechnung" nicht verstehen.

Ganz anders die Situation bei modernen Smartphones: Dort vollbringen Sprachassistenten Höchstleistungen. Sie verfassen Mails und Notizen, die man ihnen diktiert, tragen Termine ein und rufen in der Kita an. Aber wieso funktioniert das eine System so erstaunlich gut und das andere sorgt ständig für Klagen?

Der Unterschied liegt vor allem darin, dass die Systeme in Callcentern auf viele verschiedene Benutzer eingestellt sind und die Informationen über die Telefonleitung meist in minderer Qualität ankommen.

Spracherkennungen wie Apples Siri oder der Sprachsuche von Android sind dagegen direkt mit dem Benutzer verbunden, der in der Regel immer derselbe ist. Außerdem sind sie lernfähig und bei häufigem Gebrauch immer besser in der Lage, die sprachlichen Eigenheiten des Benutzers zu erkennen.

Smartphones per Spracheingabe bedienen

Die Sekretärin im Smartphone: Siri

Der Computer als Übersetzer

Nicht nur das gesprochene, auch das geschriebene Wort wird von Computern immer besser verarbeitet. Es gibt im Internet jede Menge kostenlose Übersetzungsprogramme, die einen Text zumindest so gut übersetzen können, dass man seinen Sinn in etwa versteht.

Das Problem dieser Programme ist logischerweise nicht die Bedeutung eines Wortes; Computer können problemlos tausende Wörterbücher speichern und darauf zurückgreifen. Kompliziert wird es bei Grammatik, Satzbau und Sprachstil. Eine Möglichkeit ist ein Übersetzungsspeicher mit häufigen Formulierungen und deren Übersetzungen, auf den das Programm zurückgreifen kann.

Doch auch wenn die Übersetzungsprogramme immer besser werden und vor allem die Kaufversionen inzwischen weit mehr leisten können als Gratisprogramme wie Babelfish: Bis ein Computer einen Text so gut und genau übersetzt wie ein Mensch, werden noch Jahrzehnte vergehen – wenn überhaupt.

Autor: Ingo Neumayer

Stand: 02.05.2018, 13:13

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