Stressfreier Pendeln

Stau auf einer Autobahn.

Mobilität von morgen

Stressfreier Pendeln

Von Annika Erbach und Martina Janning

Millionen Deutsche pendeln morgens mit dem Auto zur Arbeit und abends zurück. Das sorgt für Staus, Umweltschäden und Stress. Wie müsste der öffentliche Nahverkehr gestaltet sein, damit Autofahrer gerne auf Busse und Bahnen umsteigen? Wie können Unternehmer ihre Pendler unterstützen?

Wie attraktiv ist der deutsche Personennahverkehr?

Es ist ein neuer Rekordwert: 18,4 Millionen Menschen in Deutschland pendeln zur Arbeit, gab das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung 2017 bekannt. Das bevorzugte Verkehrsmittel der Pendler ist seit Jahren das Auto: 68 Prozent der Berufspendler fahren mit dem eigenen PKW. Nur 14 Prozent entscheiden sich für Bus und Bahn, also für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Könnte ein Wechsel des Verkehrsmittels für weniger Stress beim Pendeln sorgen?

Morgens in der Bahn … Typologie der Pendler Planet Wissen 23.08.2019 00:33 Min. Verfügbar bis 23.08.2024 SWR

Die meisten Psychologen raten Berufspendlern, die öffentlichen Verkehrsmittel dem Auto vorzuziehen. Nur wer mit Zug oder Bus lange unterwegs ist, öfter umsteigen oder mit häufigen Ausfällen und Verspätungen rechnen muss, sollte besser mit dem Auto fahren.

In Bahnen und Bussen lässt sich die Reisezeit freier gestalten, Berufspendler können telefonieren, schlafen, bereits am Laptop arbeiten, Filme schauen oder ein Buch lesen. Das sind gute Argumente für öffentliche Verkehrsmittel, trotzdem fahren überdurchschnittlich viele Menschen mit dem Auto zur Arbeit. Ist der ÖPNV vielleicht nicht attraktiv genug?

Öffentlicher Nahverkehr im Test: Wuppertal versus Karlsruhe Planet Wissen 23.08.2019 06:29 Min. Verfügbar bis 23.08.2024 SWR

Es gibt schlechten und teuren ÖPNV, aber auch genau das Gegenteil. Das ist das Fazit des Beratungsunternehmens Civity, das den öffentlichen Nahverkehr in 55 deutschen Großstädten getestet und dafür unter anderem Fahrpreise, Netzdichte und Taktdichte miteinander verglichen hat.

Heraus kam Überraschendes: So ist der Ticketpreis eher nebensächlich bei der Entscheidung, ob jemand Bahn fährt oder nicht. Viel wichtiger ist ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz. Denn das entscheidet letztlich darüber, ob die Fahrgäste schnell und zuverlässig ans Ziel kommen.

Die Untersuchung zeigte: Je höher die Zahl der Abfahrten an einer Haltestelle ist, desto häufiger wird ein ÖPNV-Angebot genutzt. Eine hohe Taktdichte und ein gut ausgebautes Verkehrsnetz sorgen also dafür, dass Busse und Bahnen einer Stadt oft genutzt werden.

Jobtickets und Elektroräder für Berufspendler

Um die Belastungen durchs Pendeln zu reduzieren, können auch die Arbeitgeber einiges tun. Sogenannte Jobtickets, bei denen der Arbeitgeber einen Zuschuss zur Fahrkarte gibt, können Arbeitnehmer animieren, ihre Autos in der Garage zu lassen und öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. So wird die Umwelt geschont und oftmals auch die Nerven der Berufstätigen, weil sie nicht mehr im Stau stehen.

Einige Unternehmen bieten inzwischen interne Mitfahrzentralen an. Wie bei der klassischen Fahrgemeinschaft organisieren sich hier Mitarbeiter für gemeinsame Fahrten. Dies funktioniert via Internet oder App. Andere Firmen offerieren ihren Mitarbeitern Elektrofahrräder für den Arbeitsweg. Diese dürfen dann auch in der Freizeit gefahren werden.

Zwei Personen auf Elektrofahrrädern.

Mit dem Elektrorad zur Arbeit – und in die Freizeit

Gleitzeit und Home-Office entlasten Pendler

Ein großer Stressfaktor von Pendlern ist die Angst, zu spät zur Arbeit zu kommen. Dagegen hilft ein Gleitzeitmodell, das Beschäftigten mehr Spielraum verschafft als feste Arbeitszeiten. Außerdem sollten Besprechungen nicht frühmorgens angesetzt werden, sondern erst nach den Stoßzeiten.

Durch die Digitalisierung wird es vielen Berufstätigen möglich, von Zuhause aus zu arbeiten. Das erkennen immer mehr Unternehmen und handeln. Denn durch eine Home-Office-Lösung müssen Mitarbeiter gar nicht erst zum Arbeitsplatz pendeln.

Fahrzeit als Arbeitszeit anerkennen

Aus Großbritannien kommt der Vorschlag, Fahrzeit als Arbeitszeit anzuerkennen. Denn ein Großteil der Pendler erledigt auf dem Weg Aufgaben für die Arbeit und schreibt zum Beispiel Mails, führt Telefonate oder bereitet Projekte vor. Das hatten Forscher der University of the West of England herausgefunden, als sie in den Jahren 2016 und 2017 rund 5000 Pendler befragten.

Die Studie machte aber auch deutlich, dass die Produktivität von Pendlern von freiem WLAN in Zügen abhängt. Bis WLAN in den meisten Regionalzügen in Deutschland verfügbar sein wird, werden allerdings wohl noch einige Jahre vergehen.

Stand: 12.07.2019, 14:00

Darstellung: