Gummi

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Elastische Wunderwelt

Gummi - Elastische Wunderwelt

Elastische Bälle zählen zu den ältesten gummiartigen Produkten aus Kautschuk. Die Maya nutzten sie bereits im 3. Jahrhundert zum Spielen, wie archäologische Funde belegen. Die Spielbälle wogen allerdings so viel wie Medizinbälle und waren deutlich größer als ihre Nachfahren von heute: die Flummis. Deren Name stammt aus dem Walt-Disney-Film "Der fliegende Pauker" von 1961. Ein Professor erfindet darin kleine Bälle, die durch die Luft fliegen. Er nennt sie "Flummi", eine Wortneuschöpfung aus "fliegendes Gummi".

Elastische Bälle zählen zu den ältesten gummiartigen Produkten aus Kautschuk. Die Maya nutzten sie bereits im 3. Jahrhundert zum Spielen, wie archäologische Funde belegen. Die Spielbälle wogen allerdings so viel wie Medizinbälle und waren deutlich größer als ihre Nachfahren von heute: die Flummis. Deren Name stammt aus dem Walt-Disney-Film "Der fliegende Pauker" von 1961. Ein Professor erfindet darin kleine Bälle, die durch die Luft fliegen. Er nennt sie "Flummi", eine Wortneuschöpfung aus "fliegendes Gummi".

Mit dem Titel "Er hat ein knallrotes Gummiboot" stürmte die Schlagersängerin Wencke Myhre im Sommer 1970 die deutschen Charts. Die Schlauchboote von heute bestehen in der Regel jedoch nicht aus Gummi, auch wenn sie als "Gummiboote" bezeichnet werden. Die Hersteller verwenden vor allem PVC, um günstige Boote herzustellen. Bei einigen Rafting-Booten kommen aber inzwischen wieder Mischungen auf Naturkautschuk-Basis zum Einsatz.

Wer im Haushalt mit aggressiven Reinigern hantiert, zieht sie sich über die Hände: die Gummihandschuhe. Bereits Charles Goodyear, der Erfinder der Vulkanisation, produzierte Handschuhe aus Gummi. Reich wurde er dadurch aber nicht. Ende des 19. Jahrhunderts griff das Unternehmen Goodyear Tire & Rubber Company (das lediglich den Namen von Goodyear trägt) seine Idee auf. Der Chirurg William Halstead bestellte für seine Operationsschwester Gummihandschuhe bei dem Unternehmen. Sie litt wegen der Desinfektionsmittel im Krankenhaus unter Ekzemen. Die Handschuhe halfen nicht nur der OP-Schwester, auch Halsteads Patienten profitierten davon, da diese fortan seltener Infektionskrankheiten erlitten.

Wer Gummitwist spielen will, braucht ein Gummiband, bis zu drei Mitspieler und einen festen, ebenen Boden unter den Füßen. Es gilt verschiedene Sprünge in einer bestimmten Reihenfolge zu absolvieren, möglichst ohne das Gummi zu berühren. Während sie hüpfen, sagen die Spieler bei einigen Spielvarianten passende Verse und Reime auf. Der Gummitwist ähnelt dem Paartanz "Twist", von dem auch der Name abstammt. In der DDR war das Spiel unter dem Namen Gummihopse bekannt.

Das Haltbarmachen von Lebensmitteln war über Jahrhunderte eine große Herausforderung. Napoleon Bonaparte versprach demjenigen eine hohe Belohnung, der ein neues Verfahren entwickelte, um die Truppen an der Front mit haltbaren Lebensmitteln zu versorgen. Dem Konditor Nicolas Appert gelang das. Er konservierte die Lebensmittel, indem er sie auf 100 Grad erhitzte und luftdicht in Konservendosen aus Blech einlagerte. Ende des 19. Jahrhunderts setzte der Chemiker Rudolf Rempel aus Gelsenkirchen zum Konservieren erstmals Gummidichtungen auf Gläser. Die Firma Weck vermarktete seine Idee. Sie war damit so erfolgreich, dass das Verb "einwecken" für das Einkochen in Gläsern mit Gummidichtung in den deutschen Sprachgebrauch überging und 1907 in den Duden aufgenommen wurde.

Die Gummiente für die Badewanne: Ihre Bekanntheit verdankt sie der Figur Ernie aus der Sesamstraße, der in den 1970er Jahren ein Liebeslied an sein Quietscheentchen sang. Die ersten Gummienten produzierte ein amerikanischer Spielwarenhersteller bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Sie waren aus Vollgummi und schwammen nur schlecht auf dem Wasser. Später gingen die Hersteller dazu über, die Enten aus PVC herzustellen. Um den Kunststoff flexibel zu machen, setzen sie Weichmacher ein, von denen manche nicht unbedenklich für die Gesundheit sind.

Latexkleidung und Accessoires aus Gummi spielen für manche Menschen in erotischer Hinsicht eine besondere Rolle. Das Material macht sie an. Psychologen bezeichnen diese Art der sexuellen Vorliebe als Fetischismus.

Fenster, Kühlschränke, Autotüren: Viele Alltagsgegenstände haben Gummidichtungen. Ohne diese würde das Wasser aus dem Hahn tropfen und kalte Luft von draußen ins Zimmer ziehen. Auch im Maschinen- und Anlagenbau sind Dichtungen unverzichtbar, wie dieses Beispiel zeigt: 1986 führte ein fehlerhaft konstruierter Dichtungsring kurz nach dem Start der Raumfähre Challenger zur Explosion. Die sieben Astronauten an Bord kamen ums Leben.

Kondome zählten zu den frühen Produkten, die Charles Goodyear nach der Erfindung der Vulkanisation aus Gummi herstellte. 1855 verkaufte er die ersten Exemplare. Sie waren bis zu zwei Millimeter dick und hatten eine Längsnaht. Die Kondome heute weisen dagegen lediglich eine Dicke von 0,05 bis 0,07 Millimetern auf. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs gelang Julius Fromm in Berlin eine Weiterentwicklung der Verhüterli. Er tauchte Glaskolben in flüssiges Gummi und erhielt so hauchdünne Kondome mit Reservoir.

1770 entdeckte der englische Instrumentenbauer Edward Nairne, dass sich Bleistiftstriche durch Reiben mit einem Kautschukklumpen entfernen lassen. Die Erklärung: Das Graphit des Bleistiftes haftet stärker am Kautschuk als am Papier und wird durch das Reiben mit dem Gummi abgerubbelt. Heute bestehen die meisten Radiergummis aus PVC, das Prinzip ist jedoch dasselbe.

Bereits die Maya und die Azteken stellten Schuhe und Kleidung aus Kautschuk her. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts experimentierten verschiedene europäische Forscher mit Kleidungsstücken aus Kautschuk, darunter auch Schuhe. Bei Kälte wurden diese jedoch steif und bei Hitze klebrig. Das änderte sich mit der Entdeckung der Vulkanisation durch Charles Goodyear. Die neuen Gummistiefel waren nicht nur wasserabweisend, sie reagierten auch weniger empfindlich auf extreme Temperaturen. Für Landwirte, Gärtner oder Jäger gehören die Gummitreter seitdem zur Berufskleidung. Und auch unter Kindern sind die Gummitreter sehr beliebt, da man mit ihnen so wunderbar in Pfützen hüpfen kann. Günstige Gummistiefel sind heute jedoch oft aus PVC und enthalten Weichmacher.

Stand: 20.06.2018, 08:59 Uhr

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