Süßstoffe
Thaumatin aus der Katemfefrucht
Der Süßstoff Thaumatin ist der am längsten bekannte Süßstoff. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieb der britische Afrika-Reisende Danielli den besonderen süßen Geschmack der westafrikanischen Katemfefrucht. Aus dem Samenmantel dieser Frucht wird der Süßstoff gewonnen, der unter den Zuckerersatzstoffen die höchste Süßkraft hat. Thaumatin ist 2000 bis 3000-mal süßer als Zucker.
Saccharin - der "Arme-Leute-Zucker"
Der bekannteste Süßstoff in unseren Breitengraden ist sicherlich das Saccharin. Auch er ist keine Erfindung unserer Zeit, sondern schon über 100 Jahre alt. Bis die Diätwelle der 60er Jahre über die westliche Welt schwappte, galt er als eine Art "Arme-Leute-Zucker". Saccharin wurde bereits 1878 von dem Chemiker Constantin Fahlberg entdeckt. Die Legende besagt, dass ihm ein Versuchsansatz übergekocht sei und er plötzlich ein süßes Aroma wahrnahm. Seine Entdeckung war also eher zufällig.
Saccharin kam bald als Süßstoff auf den Markt, wurde aber schon 1902 in Deutschland wieder verboten, weil es mit dem Zucker konkurrierte: Die Regierung wollte mit dem Verbot die Zucker-Industrie schützen. 1916 hob man das Verbot wieder auf. Im Zweiten Weltkrieg, als Zucker zur Mangelware wurde, stieg die Saccharinproduktion sogar steil an.
Cyclamat - eine zufällige Entdeckung in den Forschungslabors
1937 entdeckten die amerikanischen Wissenschaftler Sveda und Audrieth das Cyclamat. Auch dies geschah eher zufällig, denn die Forscher waren in den Labors der Universität Illinois auf der Suche nach einem fiebersenkenden Mittel. In den USA kam dieser Süßstoff 1950 auf den Markt. Später geriet Cyclamat in den Verdacht krebserregend zu sein. Eine kontroverse Diskussion entbrannte. Studien kamen schließlich zu dem Ergebnis, dass dieser Verdacht unbegründet war. Doch die Verunsicherung bei den Verbrauchern blieb bis heute. Wer es süß mag, ist auch bei Cyclamat an der richtigen Adresse, denn es hat im Vergleich zum Zucker eine 35-fache Süßkraft.
Die Newcomer unter den Süßstoffen
Unter den Newcomern ist beispielsweise das Aspartam, von James Schlatter entdeckt, zu nennen. Es kam erst in den 90er Jahren in Deutschland auf den Markt und verleiht zum Beispiel der Light-Cola seine Süße. Neohesperidin, von George Inglett entwickelt, stieß ebenfalls recht spät, im Jahr 1998, in die Reihe der Süßstoffe. Schließlich ist hier noch das Acesulfam zu nennen, ebenfalls eine Zufallsentdeckung des Wissenschaftlers Karl Claus in den 60er Jahren.
Stevia - Eine Neuentdeckung aus Südamerika
Es ist süßer als Zucker, hat keine Kalorien und ist auch noch gesund. Stevia hat in Japan mittlerweile die Hälfte des Süßmittelmarktes erobert. Das süße Kraut aus Südamerika ist nun auch in Deutschland auf dem Vormarsch und findet immer mehr Anhänger. Die Hauptinhaltsstoffe, die Stevioside, sind bis zu 300-mal süßer als Zucker.
Die Stevia-Blätter können getrocknet und als Pulver verrieben werden. Zudem enthalten die Blätter noch Spurenelemente wie Eisen, Silicium, Kalzium und Vitamin C. Schon die südamerikanischen Guarani-Indianer benutzten seit Jahrhunderten das Kraut zum Süßen ihrer Speisen. Im November 2011 hat das Süßungsmittel nach jahrelangem Warten endlich eine hohe Hürde genommen: Die Europäische Union erklärte Stevia für unbedenklich und ließ den Süßextrakt als Lebensmittelzusatzstoff zu. Vor allem die europäische Zuckerindustrie hatte sich bis zuletzt vehement gegen eine Zulassung eingesetzt.
Melanie Jost, Stand vom 16.11.2011







