Diabetes

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Diabetes

Diabetes gilt als eine der gefährlichsten Volkskrankheiten, auch deshalb, weil sie lange unbemerkt bleiben kann und unsere Organe oft irreparabel schädigt. Den Forschern gibt die Krankheit, unter der weltweit fast 250 Millionen Menschen leiden, immer noch viele Rätsel auf. Doch obwohl Diabetes tückisch ist, kann man damit alt werden: dank guter Therapien und mit viel Disziplin. Wer sich gesund ernährt und sich regelmäßig bewegt, kann die "Zuckerkrankheit", wie sie im Volksmund heißt, in den Griff bekommen - manchmal sogar ganz ohne Medikamente.

Diabetes: uralte Volkskrankheit

"Das Leben ist kurz, elend und schmerzvoll", so beschrieb der griechische Arzt Aretäus von Kappadokien schon im Jahr 100 nach Christus das Leiden, das später als Diabetes bekannt wurde. Bereits damals litten die Menschen unter der "Zuckerkrankheit", wie Diabetes auch genannt wird. Doch lange wusste niemand, was genau hinter dem Leiden steckt. Erst 1850 entdeckten Wissenschaftler die Ursache. Seitdem weiß man, dass Diabetes eine Stoffwechselkrankheit ist, bei der ein erhöhter Blutzucker die Hauptrolle spielt.

Eine Frau trinkt Wasser.

Unbändiger Durst kann auf Diabetes hinweisen

Das Hormon Insulin ist für die Durchlässigkeit der Zellen verantwortlich. Nur mit seiner Hilfe können die Zellen wichtige Nährstoffe wie Traubenzucker (Glukose) in ausreichender Menge aufnehmen. Gelangt zu wenig oder gar kein Zucker in die Zellen, steigt der Blutzuckerspiegel außerhalb der Zelle. Dann versucht der Körper die erhöhten Werte zu senken, indem der Blutzucker über den Urin ausgeschieden wird. Deshalb müssen Menschen mit Diabetes oft auf die Toilette und haben großen Durst.

Das gestörte Gleichgewicht hat auch Folgen für den Energiehaushalt im Körper. Langfristig wird Fettgewebe abgebaut und der Patient verliert an Gewicht. Außerdem hinterlässt die Krankheit irreparable Schäden an Nerven und Gefäßen. Wird der Diabetes nicht behandelt, kann er im Extremfall zum Tod führen.

Eine Krankheit mit vielen Gesichtern

Es gibt vier verschiedene Ausprägungen der Krankheit, denen unterschiedliche Störungen im Insulinstoffwechsel zugrunde liegen:

  • Beim Typ-2-Diabetes, unter dem 90 Prozent aller "Zuckerkranken" leiden, reagieren die Körperzellen nicht empfindlich genug auf das Insulin und bekommen deshalb zu wenig Nährstoffe.
  • Beim Diabetes vom Typ 1 zerstört das körpereigene Abwehrsystem die Zellen, die das Insulin produzieren.
  • Typ-4-Diabetes, der als Schwangerschaftsdiabetes bekannt ist, tritt bei rund fünf Prozent aller werdenden Mütter auf. Er verschwindet in der Regel nach der Geburt wieder, erhöht aber das Risiko einer späteren Zuckererkrankung.
  • Außerdem gibt es noch eine Sonderform, den Typ-3-Diabetes, der durch seltene genetische Defekte, Medikamente und hormonelle Störungen ausgelöst werden kann.

Unerkanntes Leiden

Diabetes ist eine tückische Krankheit, weil sie oft lange unerkannt bleibt. Typ-2-Diabetes wird häufig erst nach dem 40. Lebensjahr entdeckt. Deshalb wird er umgangssprachlich auch Alterszucker genannt. Allein in Deutschland leiden mehr als sechs Millionen Menschen unter Typ-2-Diabetes. Folgeschäden der jahrzehntelangen Blutzuckererhöhung können Herzinfarkte, Schlaganfälle, Nierenschwäche, Netzhaut- und Nervenschäden sowie Erektionsstörungen sein.

Neben großem Durst gibt es weitere Symptome, die auf die Krankheit hinweisen. Dazu gehören Schwächegefühl, ein geschwächtes Immunsystem und Wundheilungsstörungen. Trotzdem ist man dem Diabetes nicht hilflos ausgeliefert. Zwar spielt auch die Vererbung eine Rolle, aber wer sich viel bewegt, auf gesunde Ernährung achtet und auf Nikotin verzichtet, hat die größten Risikofaktoren ausgeschaltet. Regelmäßiger Ausdauersport und ein angemessenes Körpergewicht machen die Zellen wieder empfindlicher für das Insulin und helfen so, den Blutzucker auf natürliche Weise zu senken.

Typ-1-Diabetes beginnt in der Regel schon im Kindesalter. Forscher gehen von einer Autoimmunerkrankung aus, bei der das körpereigene Abwehrsystem die insulinbildenden Zellen komplett zerstört. Deshalb müssen Diabetiker, die unter dieser Form leiden, das lebenswichtige Hormon künstlich zuführen, indem sie es spritzen. Doch auch bei dieser Form der Krankheit helfen ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebenswandel.

Neue Therapien gegen Diabetes

Probe im Labor.

Die Forscher arbeiten kontinuierlich an neuen Therapien

Sehr vielversprechend sind zwei neue Medikamente für den Typ-2-Diabetes: GLP-1-Analoga und SGLT-1-Hemmer. Die beiden Präparate, die den Blutzuckerspiegel senken, haben Einfluss auf bestimmte Hormone: die Inkretine. Diese werden während des Essens im Darm ausgeschüttet. Beide Mittel wirken jedoch nicht mehr, wenn Patienten schon lange mit Insulin behandelt worden sind. Die Langzeitwirkungen sind zudem noch nicht erforscht. Wissenschaftler hoffen, dass die Mittel auch dabei helfen können, die Zellen, die eigentlich das Insulin produzieren, zu retten oder vielleicht sogar zu vermehren.

Außerdem arbeiten Wissenschaftler daran, die Entstehung von Diabetes zu verhindern. Sie forschen unter anderem an einer Impfung gegen den Diabetes Typ 1. Diese soll verhindern, dass das körpereigene Abwehrsystem die Zellen zerstört, die Insulin produzieren.

Eine ganz andere Form der Behandlung beim Typ-1-Diabetes ist die körpereigene Stammzelltransplantation, die sich noch im Forschungsstadium befindet. Dabei werden das Immunsystem und die Antikörper, welche die insulinproduzierenden Zellen zerstören, durch eine Chemotherapie komplett vernichtet. Um die lebenswichtigen Stammzellen zu erhalten, werden diese zuvor aus der Blutbahn herausgefiltert und anschließend wieder hineingegeben. Diese Therapie, die unter anderem gegen Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Multiple Sklerose eingesetzt wird, ist allerdings umstritten. Noch weiß niemand, welche Langzeitfolgen die Behandlung haben kann.

Letztendlich kommen fast alle Wissenschaftler zum selben Schluss: Die Symptome der Diabetes können zwar gelindert werden, aber ein Allheilmittel ist nicht in Sicht.

Erschreckende Zahlen

Auch in ärmeren Ländern leiden immer mehr Menschen an Diabetes. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird es im Jahr 2025 weltweit 333 Millionen Diabetiker geben. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bald 80 Prozent aller Zuckerkranken in Entwicklungs- und Schwellenländern leben. Viele Gesundheitsexperten sprechen deshalb von einer Epidemie. Nordafrika ist ebenso betroffen wie Indien und Südasien. Schuld sind vor allem kalorienreiches Essen, Rauchen, Alkohol und immer weniger Bewegung. Außerdem ist die Früherkennung unzureichend und die medizinische Versorgung in der Regel sehr schlecht. Das alles führt dazu, dass in Afrika die Sterblichkeitsrate für Diabetiker zehnmal höher ist als in England.

Besonders anschaulich wird das Problem auch in Nauru, einem kleinen Inselstaat im südlichen Pazifik. Fast jeder zweite Bewohner leidet dort heute an Diabetes. Bis in die 1920er Jahre war die Krankheit in Nauru weitgehend unbekannt - dann kam der Wohlstand. Gerade im Hinblick auf die Entwicklungsländer plädieren Gesundheitsexperten für mehr Aufklärung, sie wünschen sich zum Beispiel gezielte Kampagnen und Ernährungsprogramme gegen Übergewicht. Ihre Hauptforderung ist, dass gesunde Lebensmittel für alle bezahlbar werden.

Autor/in: Christiane Tovar

Stand: 15.11.2013, 12:00

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