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Probiotika

"Stärken Sie ihre natürlichen Abwehrkräfte!", "Die tägliche Quelle für ihr Wohlbefinden" - so oder ähnlich preisen die Hersteller probiotischer Joghurts und Fitnessdrinks ihre Produkte an. Doch was ist dran an den Versprechungen?

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Probiotika sind stark im Trend

Probiotische Joghurts und Fitnessdrinks gehören zu einer neuen Generation von Lebensmitteln, die man allgemein als "Functional Food" bezeichnet. Diese "Lebensmittel mit Funktion" sollen nicht nur lecker schmecken und satt machen, sondern auch eine gesundheitsfördernde Wirkung erzielen. Die Zielgruppe sind gesundheitsbewusste Verbraucher, denen die Hersteller Fitness, Gesundheit und Wohlbefinden durch die neuen Probiotika versprechen.

Der Absatz - insbesondere der probiotischen Joghurts - ist seit deren Einführung im Jahre 1995 sehr erfolgreich. 1998 hatten bereits 20 Prozent der bundesdeutschen Haushalte die neuen Joghurts probiert. Zwischen 1996 und 2004 stieg der Umsatz mit probiotischen Milchfrischerzeugnissen von 75 Millionen auf 485 Millionen Euro, das errechnete die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Gesicht eines Babys mit orangefarbenem Löffel im Mund, der mit Joghurt verschmiert ist. (Rechte: dpa)

Ihm sind die Milchsäurebakterien seines Joghurts noch gleichgültig

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Probiotika sind lebende Organismen

Der russische Bakteriologe Ilja Metschnikoff fand bereits vor 90 Jahren heraus, dass die im Joghurt enthaltenen Milchsäurebakterien die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers stärken und krankheitserregende Keime im Darm bekämpfen. Für diese Erkenntnis erhielt er 1908 den Nobelpreis. Bulgarische Bauern hatten ihn erstmals auf den Zusammenhang aufmerksam gemacht, denn die erreichen ein überdurchschnittlich hohes Alter. Weil es auf dem Balkan Tradition ist, täglich große Mengen Joghurt zu essen, wie Metschnikoff vermutete.

Um einen positiven Effekt im menschlichen Darm zu erzielen, müssen die Joghurtbakterien ihn jedoch erstmal erreichen, und das ist schwierig: Viele herkömmliche Milchsäurebakterien überleben die Reise durch den Magen-Darm-Trakt entweder gar nicht, oder nur in minimaler Zahl. Dies nahm die Lebensmittelindustrie zum Anlass, besonders robuste Bakterienstämme zu züchten, die bessere Chancen haben, lebend im Dickdarm anzukommen. In den meisten Fällen sind das Bifidobacterium- und Lactobacillus-Stämme, menschliche Darmbakterien, die künstlich vermehrt und dem Joghurt zugesetzt werden.

Weisser Joghurt in einem durchsichtigen Glas. (Rechte: WDR)

Joghurt ist nicht nur lecker, sondern auch gesund

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Wie robust sind die lebenden Mikroorganismen?

Da diese neuen und widerstandsfähigeren Bakterien gut für die Gesundheit, die Fitness - oder kurz "für das Leben" (griech. pro bios) sein sollen, nannte man sie "Probiotika". Damit die neuen Bakterien ihre positive Wirkung im Dickdarm entfalten können, müssen auch sie den Magen und seine aggressiven Säuren unbeschadet passieren. "Kein Problem!", sagen die Hersteller probiotischer Produkte und preisen an, dass zwischen zehn und 40 Prozent der Mikroorganismen lebend in den Dickdarm gelangen, weil sie vom Immunsystem wie körpereigene Bakterien behandelt werden.

Die erste Hürde scheint hier aber schon das Überleben der Bakterien im Joghurtbecher noch vor dem eigentlichen Verzehr zu sein: Tests ergaben, dass einige probiotische Joghurts mit vorrückender Nähe des Mindesthaltbarkeitsdatums nur noch wenig lebende Keime enthielten. Ein Grund dafür sind Temperaturschwankungen. Wenn die Lagertemperaturen zu hoch sind, vermehren sich die Bakterien zunächst sehr stark, um im Kühlschrank schließlich um so schneller abzusterben.

Unter dem Mikroskop leuchten die Milchsäurebakterien grell grün. (Rechte: Mauritius)

Milchsäurebakterien unter dem Mikroskop

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Probiotika - Bakterien mit viel Konkurrenz

Selbst wenn 40 Prozent der probiotischen Keime den Dickdarm erreichen sollten - was fraglich ist - stoßen sie auf circa 400 bis 600 verschiedene Bakterienarten, die in großer Anzahl im Darm leben. Damit positive Effekte erzielt werden können, müssen die Mikroorganismen also in sehr großen Mengen, etwa 100 Millionen Mikroorganismen pro Tag, verzehrt werden.

Was leisten probiotische Milchprodukte?

Die Werbung spricht den probiotischen Lebensmitteln ein breites Spektrum an gesundheitsfördernden Effekten zu. Als wissenschaftlich gesichert gilt nur, dass bestimmte Milchsäurebakterien positiv bei Durchfallerkrankungen wirken und bei regelmäßigem Verzehr seltener Durchfälle auftreten. Zudem wird die Konzentration gesundheitsschädlicher Stoffwechselprodukte gesenkt und die Milchzuckerverdauung begünstigt. Mögliche Effekte sind auch die Reduktion von Allergien, die Senkung des Cholesterinspiegels und sogar die Verhinderung von Krebs und Infektionskrankheiten.

Für alle positiven Effekte jedoch gilt: Es besteht keinerlei Sicherheit, dass sie bei allen Menschen auftreten, weil ihre Wirksamkeit von zahlreichen, individuell unterschiedlichen Faktoren abhängt. Und: In jedem Fall treten sie nur dann auf, wenn regelmäßig probiotische Lebensmittel verzehrt werden, denn probiotische Bakterien siedeln sich nicht im Darm an, sondern müssen täglich neu zugeführt werden.

Melanie Jost, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Falsch ernährt! - Krank durch "gesundes" Essen, 12.10.2007

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