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Migrationsland Deutschland

Zuwanderer und ihre Nachfahren prägen die Gesellschaft Deutschlands: Millionen, die in der Nachkriegszeit als "Gastarbeiter" in die Bundesrepublik kamen, blieben für immer; auch Flüchtlinge und Spätaussiedler ließen sich nieder. Daneben suchen seit den 1970er Jahren Menschen aus der ganzen Welt aus verschiedenen Gründen in Deutschland Asyl. Begleitet wird diese heterogene Gesellschaft vor allem von einer Frage: Funktioniert es mit der Integration?

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Eine türkische Teestube in Köln (2'51'')
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Langfristig mehr Ab- als Zuwanderung?

Wie lange wird hierzulande bereits eine politische Debatte darüber geführt, ob Deutschland ein Einwanderungsland sei. Betrachtet man allerdings die reinen Zahlen und Fakten, so stellt sich heraus: Die Bundesrepublik ist "ein Migrationsland in der statistischen Mitte zwischen Ein- und Auswanderungsland". So formuliert es der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR Migration). Das bedeutet: Zu- und Abwanderung halten sich in Deutschland ungefähr die Waage.

Eine schwarze und eine weiße Hand klatschen sich ab. (Rechte: ddp)

Zuwanderer und ihre Nachfahren prägen unsere Gesellschaft

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Aber: 2008 und 2009 sind bereits mehr Menschen aus- als eingewandert, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Es legt jährlich eine Statistik vor, wie viele Menschen dauerhaft nach Deutschland gezogen sind und wie viele die Bundesrepublik verlassen haben. 2009 waren es 721.000 Zu- gegenüber 734.000 Auswanderern. Damit hat eine Kleinstadt mit 13.000 Einwohnern Deutschland verlassen.

Man muss zu dieser Statistik allerdings kritisch anmerken, dass daraus nicht hervorgeht, wie viele Menschen Deutschland tatsächlich langfristig den Rücken kehren. Dennoch sollten die Zahlen aufhorchen lassen – denn die negative Wanderungsbilanz verstärkt die demografischen Probleme hierzulande, weil vor allem jüngere und überdurchschnittlich qualifizierte Menschen auswandern.

Ein Balkendiagramm aus dem Jahr 2007 zum Thema Migranten in Deutschland, in dem die wichtigsten Herkunftsländer aufgeführt sind. (Rechte: dpa)

Menschen mit Migrationshintergrund 2007

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Herausforderungen für die vielfältige Gesellschaft

Trotz abnehmender Zu- und steigender Abwanderung wird die deutsche Gesellschaft immer vielfältiger. Das liegt daran, dass die Einwohner mit Migrationshintergrund durchschnittlich jünger sind und mehr Kinder als die Deutschen bekommen. Damit wächst der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Vergleich zum Anteil ohne. So hatten laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2008 bereits fast ein Fünftel der hier lebenden Menschen einen Migrationshintergrund.

Gleichzeitig gibt es die Tendenz, dass die Zuwanderer aus immer mehr verschiedenen Herkunftsländern und -kulturen stammen. In den 1970er Jahren kamen drei Viertel von ihnen aus fünf Ländern (Italien, Spanien, Griechenland, Türkei und Jugoslawien). Heute dagegen verteilen sich drei Viertel der Einwanderer auf mehr als 80 Herkunftsgruppen. Das Jahresgutachten 2010 des SVR Migration nennt die Städte Frankfurt am Main und Stuttgart als Beispiele für die wachsende Heterogenität der Gesellschaft: Dort stammen die Zuwanderer bereits seit der Jahrtausendwende kontinuierlich aus mehr als 170 Ländern.

Schulklasse mit Jugendlichen verschiedener Nationalitäten. (Rechte: WDR)

Großer Unterschied zwischen Deutschen und Zuwanderern

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Große Unterschiede bei der Bildung

Integration wird im Migrationsland Deutschland zwar immer alltäglicher, gleichzeitig aber auch durch die immer heterogener werdende Gesellschaft immer schwieriger. Die heutige Einwanderungsgesellschaft zeichnet sich durch die wachsende Vielfalt von Herkunftsländern und -kulturen mit ihren ethnischen, sprachlichen und religiösen Identitäten aus sowie durch die damit verbundenen Werte und Alltagspraktiken. Darüber hinaus sind die Hintergründe für die Migration nach Deutschland enorm verschieden: Die Bandbreite reicht von angeworbenen, anerkannten Arbeitsmigranten über Flüchtlinge und Asylbewerber bis hin zu Einwanderern, die sich illegal im Land aufhalten.

Problematisch für die Integration sind die weiterhin großen Unterschiede zwischen Deutschen und Zuwanderern bei der Bildung und Ausbildung: Laut dem Statistischen Bundesamt hatten im Jahr 2008 etwa 15 Prozent der Migranten keinen allgemeinen Schulabschluss, während dieser Wert bei den deutschstämmigen Bundesbürgern nur sechs Prozent betrug.

Der Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen (UN) kritisierte im Jahr 2007 vor allem die frühe Aufteilung der Kinder auf die Schulformen und die geringe Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems. Betrachtet man die Zahlen zum Thema Berufsabschluss, so fehlt ein solcher rund 44 Prozent der Menschen mit ausländischer Herkunft; bei Bürgern ohne Migrationshintergrund sind es etwa 20 Prozent. So ist es kaum erstaunlich, dass Menschen mit ausländischer Herkunft im Alter von 25 bis 65 Jahren fast doppelt so häufig erwerbslos sind wie deutschstämmige. Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat festgestellt, dass nur in wenigen Ländern Menschen mit Migrationshintergrund über ein schlechteres Qualifikationsniveau verfügen als in Deutschland.

Ein Arzt untersucht einen Patienten. (Rechte: ddp)

In Skandinavien haben Ärzte bessere Arbeitsbedingungen

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Qualifizierte Arbeitskräfte im Land halten

Während ausländische Zuwanderer noch immer schlechter als der deutsche Durchschnitt qualifiziert sind, sind abwandernde deutsche Staatsangehörige mehrheitlich überdurchschnittlich gut ausgebildet. Ein Beispiel sind die Mediziner: In einigen Regionen Deutschlands gibt es zu wenige Ärzte, da immer mehr aus verschiedenen Gründen lieber im Ausland arbeiten. Deshalb ist eine wichtige gesellschaftliche Frage: Wie kann man qualifizierte, mobile und hoch motivierte Arbeitskräfte davon abhalten, dieses Land zu verlassen?

Klaus J. Bade, der Vorsitzende des SVR Migration, verweist auf verschiedene Untersuchungen zu diesem Thema: Auswanderer klagen über ausgeprägte Hierarchien, unzureichende Aufstiegschancen, mangelnde Leistungsgerechtigkeit, ungerechte Steuerregelungen und über eine Neidkultur gegenüber den sogenannten Besserverdienenden. Bade verlangt deshalb, dass sich all dies dringend verbessern müsse, damit Deutschland wieder attraktiver für Qualifizierte werde – sowohl für Abwanderungswillige als auch für Menschen, die zögern zuzuwandern.

Alexandra Stober, Stand vom 03.11.2010
Sendung: Deutschland einig Einwanderungsland?, 03.11.2010

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